Identifizierung armer Haushalte

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Targeting – Identifizierung armer Haushalte (IDPoor)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) mit Unterstützung des australischen Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten und Handel (DFAT)
Land: Kambodscha
Politischer Träger: Planungsministerium (Ministry of Planning)
Gesamtlaufzeit: 2006 bis 2021

IDPoor-Haushaltsbefragung in einem Slum von Phnom Penh

Ausgangssituation

Armut lässt sich nur dann wirksam mindern, wenn Entwicklungsmaßnahmen gezielt auf die arme Bevölkerung ausgerichtet werden. Daher hat das kambodschanische Planungsministerium mit Unterstützung der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH das Programm „Identifizierung armer Haushalte“ (IDPoor) entwickelt. Es identifiziert arme und gefährdete Haushalte, um ihnen den Zugang zu Sozial-, Gesundheits- und anderen ausgewählten Dienstleistungen zu ermöglichen.

Ein einheitliches, allgemein anerkanntes und landesweit praktiziertes Verfahren fehlte zu Projektbeginn in Kambodscha. So konnten arme Haushalte ihren Anspruch auf grundlegende soziale Dienste, zum Beispiel eine kostenlose medizinische Versorgung, nicht geltend machen.

Ziel

Die Regierung Kambodschas identifiziert mit einem standardisierten Verfahren landesweit arme Haushalte. Die erhobenen Daten nutzen staatliche und nichtstaatliche Organisationen und Entwicklungspartner für Maßnahmen zur gezielten Armutsminderung.

Alleinerziehende Mutter mit ihrem Sohn und ihrer Berechtigungskarte

Vorgehensweise

Dorfbewohner bestimmen aus ihrer Mitte Vertreter, die die Haushalte anhand einheitlicher Armutskriterien befragen. Anschließend diskutieren sie die Ergebnisse in einem offenen Dialog und erstellen für jedes Dorf eine Liste mit armen Haushalten. Dieses Verfahren wird regelmäßig im ganzen Land angewendet, um den sozialen Sektor mit aktuellen Targeting-Daten zu versorgen.

Das Vorhaben stärkt die Fähigkeit der Mitarbeiter des Programms, das Identifikationsverfahren gemeinsam mit örtlichen Behörden und Durchführern zu koordinieren und umzusetzen. Außerdem unterstützt die GIZ das kambodschanische Planungsministerium dabei, sein Datenbanksystem zu verbessern und das Verfahren der Armutsbewertung weiterzuentwickeln. Anfangs lag der Schwerpunkt auf ländlichen Gebieten; seit 2016 werden jedoch auch städtische Räume einbezogen. Seit 2018 wird an einem bedarfsgesteuerten Verfahren gearbeitet, das die Datenerfassung zwischen den regelmäßigen Datenerhebungszyklen verbessern soll.

Die GIZ unterstützt IDPoor im Auftrag der deutschen und der australischen Regierung.

Kostenlose Behandlung von Mutter und Kind durch IDPoor

Wirkungen

2011 hat die kambodschanische Regierung IDPoor als offiziellen Standard für die gezielte Erhebung von Armutsdaten gesetzlich verankert. Die Daten werden landesweit von allen öffentlichen und privaten Sozialsektoren genutzt. Durch die jährliche Datenerhebung haben mittlerweile Millionen arme und gefährdete Menschen in Kambodscha durch das Programm Zugang zu sozialen Dienstleistungen erhalten: kostenlose Gesundheitsversorgung, Sozialtransfers, ermäßigte staatliche Gebühren, Schulspeisungsprogramme, Bereitstellung von Wohnraum, fließendes Wasser und dergleichen mehr. Im Zeitraum 2015 bis 2017 erreichte IDPoor mehr als 550.000 bedürftige Haushalte im ländlichen Raum.

2019 werden erstmals die Armen in Kambodschas Städten einbezogen. Durch die Einführung besserer Techniken, beispielsweise mobile Geräte zur Datenerhebung, konnten zwischenzeitlich wichtige Effizienzgewinne erreicht werden.

Die Nachhaltigkeit des Programms ist gesichert, da die Regierung des Königreichs Kambodscha schrittweise die Finanzierung der Betriebskosten von IDPoor übernimmt.