Kleinbäuerliche Kakao- und Nahrungswirtschaft in West- und Zentralafrika nachhaltig fördern

Programmkurzbeschreibung

Bezeichnung: Nachhaltige kleinbäuerliche Kakao- und Nahrungswirtschaft
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Côte d’Ivoire, Ghana, Kamerun, Nigeria, Togo
Politischer Träger: Ghana: Cocoa Board; Côte d’Ivoire: Ministère de l’Agriculture et du Développement Rural; Nigeria: Federal Ministry for Budget and National Planning; Kamerun : Ministère de l’Economie, de la Planification et de l’Aménagement du Territoire; Togo: Ministère de l’Agriculture, de l’Elevage et de l'Hydraulique
Gesamtlaufzeit: 2014 bis 2019

3D animations on good agricultural practice to support inclusive consulting services

Ausgangssituation

Kakao ist ein wichtiges Exportprodukt und bringt so ausländische Währungen nach West- und Zentralafrika. Die Region liefert mit einer Anbaufläche von fünf Millionen Hektar über 70 Prozent des weltweit produzierten Kakaos. Hauptsächlich wird Kakao von Kleinbäuerinnen und -bauern auf Flächen von bis zu drei Hektar angebaut. Für sie und ihre Familien ist Kakao die wichtigste Einkommensquelle. Zusätzliche Einkommen stammen aus der Nahrungsproduktion. Doch die Erträge sind niedrig. Die Familien der im Kakaoanbau Beschäftigten leben unterhalb der Armutsschwelle. Vielen fehlen finanzielle Ressourcen, technisches Wissen und unternehmerische Fähigkeiten, um moderne Technologien und wachsende Agrarmärkte für eine Einkommenssteigerung zu nutzen. Die hohe Abhängigkeit von Kakao als Einkommensquelle und stark schwankende Weltmarktpreise führen zu Verarmung, Mangelernährung und sozialen Problemen wie Kinderarbeit.

Ziel

475.000 west- und zentralafrikanische Kleinbäuerinnen und -bauern haben ihre Einkommen und ihre Nahrungsversorgung aus einem breiter aufgestellten landwirtschaftlichen Anbau nachhaltig verbessert.

FBS Training in Action

Vorgehensweise

Das Vorhaben arbeitet mit 50 öffentlichen und privaten Partnern in Côte d’Ivoire, Ghana, Kamerun, Nigeria und Togo zusammen. In Weiterbildungen der Farmer Business School (FBS) lernen die Landwirtschaft Betreibenden, wie sie die Produktion von Kakao und Nahrung besser planen und wie sie Investitionen in verbesserte Anbautechniken, Erträge und Einkommen steigern. Dies wird verstärkt durch eine Beratung zu guter Anbaupraxis und digitalen Medien. Die Cooperative Business School (CBS) baut auf das Konzept der FBS-Trainings auf.

Landhandelsunternehmen, Mikrofinanzeinrichtungen und Erzeugerorganisationen betreiben sogenannte Business Service Centers (BSC). Diese beraten die Landwirtschaft Betreibenden technisch, versorgen sie mit Dünger, Saatgut und Pflanzenschutzmitteln, geben ihnen Marktinformation oder unterstützen sie in Darlehens- oder Versicherungsfragen. Schwerpunkte sind Produktion von Nahrungsmitteln nach guter landwirtschaftlicher Praxis und gesunde Ernährung.

Junge Menschen arbeiten nach ihrer Qualifizierung an der FBS mit den Business Service Centern zusammen. Sie bieten unter anderem Feldvermessungen und Baumschnitte an, die den Einsatz von Pflanzenschutz verringern. Dadurch kommen Personen mit Abschluss in Arbeit und generieren Einkommen.

Das Projekt unterstützt seine Partner, Ansätze zu verstetigen und selbstständig weiterzuentwickeln. Außerdem berät die FBS seit 2017 interessierte Programme, Unternehmen und Organisationen in Afrika dabei, die erprobten Ansätze anzupassen und durchzuführen.

Cocoa farmer with tomato harvest after training to good farming practice in agricultural diversification

Wirkungen

Mit lokalen Partnern hat das Projekt das Schulungsprogramm der FBS zur unternehmerischen Stärkung von Bäuerinnen und Bauern entwickelt. 700 dafür ausgebildete Trainer und Supervisoren haben 482.000 Landwirtschaft Betreibende, davon ein Drittel Frauen, geschult. Darüber hinaus hat das Projekt 22 Partner bei der Einführung der FBS in 19 Ländern Afrikas unterstützt. Gemeinsam hat das Vorhaben so über 1,1 Millionen Bäuerinnen und Bauern geschult.

In der Beratung werden 40 Curricula zu Guter Anbaupraxis von Kakao und Nahrungsprodukten eingesetzt. Ihre Inhalte wurden an 190.000 Kleinbäuerinnen und -bauern, davon 30 Prozent Frauen vermittelt. 2.000 Management-Fachkräfte sowie Mitglieder von 400 Erzeugergemeinschaften haben in CBS-Trainings gelernt, wie sie Dienstleistungen für ihre Mitglieder transparent planen, umsetzen und dadurch ihre Marktmacht stärken. 42 Service Center haben 153.000 Kundinnen und Kunden bedient. 250 junge Beschäftige dieser Zentren haben Dienstleistungen für über 24.000 Hektar Anbaufläche erbracht.

Die geschulten Landwirtschaft Betreibenden haben die Kakaoerträge in Nigeria, Côte d’Ivoire und Kamerun annähernd verdoppelt. Die Erträge von Maniok stiegen um 63 Prozent auf 9,7 Tonnen pro Hektar und von Mais um 103 Prozent auf zwei Tonnen pro Hektar. Je nach Marktchancen haben sich die Bäuerinnen und Bauern breiter aufgestellt: Maniokverarbeitung, Gemüse- und Kochbananenanbau, Geflügelhaltung, Schneckenproduktion oder Fischzucht. Durch den erhöhten Arbeitseinsatz sind nach Schätzung mehr als 285.000 nicht-formale Vollzeitstellen entstanden.

Die Hälfte der FBS-geschulten landwirtschaftlich Beschäftigten haben Sparkonten eröffnet. Mehr als die Hälfte davon hat dadurch Agrarkredite für die Kakao- oder Nahrungsmittelproduktion erhalten. 45 Prozent der 16.600 geschulten Gruppen haben Erzeugerorganisationen eingetragen. In Nigeria sind daraus sechs Vereinigungen der Bundesländer Abia, Cross River, Edo, Ekiti, Ondo und Osun mit mehr als 800 Mitgliedsorganisationen entstanden. Mit mehr Verhandlungsmacht erzielen sie bessere Preise für ihre Mitglieder.

2017 stieg das Pro-Kopf-Einkommen – trotz niedriger Kakaopreise – im Durchschnitt real um acht Prozent auf 1,69 US-Dollar. Die geschulten Bäuerinnen und Bauern konnten ihr Einkommen aus der Nahrungsproduktion von 668 US-Dollar in Togo bis zu 3.581 US-Dollar in Nigeria erhöhen.

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