Förderung von Kleinst-, kleinen und mittelständischen Unternehmen

Programmkurzbeschreibung

Bezeichnung: Förderung von Kleinst-, kleinen und mittelständischen Unternehmen
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Marokko
Politischer Träger: Ministère de l’Industrie, du Commerce, de l’Investissement et de l’Economie Numérique (MICIEN)
Gesamtlaufzeit: 2015 bis 2018

Workshop zum inklusiven Wachstum in Marokko © GIZ / Markus Kirchgessner

Ausgangssituation

Eine der wesentlichen Herausforderungen in Marokko ist die hohe Arbeitslosigkeit, besonders unter Jugendlichen. Der marokkanische Privatsektor besteht zu 98 Prozent aus Kleinst-, kleinen und mittelständischen Unternehmen (KKMU), die mit rund 40 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) beitragen. Allerdings schöpfen sie ihr Wachstums – und Beschäftigungspotential noch lange nicht aus. Wirtschaftspolitische Reformprozesse, Förderung von Klein- und Mittelunternehmen sowie Existenzgründern und der Zugang zu Finanzierung schaffen die Voraussetzungen für breitenwirksames Wachstum mit positiven Beschäftigungswirkungen.

Ziel

Behördendienstleistungen, öffentliche und private Förderangebote und Finanzdienstleistungen für marokkanische KKMU sind verbessert.

Berufliche Qualifizierung in der Praxis © GIZ / Markus Kirchgessner

Vorgehensweise

Das Projektteam unterstützt private und öffentliche Institutionen wie beispielsweise das Nationale Komitee zur Verbesserung des Investitions- und Geschäftsklimas dabei, die regulatorischen Rahmenbedingungen zu verbessern. Fortbildungs- und Beratungsangebote für kleine und mittlere Unternehmen bietet bereits die nationale Förderagentur Maroc PME an. Mit der Förderagentur standardisiert das Projektteam die Fortbil-dungs- und Beratungsangebote und passt sie den Bedürfnissen der kleinsten, kleinen und mittleren Unter-nehmen an. Die Partner zertifizieren Ausbilder und Berater und etablieren ein landesweites Fortbildungs- und Beratungsangebot für die Unternehmen. Die Wirkungen dieses Angebots auf den Privatsektor wertet die Förderagentur mit Unterstützung des Projektes aus.

Um den Zugang von kleinen und mittleren Unternehmen zu Finanzdienstleistungen zu erleichtern, berät das Vorhaben das Wirtschafts- und Finanzministerium. Mit ihm entwickelt das Projektteam eine nationale Strategie zur finanziellen Inklusion. Darüber hinaus werden neue Finanzierungsinstrumente erarbeitet. Dazu gehört das Konzept der „Business Angels“. Dabei handelt es sich um Unternehmen oder Privatpersonen, die sich finanziell, mit ihrem Wissen und Kontakten in ein marokkanisches Unternehmen einbringen. Im Fokus stehen auch Instrumente wie „Crowd Funding“, bei dem eine Vielzahl von Personen über eine Internetplattform in erfolgversprechende Unternehmen investieren. Diese Möglichkeiten der Finanzierung erleichtern es kleinen und mittleren Unternehmen und Existenzgründern, Zugang zu Finanzdienstleistungen zu erlangen. Flankierend arbeiten Partner und das Projektteam an der Ausdehnung des Angebots an finanzieller Bildung für kleine und mittlere Unternehmen.

Die Consultingfirma GFA unterstützt die Umsetzung des Vorhabens.

Wirkungen

Als Ergebnis der Kooperation im Vorgängervorhaben hat die marokkanische Regierung die nationale Strategie zur Förderung von kleinsten, kleinen und mittleren Unternehmen erarbeitet. Sie hat das Statut des Auto-Entrepreneurs eingeführt, das Selbständigen den Weg in die Formalität ebnet und ihnen einen eigenen rechtlichen Status verleiht. Bis Mitte 2016 haben sich schon über 30.000 Selbständige als Auto-Entrepreneurs registrieren lassen und haben damit Zugang zu staatlichen Förderangeboten.

Das vorherige Projekt hat mit der Förderagentur Maroc PME Fortbildungs- und Beratungsprodukte getestet. Auf Grundlage der Ergebnisse dieser Probeläufe hat sich Maroc PME entschieden, Existenzgründungs- und Managementtrainings für kleinste, kleine und mittlere Unternehmen nach der CEFE-Methode anzubieten. CEFE - Competency based Economies through Formation of Enterprise - ist ein erprobtes Konzept zur Förderung von Existenzgründungen. Dabei handelt es sich um ein modulares Fortbildungskonzept, um unter-nehmerische und kaufmännische Kompetenzen und Schlüsselqualifikationen von Existenzgründern und Unternehmern zu steigern. Außerdem bietet die Förderagentur den Beratungsansatz Nukleus (NAWAT) an. Dabei kommen verschiedene Betriebe aus dem gleichen Sektor zusammen und tauschen ihre Herausforde-rungen, Fragen und Erfahrungen untereinander aus. Ein Berater begleitet und berät die Gruppe. Gemeinsam entstehen so Lösungen und neue Ideen. Ein Netzwerk zertifizierter Trainer und Berater sowie staatliche und private akkreditierte Dienstleister stellen ihr Know-how landesweit zur Verfügung. Das Projekt begleitet Maroc PME dabei in allen Schritten und baut mit der Förderagentur ein System auf, mit dem die Agentur die Wirkungen dieser Arbeit überwachen kann. Bis Ende 2016 stehen etwa 160 zertifizierte Trainer und Berater zur Verfügung. Die ersten 400 Unternehmer sowie Selbständige werden an Fortbildungen teilgenommen haben.
Die Erfahrungen zeigten, dass Unternehmer bei den regelmäßigen moderierten Nukleus-Treffen gemeinsam Probleme lösen und in Folge ihre Produktivität erhöhen und Arbeitsplätze schaffen konnten. Unternehmerinnen profitieren von dem speziell für sie konzipierten Beratungsangebot Entre Elles, bei dem sich ausschließlich Inhaberinnen austauschen. Die Frauen haben die Prozesse in ihren Unternehmen verbessert, ihre Managementfähigkeiten erhöht und ihre Umsätze gesteigert. Maroc PME wird diese Beratung auch weiterhin bereitstellen.

Ausbildung von Näherinnen © GIZ / Markus Kirchgessner