Kleinst-, kleine und mittelständische Unternehmen fördern

Programmkurzbeschreibung

Bezeichnung: Förderung von Kleinst-, kleinen und mittelständischen Unternehmen in Marokkko
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Marokko
Partner: MarocPME (Agence Nationale pour la Promotion des Petites et Moyennes Entreprises); CNEA (Comité Nationale de l’Environnement des Affaires); MEF (Ministère de l’Economie, des Finances et de la Réforme de l’Administration)
Politischer Träger: Ministerium für Industrie, Handel, grüne und digitale Wirtschaft (MICEVN: Ministère de l’Industrie, du Commerce, de l’Économie Verte et Numérique)
Gesamtlaufzeit: 2015 bis 2020

Workshop zum inklusiven Wachstum in Marokko © GIZ / Markus Kirchgessner

Ausgangssituation

Wesentliche Herausforderungen in Marokko sind die hohe Arbeitslosigkeit, Unterbeschäftigung und ein stark ausgeprägter informeller Sektor. Die marokkanische Regierung hat sich daher zum Ziel gesetzt, wirtschaftspolitische Reformprozesse voranzutreiben, um ein breitenwirksames Wachstum zu ermöglichen und Arbeitsplätze zu schaffen. Vor diesem Hintergrund kommen Kleinst-, kleinen und mittelständischen Unternehmen (KKMU) eine Schlüsselrolle zu. Die marokkanische Privatwirtschaft besteht zu 98 Prozent aus KKMU, die mit rund 40 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) beitragen. Allerdings schöpfen sie ihr Wachstums- und Beschäftigungspotenzial noch lange nicht aus.

Ziel

Die Behörden- und Unternehmensdienstleistungen für marokkanische KKMU sind verbessert.

Berufliche Qualifizierung in der Praxis © GIZ / Markus Kirchgessner

Vorgehensweise

Das Vorhaben arbeitet zu der Stärkung von regulatorischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für KKMU. Hierzu gehören auch Rahmenbedingungen für einen verbesserten Zugang zu Finanzierungen. Das Vorhaben entwickelt zudem für Unternehmens- und Branchennetzwerke speziell auf KKMU angepasste Dienstleistungen und Trainingsformate, die Unternehmen in ihrer Wachstums- und Beschäftigungsorientierung unterstützen.
Das Projekt arbeitet mit dem Ministerium für Industrie, Handel, Grüne und Digitale Wirtschaft (MICEVN) zusammen. Es setzt in Abstimmung mit der Nationalen Agentur zur Förderung kleiner und mittlerer Unternehmen (MarocPME), dem Ministerium für Wirtschaft und Finanzen (MEF) und dem Nationalen Komitee zur Verbesserung des Geschäftsklimas (CNEA) verschiedene Maßnahmen um.

Das Projekt hat das Komitee CNEA unter anderem dabei beraten, Lösungen zum Online-Geschäftsgründungsverfahren und zur Verbesserung der Solidität der rechtlichen Rahmenbedingungen für die Insolvenzabwicklung umzusetzen. Die reformierte Insolvenzgesetzgebung wurde im April 2018 verabschiedet und im Amtsblatt der Regierung veröffentlicht.

Das Vorhaben unterstützte ebenso das Vereinfachen und Digitalisieren von fünf Verwaltungsverfahren (bspw. von Prozessen zur Eigentumsübertragung) in acht Regionen Marokkos. In Zusammenarbeit mit dem Vorhaben konnte die Agentur MarocPME seine Unterstützungsleistungen für Unternehmensnetzwerke erweitern: Es entwickelte Trainingsmodule zu unternehmerischen Kompetenzen und Finanzmanagement, die nun digital in einer „Virtuellen Akademie“ aufbereitet werden. Abgerundet wird dieses Angebot an Dienstleistungen durch den Gruppenberatungsansatz „Nucleus“. Derzeit sind 36 Unternehmensberater*innen bei MarocPME zugelassen.

Ein weiteres Element, das auf wachstumsorientierte Unternehmen und Start-ups abzielt, ist die Entwicklung von Dienstleistungsangeboten zu Technologietransfer und Innovation für drei ausgewählte Branchennetzwerke („Cluster“): Erneuerbare Energie, Elektrotechnik und -mechatronik sowie Agroindustrie und hochwertige Kosmetik.

Das Projekt fördert den Zugang von KKMU zu geeigneten Finanzprodukten, indem es die Gründung und Strukturierung von Business Angel-Netzwerken, Unternehmen oder Einzelpersonen unterstützt, die jungen Unternehmen finanzielle Mittel und Expertenwissen zur Verfügung stellen. Zudem hat das Vorhaben die Ausarbeitung eines Gesetzentwurfs für Crowdfunding unterstützt, der dem Generalsekretariat der Regierung vorgelegt und zur Abstimmung im Parlament vorbereitet wurde.

Ausgewählte Aktivitäten zu grünem Unternehmertum, Förderung von Selbstständigen und Unterstützung von wachstumsorientierten Unternehmen (bspw. über Business Angel-Netzwerke) werden im Rahmen einer EU Ko-Finanzierung umgesetzt.

Wirkungen

2019 konnte sich Marokko im „Doing Business Report“ der Weltbank um sieben Plätze in der Weltrangliste verbessern und liegt derzeit auf Platz 53 von 190 Ländern.

Seit 2017 wurden 6.584 KKMU, Selbstständige und Unternehmensgründer*innen (davon 43 Prozent Frauen) unterstützt und trainiert. Hiervon haben sich 654 KKMU in ca. 45 „Nucleus“-Beratungsgruppen organisiert. So konnten im Zeitraum 2017-2018 3.573 Arbeitsplätze geschaffen werden, darunter 1.387 dauerhafte Arbeitsplätze.

Darüber hinaus hat das Vorhaben die Entwicklung und Umsetzung einer Nationalen Strategie für Finanzielle Inklusion unterstützt. Die mit dem Wirtschaftsministerium und der Al Maghrib Bank vereinbarten Vorschläge wurden im April 2019 vom Nationalrat für Finanzielle Inklusion angenommen.

Das Wirtschaftsministerium hat zudem mit Unterstützung des Projekts 2018 ein Handbuch zu öffentlichen Finanzprodukten herausgegeben, das sich an KKMU, Selbstständige und Unternehmensgründer*innen richtet und nun digital aufbereitet wird. Es hilft ihnen dabei, fundierte Entscheidungen über geeignete Finanzierungsmöglichkeiten zu treffen.

Ausbildung von Näherinnen © GIZ / Markus Kirchgessner

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