Identifizierung armer Haushalte

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Unterstützung des Programms zur Identifizierung armer Haushalte
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Kambodscha
Politischer Träger: Planungsministerium (Ministry of Planning)
Gesamtlaufzeit: 2006 bis 2019

Kambodscha. Eine Frau nutzt ihre Equity Card (Identifizierungskarte), um in einem Krankenhaus gratis Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen. © GIZ

Ausgangssituation

Der Kampf gegen die Armut ist eine der größten Herausforderungen für Kambodscha. Damit die nationale Armutsminderungsstrategie greift, müssen Entwicklungsmaßnahmen, Dienstleistungen und soziale Sicherungsprogramme auf die arme Bevölkerung ausgerichtet werden. Dafür werden Verfahren zur Identifizierung der armen Haushalte benötigt.

Ein einheitliches, von allen anerkanntes und landesweit praktiziertes Verfahren fehlte zu Projektbeginn in Kambodscha. So konnten arme Haushalte sich ihres Anspruchs auf grundlegende soziale Dienste nicht sicher sein. Selbst wenn sie rechtlich gesehen einen Anspruch hatten, zum Beispiel auf eine kostenlose medizinische Versorgung, gab es keine Möglichkeit, dieses Recht einzufordern.

Ziel

Ein standardisiertes Verfahren zur Identifizierung armer Haushalte ist von der Regierung Kambodschas offiziell verabschiedet. Die verfügbaren Daten dienen als zentrale Informationsquelle für staatliche und nichtstaatliche Organisationen, die Maßnahmen zugunsten der Armen durchführen.

Vorgehensweise

Nach einem intensiven Beratungs- und Abstimmungsprozess fiel während eines nationalen Forums im Jahr 2006 die Entscheidung, ein landesweit anwendbares Standardverfahren zur Erfassung armer Bevölkerungsgruppen zu entwickeln. Das Verfahren zur Bestimmung der Haushalte setzt auf Transparenz und Partizipation: In den Dörfern bestimmt die Gemeinschaft Vertreter aus ihrer Mitte, die an der Identifizierung der armen Haushalte mitwirken. In einem offenen Dialog mit den Dorfbewohnern wird dann für jedes Dorf anhand von Armutskriterien eine Liste mit armen Haushalten erstellt. Die gewählten Gemeinderäte prüfen sie, entscheiden über die aufzunehmenden Haushalte und veröffentlichen die Ergebnisse.

Das Vorhaben stärkt die Fähigkeiten der Mitarbeiter des Planungsministeriums, das Identifikationsverfahren in Zusammenarbeit mit regionalen Behörden zu koordinieren, wirkungsvoll umzusetzen und zu kontrollieren. Außerdem unterstützt die GIZ das Planungsministerium dabei, die Daten regelmäßig zu aktualisieren und das Verfahren weiterzuentwickeln. So soll nun auch ein Verfahren zur Erfassung armer Haushalte in Städten entwickelt werden. Bisherige Kooperationspartner waren die Europäische Kommission, die australische Entwicklungsorganisation AusAID und das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen UNICEF.

Wirkung – Was bisher erreicht wurde

2011 hat die Regierung das Verfahren als Standard für die gezielte Erfassung armer Bevölkerungsgruppen bestätigt. Die Daten werden nunmehr in allen Provinzen erhoben und alle drei Jahre aktualisiert.

Kambodscha. Befragung einer armen Familie. © GIZ

Über 12.000 Dörfer im ländlichen Raum (rund 90 Prozent aller Dörfer landesweit) haben das Verfahren zur Identifizierung armer Haushalte angewendet. Insgesamt wurden rund 776.000 Equity Cards (Identifizierungskarten) an arme Haushalte verteilt. Mit diesen Karten erhalten Arme Zugang zu zahlreichen sozialen Dienstleistungen, zum Beispiel zur kostenlosen Behandlung in öffentlichen Gesundheitseinrichtungen. Ab 2015 will das Planungsministerium das Verfahren eigenständig durchführen und ausschließlich aus dem Staatshaushalt finanzieren.