Nachhaltige kleinbäuerliche Kakao- und Nahrungswirtschaft in West- und Zentralafrika

Programmkurzbeschreibung

Bezeichnung: Nachhaltige kleinbäuerliche Kakao- und Nahrungswirtschaft
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Nigeria, Ghana, Kamerun, Côte d’Ivoire, Togo
Politischer Träger: Ghana: Ghana Cocoa Board; Côte d’Ivoire: Ministère de l’Agriculture; Nigeria: National Planning Commission; Kamerun: Ministère de l’Economie, de la Planification et de l’Aménagement du Territoire; Togo: Ministère de l’Agriculture, de l’Elevage et de la Pêche
Gesamtlaufzeit: 2014 bis 2018

West- und Zentralafrika. Fortbildung an der Farmer Business School. Ein Kakaobauer berechnet Einnahmen und Ausgaben. © GIZ

Ausgangssituation

Kakao ist in West- und Zentralafrika eines der wichtigsten Agrarprodukte und eine der bedeutendsten Devisenquellen. Die Region liefert über 70 Prozent des weltweit produzierten Kakaos. Auf einer Anbaufläche von insgesamt fünf bis sechs Millionen Hektar wird Kakao hauptsächlich von Kleinbauern auf Flächen von bis zu zwei Hektar angebaut. Das „braune Gold“ ist die wichtigste Einkommensgrundlage für über 2 Millionen Kleinbauern und ihre Familien. Zusätzliche Einkommen stammen meist aus der Nahrungsmittelproduktion.

Doch die Erträge von Kakao und anderen Nahrungsprodukten sind niedrig. Die Familien der Kakao-Kleinbauern müssen durchschnittlich mit weniger als 2 US-Dollar pro Person und Tag auskommen. Vielen Kakaoerzeugern fehlen finanzielle Ressourcen, technisches Wissen und insbesondere unternehmerische Fähigkeiten, um moderne Technologien und wachsende Agrarmärkte für eine Einkommenssteigerung zu nutzen. Die hohe Abhängigkeit von der Kakaoproduktion als Einkommensquelle und stark schwankende Weltmarktpreise führen zu Verarmung, Mangelernährung und sozialen Problemen wie Kinderarbeit.

Ziel

West- und zentralafrikanische Kleinbauern und -bäuerinnen haben ihre Einkommen und ihre Nahrungsversorgung aus diversifiziertem Anbau nachhaltig verbessert.

West- und Zentralafrika. Mehr als ein Viertel der Absolventen von Farmer Business Schools sind Frauen. © GIZ

Vorgehensweise

Das Vorhaben unterstützt öffentliche und private ländliche Beratungsdienste in der Organisation unternehmerischer Schulungen für 350.000 Kleinbauern und -bäuerinnen in Côte d’Ivoire, Ghana, Togo, Nigeria und Kamerun. In sogenannten Farmer Business Schools (FBS) lernen die Landwirte, wie sie die Produktion von Kakao und Nahrung besser planen können, welche Kosten mit verbesserten Anbautechniken verbunden sind und wie sie mit gezielten Investitionen ihre Erträge und Einkommen steigern können.

Das Projekt arbeitet mit Unternehmen des Landhandels und Mikrofinanzeinrichtungen zusammen, die die Landwirte technisch beraten oder schulen, Marktinformation bereitstellen und Finanzdienstleistungen für sie erbringen. Beratung und Schulung für Nahrungsproduktion und gesunde Ernährung sind weitere Schwerpunkte. Die Beratung findet in sogenannten Business Service Centers statt. Die Erfahrungen aus dem Projekt werden anderen interessierten Projekten und Institutionen über regionale Plattformen wie das panafrikanische Comprehensive Africa Agriculture Development Programme (CAADP) der New Partnership for Africa’s Development (NEPAD) zur Verfügung gestellt.

Wirkungen

Zusammen mit 20 lokalen Partnern hat das Vorhaben das Schulungsprogramm der Farmer Business Schools zur Stärkung von Unternehmerfähigkeiten entwickelt. 440 speziell dafür ausgebildete Trainer und Supervisoren organisieren die Schulungen. Seit März 2010 haben sie mehr als 230.000 Bauern ausgebildet, davon waren über ein Viertel Frauen. Die Business Service Centers in Côte d’Ivoire und Kamerun haben seit ihrer Eröffnung 2011 mehr als 36.000 Kunden bedient.

FBS-Absolventen planen ihre Produktion, halten Einnahmen und Ausgaben sowie den Einsatz von Betriebsmitteln und Arbeitskräften fest und ermitteln so Einkommen und Gewinne. Auf dieser Grundlage investieren sie gezielt in bessere Produktionsverfahren. 70 bis 99 Prozent der befragten Landwirte haben die Erträge von Kakao und anderen Nahrungsprodukten wie Mais um 50 bis 100 Prozent verbessert. Über 60 Prozent haben Konten bei ländlichen Banken eröffnet und sparen Geld als Eigenkapital für neue Kredite an. Annähernd ein Drittel dieser neuen Bankkunden hat bereits Kredite für die Kakao- oder Nahrungsmittelproduktion erhalten.

West- und Zentralafrika. Eine Erzeugergemeinschaft hat hochwertige Kakaobohnen produziert. © GIZ

Um ihre Stellung am Markt zu verbessern, ist ein Drittel der Ausgebildeten einer Erzeugergemeinschaft beigetreten. Nahezu die Hälfte der FBS-Absolventen hat sich zu Erzeugergemeinschaften zusammengeschlossen. Das jährliche Haushaltseinkommen aus landwirtschaftlicher Produktion hat sich erhöht: Die Anstiege liegen zwischen 160 und 756 Euro. Das Einkommen aus Nicht-Kakaoprodukten, hauptsächlich aus der Nahrungsmittelproduktion, hat sich dabei mit Anstiegen zwischen 660 und 830 Euro mehr als vervierfacht. Mit den zusätzlichen Einkommen können die Betriebe gegebenenfalls auch Schwankungen von Kakaopreisen und -erträgen ausgleichen. Die Einkommenswirkungen für west- und zentralafrikanische Kleinbauern werden insgesamt auf 12,5 Millionen Euro geschätzt.

Die FBS-Absolventen bestätigen zudem, dass sie die Ernährung ihrer Familien in Menge und Qualität verbessert haben.