Beteiligungsorientiertes Entwicklungsprogramm in städtischen Armutsgebieten

Programmkurzbeschreibung

Bezeichnung: Beteiligungsorientiertes Entwicklungsprogramm in städtischen Armutsgebieten (PDP)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Ägypten
Politischer Träger: Ministry of Housing, Utilities and Urban Communities (MoHUUC)
Gesamtlaufzeit: 2010 bis 2018

Ägypten. Jugendzentrum im Stadtteil Ezbet el Nasr, ©PDP, GIZ

Ausgangssituation

Ägyptens Städte wachsen rapide und meist jenseits staatlicher oder kommunaler Planung. Gegenwärtig leben rund 20 Millionen Menschen im Großraum Kairo, davon um die 60 Prozent in informellen, unterversorgten und sehr dicht bebauten Stadtgebieten, die vielfach ungeplant entstehen. Bebaut werden vorwiegend ökologisch wertvolle Agrarflächen oder Flächen in staatlichem Besitz. Die Bewohner sind meist arm und haben einen niedrigen formalen Bildungsstand. Häufig meiden sie den Kontakt zur lokalen Verwaltung, da sie kein Vertrauen in eine öffentliche Daseinsvorsorge haben. Ihren Wohnraum erschließen sie oft selbst, ohne Baugenehmigungen und Anbindung an die öffentliche Infrastruktur.

Dienstleistungen, die adäquate Lebens- und Umweltbedingungen gewährleisten, erbringt der Staat in diesen Gebieten gar nicht oder nur ungenügend. Es mangelt an sozialen Dienstleistungen und sanitären Einrichtungen wie Wasser, Abwasser und Abfallentsorgung. Die extreme Bevölkerungsdichte hat zudem eine hohe Umweltbelastung zur Folge und die Lebensbedingungen werden durch Folgen des Klimawandels zusätzlich negativ beeinflusst. Organisationen der öffentlichen Verwaltung und der Zivilgesellschaft stehen dem oftmals überfordert gegenüber. Aufgrund begrenzter Planungs- und Managementressourcen können sie die notwendigen Dienstleistungen nicht erbringen oder auf Veränderungsbedarfe nicht hinreichend reagieren.

Ziel

Öffentliche Verwaltung und Organisationen der Zivilgesellschaft verbessern in Kooperation Dienstleistungen und Umweltbedingungen für die arme städtische Bevölkerung im Großraum Kairo.

Ägypten. Anwohner des Stadtgebietes Khosoos, Qalyubeya bei der Säuberung der Umgebung ©PDP, GIZ

 

Vorgehensweise

Das Programm berät Entscheidungsträger in Ministerien, der drei Gouvernorate Kairo, Giza und Qalyubeya sowie in lokalen Verwaltungseinheiten im Umgang mit den informellen Siedlungen. Schwerpunkt der Beratung ist die Einführung, Verbreitung und Anwendung von Verfahren und Methoden partizipativer Stadtteilentwicklung. Eine Vielzahl von Fortbildungen soll öffentliche und zivilgesellschaftliche Organisationen qualifizieren, Sanierungs- und Entwicklungsmaßnahmen eigenständig und effektiv planen und umsetzen zu können.

Lokal werden in neun ausgewählten Gebieten – mit einer Gesamtbevölkerung von etwa 2 Millionen Menschen – Kleinmaßnahmen von Nichtregierungsorganisationen, Lokalbehörden und Stadtteilgruppen mittels eines von der Europäischen Union finanzierten Fonds durchgeführt. Begleitet werden diese Projekte zum Beispiel von örtlichen Bewohnerbeiräten, die in den Stadtteilen gewählt werden. Vor allem die Teilhabe von Jugendlichen und Frauen an den Projekten wird gefördert.

Das Programm greift das Thema Klimaanpassung in informellen städtischen Armutsgebieten auf. Bewohner, die Lokalverwaltung und andere Akteure werden über Dialogformate und Kampagnen für das Thema sensibilisiert. Über modellhafte Kleinmaßnahmen wie Dachgärten werden Zielgruppen mit klimaresilienter Stadtteilverbesserung vertraut gemacht.

Wirkungen

Das Programm hat die Grundlagen für eine partizipative Stadtteilsanierung gelegt. Evaluierungen zeigen, dass sich die Lebensbedingungen der Bewohner in den Projektgebieten nachhaltig verbessern.

Zwischen 2010 und 2014 wurden in zwei Armutsgebieten in Qalyubeya integrierte, gemeindebasierte Abfallwirtschaftssysteme eingeführt, die rund 600.000 Einwohner erreichen. Mit finanzieller Unterstützung der Bill und Melinda Gates Stiftung wurde unter anderem die abfallwirtschaftliche Infrastruktur verbessert, zum Beispiel durch den Bau von Recycling- und Umladestationen. Derartige Maßnahmen erfolgten erstmals auf Basis einer vorherigen Planung. Sie integrieren unter anderem Müllsammler aus dem informellen Sektor und verbessern deren Lebenssituation.

Ägypten. Dachgarten-Projekt im Stadtteil Ezbet el Nasr, ©PDP, GIZ

Lokale Verwaltungen und Bevölkerung sind durch Aufklärungsmaßnahmen über Umweltthemen und mögliche Anpassungsstrategien zum Klimawandel sensibilisiert. Die Beratung zur Anpassung an den Klimawandel wird von der nationalen und lokalen Verwaltung angefragt; es finden regelmäßige Austauschforen statt. Gemeinsam mit den Bewohnern werden kleinräumige Entwicklungsmaßnahmen geplant und umgesetzt.

Es wurden erstmals partizipative Vorgehensweisen und Instrumente erarbeitet, angewandt und verbreitet. Partizipation hat bei der Aufwertung von Stadtteilen weiterhin einen hohen Stellenwert. Die institutionelle Entwicklung in den Gouvernoraten wurde durch Fortbildungen und Unterstützung bei der Organisationsentwicklung gefördert, etwa durch die Gründung von Stadtteilsanierungsabteilungen. Die neuen Verwaltungseinheiten sind nicht nur durch Dekrete institutionell verankert, sondern fungieren auch als Wissensträger für andere Abteilungen und gelten als Vorbild für andere Gouvernorate.

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