Energieeffizienz in der netzgebundenen Energieversorgung

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Energieeffizienz in der netzgebundenen Energieversorgung (ENEV)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Mongolei
Politischer Träger: Ministerium für Energie; Kabinettssekretariat
Gesamtlaufzeit: 2014 bis 2018

Mongolei. Thermographische Aufnahme des Kindergartens Nr. 5 in Khovd. © GIZ

Ausgangssituation

Die Mongolei ist geprägt von extremen klimatischen Bedingungen mit kurzen Sommern und langen, extrem kalten Wintern. Die wachsende Bevölkerung und der anhaltende Ausbau des Bergbausektors führen zu einer Steigerung des Energiebedarfs um etwa acht Prozent pro Jahr. Gedeckt wird der Zuwachs zum größten Teil durch Kohle. Die überalterten Strom- und Wärmeversorgungssysteme können die steigende Nachfrage kaum noch bedienen.

Das Land musste in den vergangenen zwei Wintern teuren Strom importieren, um das Stromdefizit decken zu können. Zunehmende Ausfälle drohen auch in der Wärmeversorgung. Insbesondere in ländlichen Gebieten werden die Einwohner aufgrund der desolaten Heizungssysteme vor große Herausforderungen gestellt. In öffentlichen Gebäuden (Schulen, Kindergärten und Krankenhäusern) besteht aufgrund der niedrigen Raumtemperaturen im Winter akute Gesundheitsgefährdung. Energieeffiziente Technologien und Bauweisen für diese Gebäude müssen zunächst die Innenraumtemperaturen auf ein erträgliches Maß anheben.

Der Neubau von Kraftwerken sowie Investitionen in die Netze können Energieeinsparpotentiale auf der Angebotsseite erschließen. Dies ist jedoch nur zu erwarten, wenn kostendeckende Strom- und Wärmeentgelte seitens der Verbraucher mit einer risikoadäquaten Kapitalverzinsung zum Abbau der Investitionshemmnisse beitragen. Auch bei den Verbrauchern ruht ein hohes Potenzial zur Energieeinsparung: die energetische Sanierung von Gebäuden oder Verhaltensänderungen im Stromverbrauch. So wurden bspw. die energetische Gebäudesanierung oder Verbraucherverhaltensänderung bisher nicht ausreichend adressiert.

Bislang liegen seitens der mongolischen Regierung kein Rahmenwerk oder eine entsprechende Strategie vor. Großverbraucher und Haushalte sind nicht oder nur unzureichend über Einspar- und Effizienzmöglichkeiten informiert.

Ziel

In der Mongolei ist die verantwortungsvolle Regierungsführung im Bereich Energieeffizienz verbessert. Die Energieeffizienz unterstützende politische Rahmenbedingungen auf der Angebots- und Nachfrageseite liegen vor.

Vorgehensweise

Das Projekt entwickelt mit seinen Partnern eine Energieeffizienz-Strategie. Diese soll dazu dienen, die derzeit häufig isoliert getroffenen Entscheidungen im Hinblick auf Betriebsverbesserungen und Investitionen auf einer breiteren und systematischeren Basis vorzunehmen. Eine Grundlage hierfür ist die Erarbeitung einer integrierten Energieressourcenplanung.

Eine Analyse des Gesamtsystems zur Erzeugung und Verteilung von Elektrizität und Wärme wird dabei helfen, systematisch Effizienzpotentiale zu identifizieren. Aus der Analyse lassen sich Handlungsempfehlungen für konkrete Optimierungsansätze, wie Wartungsstrategien, Betriebsoptimierungen oder Rehabilitierungsmaßnahmen ableiten. Darüber hinaus finden Trainings- und Schulungsmaßnahmen für Fachkräfte im Energiesektor statt, da aufgrund der ambitionierten Kraftwerksausbauplanung der Bedarf an gut qualifiziertem Personal steigen wird.

Um auch die angesprochenen Potentiale auf der Nachfrageseite zu erschließen, unterstützt das Vorhaben die Etablierung eines Weiterbildungssystems für Energiemanager und -auditoren.

Konkrete energetische Maßnahmen in öffentlichen Gebäuden stehen im Vordergrund der Zusammenarbeit mit der Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA), bei der ausgewählte öffentliche Gebäude saniert werden. Dabei wird eng mit den Lokalverwaltungen und der lokalen Bauwirtschaft zusammengearbeitet, damit diese mongolischen Fachkräfte zukünftig energetische Gebäudesanierungen selbst durchführen können. Des Weiteren wird gezeigt, wie dezentrale öffentliche Gelder (örtliche Entwicklungsfonds) für dringend benötigte Energieeffizienzinvestitionen in öffentlichen Gebäuden verwendet werden können. Die öffentlichen Investitionen in Energieeffizienz zielen auf die Stärkung der lokalen Bevölkerung und deren aktive Beteiligung an der Budgetierung von prioritären Investitionen ab und sollen so die Lebensqualität insbesondere im Westen der Mongolei steigern.

Mongolei. Mitarbeiter des Netzbetreibers bei einem Außentermin in einem Umspannwerk © GIZ

Ein weiterer Ansatzpunkt besteht in der Zusammenarbeit mit der mongolischen Energieregulierungsbehörde. Sie ist zuständig für die Entwicklung und Gestaltung der Tarife entlang der gesamten Wertschöpfungskette im Energiesektor. Derzeit bieten die Tarife weder Anreize zu Energieeinsparungen noch können sie die tatsächlichen Kosten der Energieerzeugung und Verteilung decken. Geeignete Tarife können Anreize zur Energieeinsparung bieten und Subventionen verringern. Das Vorhaben berät die Behörde bei der Erarbeitung und Einführung neuer Tarife.