Privatwirtschaftsentwicklung und Berufsbildung im Südkaukasus

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Privatwirtschaftsentwicklung und Berufsbildung im Südkaukasus
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Länder: Armenien, Aserbaidschan, Georgien
Politische Träger: Wirtschafts- und Bildungsministerien Armenien, Aserbaidschan und Georgien
Gesamtlaufzeit: 2017 bis 2020

Ausgangssituation

Die drei Länder des Südkaukasus, Armenien, Aserbaidschan und Georgien, müssen ein breitenwirksames Wachstum schaffen, um das Stadt-Land-Gefälle und die Armut, vor allem in ländlichen Regionen, zu reduzieren. In den arbeitsmarktrelevanten Sektoren, wie Tourismus und Landwirtschaft, werden hierfür Fachkräfte benötigt, die entsprechend der Bedarfe der Privatwirtschaft ausgebildet sind. In der beruflichen Bildung sind die notwendigen Voraussetzungen dafür nicht ausreichend. Vor allem fehlen eine gezielte Einbindung des Privatsektors und eine praxisorientiertere Ausbildung.

Ziel

Die Voraussetzungen für eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung ausgewählter beschäftigungsrelevanter Sektoren sind verbessert.

Vorgehensweise 

Das Vorhaben folgt dem integrierten Ansatz der deutschen Entwicklungszusammenarbeit für Beschäftigungsförderung. Es setzt auf der Angebots- und auf der Nachfrageseite des Arbeitsmarkts an, um die Grundlagen für Beschäftigung zu verbessern. Im Vordergrund steht die Einbindung des Privatsektors in die berufliche Bildung.

Förderung der Privatwirtschaft. Die Leistungsfähigkeit maßgeblicher Institutionen der Unternehmensförderung, lokaler Regierungseinheiten und ausgewählter Unternehmen wird gestärkt, um die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern und nachhaltige Geschäftsmodelle in beschäftigungsrelevanten Sektoren zu entwickeln.

Berufliche Bildung. Die Bedarfe für die Personalqualifizierung werden analysiert und geeignete Bildungsanbieter ermittelt. Sie werden dabei unterstützt, Curricula für berufliche Qualifizierungen neu zu entwickeln und an internationale Standards anzupassen. Lehrmethoden und Management in zentralen Bildungseinrichtungen werden verbessert. Qualitätsmanagement, Zusammenarbeit mit der Wirtschaft und die Entwicklung dual orientierter Ausbildungsgänge stehen dabei im Vordergrund.

Regionaler und internationaler Erfahrungsaustausch. Durch themenspezifische Austauschformate lernen die Durchführungspartner in der Region voneinander und vernetzen sich. In Regionalakademien entwickeln Ministerien und regionale Partner gemeinsam Kooperationsansätze für Berufsbildung, Tourismus und Weinbau.

In Armenien ist die Beratung des Vorhabens auf Weinbau, Tourismus und Feinmechanik/IT ausgerichtet, in Aserbaidschan auf Weinbau, Landwirtschaft und Tourismus und in Georgien auf Weinbau, Tourismus und Bauwirtschaft.

Das Vorhaben wird von der Europäischen Union (EU) kofinanziert. Es kooperiert mit der Consultingwirtschaft und der Durchführungsorganisation der verfassten Wirtschaft, sequa gGmbH.

Das Programm baut auf den Wirkungen des Vorgängerprogramms „Privatwirtschaftsförderung im Südkaukasus“ (2013–2017) auf.

Armenien. Im Tourismussektor wurden in den beiden ländlichen armenischen Regionen Gegharkunik und Vayots Dzor neue lokale Förderkonzepte entwickelt, auf deren Grundlage kleine Tourismusunternehmen ihr Angebot verbessern und Zugang zu Finanzierungen erhalten konnten. In Zusammenarbeit mit der deutschen Hochschule Geisenheim und lokalen armenischen Ausbildungsanbietern konnte erstmals ein Ausbildungsprogramm „Önologie und Weinwirtschaft“ mit 11 neu eingeführten Ausbildungsmodulen aufgebaut werden. Die Absolventen werden erfolgreich in den Arbeitsmarkt integriert.

Aserbaidschan. Über öffentlich-private Dialogforen wird der Austausch zwischen Ministerien, öffentlichen Einrichtungen und dem Privatsektor in der Berufsbildung gefördert. Entsprechend den ermittelten Bedarfen wurden gemeinsam mit lokalen Bildungsanbietern Kurzzeit-Trainingsmodule in Goychay und Khachmaz neu entwickelt und durchgeführt. Dadurch wurde die Produktionsleistung von 60 Bauern qualitativ und quantitativ verbessert. Ein gemeindebasiertes Tourismusmodell in der Region um den Goygöl National Park fördert die Entwicklung des ländlichen Tourismus und schafft Einkommen.

Georgien. Produzenten von Qvevri-Wein, der traditionell in Tonamphoren produziert wird, haben sich mit der Unterstützung des Programms zu einem Cluster zusammengeschlossen. Sie steigern gemeinsam die Qualität ihrer Produkte für die internationale Vermarktung und bauen ihr Weintourismusangebot aus. Die Unternehmen konnten ihren Absatz in der EU binnen zwei Jahren um 68 Prozent und ihren Umsatz um 121 Prozent steigern. Darüber hinaus konnten 300 Anbieter von Gästezimmern und Hotelmanager in den Tourismusgebieten Oberracha und Anaklia ihre Dienstleistungen verbessern und Einkommen für weitere Personen schaffen.

Im Rahmen des Vorhabens wurde Ende 2016 die erste vollständig duale Berufsbildung für Winzer in Georgien etabliert. Auch in Tourismus und Bau werden bis zu 15 duale Ausbildungsgänge, in enger Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft, entwickelt und sukzessive eingeführt.

Regionaler Austausch. Die regionalen Austauschakademien für Teilnehmer des öffentlichen und privaten Sektors schaffen eine Plattform für themenspezifisches Lernen, fachlichen Austausch und weiterführende Kooperationen für gemeinsame nationale, regionale und sektorale Projekte, unter anderem zu dual orientierter Berufsbildung oder grenzüberschreitendem Tourismus.

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