Integration des Genderansatzes in die marokkanische Wirtschafts- und Sozialpolitik

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Integration des Genderansatzes in die marokkanische Wirtschafts- und Sozialpolitik
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Marokko
Politischer Träger: Ministère du Développement social, de la Famille et de la Solidarité
Gesamtlaufzeit: 2003 bis 2013

Marokko. Für die Frauen in Marokko ist nur ein kleiner Stuhl frei – mit solchen Karikaturen macht eine Ausstellung auf die Diskriminierung von Frauen aufmerksam. © GIZ/ El Hamriti

Ausgangssituation

Die marokkanische Gesellschaft ist stark von sozialer und ökonomischer Ungleichheit zwischen Männern und Frauen geprägt. Menschenrechte wie das Recht auf Bildung, Arbeit, Eigentum und das Recht auf ein Leben frei von Gewalt und Zwang gelten für Frauen häufig nicht. Bis vor kurzem waren Frauen auch von politischen Entscheidungsprozessen weitgehend ausgeschlossen. Bei der Bewertung der Genderentwicklung belegt Marokko lediglich Platz 149 von insgesamt 158 Ländern.

Seit 1999 befindet sich Marokko in einem gesellschaftlichen Modernisierungsprozess, in dessen Verlauf wichtige Reformen zur Gleichberechtigung der Geschlechter angestoßen wurden. 2004 wurde das Personenstandsrecht (Moudawana) modernisiert und die Stellung der Frau in der Familie aufgewertet. 2007 hat die marokkanische Regierung eine nationale Genderstrategie mit dem Ziel verabschiedet, für Männer und Frauen Gleichheit zu schaffen. Die Strategie soll von 2011 bis 2015 im Rahmen einer Nationalen Agenda umgesetzt werden.

Ziel

Durch gendersensible Planung von Wirtschafts- und Sozialpolitiken auf nationaler und regionaler Ebene wird die Überwindung sozialer und ökonomischer Ungleichheit zwischen Männern und Frauen unterstützt. Der Genderansatz ist in den Politiken und Programmen ausgewählter Institutionen des öffentlichen und privaten Sektors sowie von Nichtregierungsorganisationen (NRO) umgesetzt.

Vorgehensweise

Die Projektaktivitäten setzen auf allen Ebenen an und umfassen Politik- und Institutionenberatung sowie die Unterstützung von Zivilgesellschaft und Privatwirtschaft.

Das Vorhaben begleitet die Umsetzung der nationalen Politik zur Gleichberechtigung der Geschlechter und des dafür entwickelten Aktionsplans 2011–2015 der marokkanischen Regierung. Insbesondere wird die Entwicklung und Nutzung geeigneter Systeme zum Monitoring und zur Evaluierung unterstützt. Fortbildungsmaßnahmen erhöhen die Fähigkeiten von Partnern und Mittlern im Hinblick auf methodische Ansätze und Umsetzungsschritte. Das Vorhaben ermöglicht den Austausch und die Netzwerkarbeit zwischen den verschiedenen staatlichen und nichtstaatlichen Akteuren und stellt fachliche Expertise zur Verfügung.

Neben dem Sozialministerium als Hauptpartner sind das Finanzministerium, das Arbeitsministerium, das Modernisierungsministerium sowie die Agentur für soziale Entwicklung und das NRO-Netzwerk Espace Associatif wichtige Projektpartner. Weitere Organisationen der Zivilgesellschaft werden ebenfalls unterstützt.

Wirkung – Was bisher erreicht wurde

Im Rahmen der mit der Reform des Familienstandrechts einhergehenden öffentlichen Debatte über die Gleichberechtigung der Geschlechter hat das Vorhaben seit Juni 2003 die Formulierung einer nationalen Genderstrategie unterstützt, die 2007 verabschiedet wurde. Diese wurde in einer Nationalen Agenda 2011–2015 konkretisiert, an deren Umsetzung 25 Ministerien beteiligt sind. Initiativen zur Geschlechtergleichberechtigung finden nun in einem abgestimmten strategischen Rahmen statt.

Das Projekt hat 2009 die Entwicklung und Umsetzung einer Ethik-Charta durch die politischen Parteien begleitet. Durch die erfolgreiche Einführung einer Quote stieg der Anteil der gewählten Frauen bei den Kommunalwahlen 2009 von 0,56 auf 12 Prozent.

Um dem Fachkräftemangel auf dem Gebiet Gender und Politik entgegenzuwirken, hat das Projekt die Einrichtung eines entsprechenden Masterstudiengangs an der Universität Mohamed V in Rabat unterstützt. Das Projekt konnte den Entwicklungsfonds der Vereinten Nationen für Frauen (ONU Femmes) für die Förderung des Studiengangs gewinnen. Es konnte bereits der dritte Ausbildungszyklus begonnen werden und die Nachfrage unter Studienplatzbewerber/innen ist hoch.

Die vom Projekt begleitete Agentur für soziale Entwicklung (Agence Développement Social – ADS) hat weiteres Personal für Genderfragen eingestellt und verfolgt nun systematisch eine gendersensible Formulierung und Umsetzung ihrer Programme.

Fünfundvierzig der vom Projekt unterstützen Nichtregierungsorganisationen des Netzwerkes Espace Associatif haben Genderindikatoren bei Planung und Durchführung sowie Monitoring und Evaluierung ihrer Aktivitäten eingeführt.

Elf Großunternehmen sowie zwanzig kleine und mittelständische Unternehmen erfüllen die Kriterien zur beruflichen Gleichstellung der Geschlechter des CSR-Labels (Corporate Social Responsibility), das sozial verantwortungsvolle Unternehmensführung bestätigt.