Privatwirtschaft und Berufsbildung im Südkaukasus fördern

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Schwerpunktprogramm Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung: Komponente Privatwirtschaftsentwicklung und Berufsbildung im Südkaukasus
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), kofinanziert von der Europäischen Union (EU)
Länder: Armenien, Aserbaidschan, Georgien
Politische Träger: Ministerium für Wirtschaft (Ministry of Economy, MoE) in Armenien; Ministerium für Wirtschaft (Ministry of Economy, MoE) in Aserbaidschan; Ministerium für Wirtschaft und nachhaltige Entwicklung (Ministry of Economy and Sustainable Development, MoESD) in Georgien.
Gesamtlaufzeit: 2017 bis 2023

Ausgangssituation

Die drei Länder des Südkaukasus, Armenien, Aserbaidschan und Georgien stehen vor der Herausforderung, Armut zu bekämpfen und das Gefälle zwischen Stadt und Land zu verringern. Dafür müssen die Länder ein wirtschaftliches Wachstum schaffen, von dem die gesamte Bevölkerung profitiert. 

Für ein breitenwirksames Wachstum sind Fachkräfte erforderlich, die nach den Bedarfen der Wirtschaft ausgebildet sind. Bisher sind viele Unternehmen jedoch nicht wettbewerbsfähig, da ihnen gut ausgebildete Fachkräfte fehlen. Dies betrifft insbesondere Branchen, die in vergleichbaren Volkswirtschaften und auch im Südkaukasus das größte Beschäftigungspotenzial aufweisen. Die berufliche Bildung geht derzeit jedoch noch an den Anforderungen des Arbeitsmarktes vorbei: Vor allem fehlt eine gezielte Einbindung der Wirtschaft und eine praxisorientiertere Ausbildung.

Ziel

Branchen mit hohem Beschäftigungspotenzial erleben eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung.

Vorgehensweise 

Das Vorhaben fördert Beschäftigung mit einem integrierten Ansatz: Es unterstützt Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt, um die Grundlagen für Beschäftigung zu verbessern. Dazu bindet es die Privatwirtschaft stärker in die berufliche Bildung ein und steigert zudem die Wettbewerbsfähigkeit von Branchen mit hohem Beschäftigungspotenzial. Das Vorhaben arbeitet dazu in folgenden Themenfeldern:

Förderung der Privatwirtschaft. Institutionen der Unternehmensförderung, ausgewählte Unternehmen sowie Regierungsstellen werden unterstützt, um die Wettbewerbsfähigkeit beschäftigungsrelevanter Branchen zu verbessern und nachhaltige Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Berufliche Bildung. Das Vorhaben analysiert die Anforderungen der Personalqualifizierung und ermittelt geeignete Bildungsanbieter. Qualitätsmanagement, Zusammenarbeit mit der Wirtschaft und die Entwicklung dual orientierter Ausbildungsgänge stehen dabei im Vordergrund.

Regionaler und internationaler Erfahrungsaustausch. In thematischen Austauschformaten lernen die Durchführungspartner*innen in der Region voneinander und vernetzen sich. In Regionalakademien entwickeln Ministerien und regionale Partner*innen gemeinsam Kooperationsansätze.

In Armenien ist die Beratung des Vorhabens auf Weinbau, Tourismus und IT ausgerichtet, in Aserbaidschan auf Weinbau, Landwirtschaft, Tourismus sowie Transport und Logistik und in Georgien auf Weinbau, Tourismus, Bauwirtschaft, IT und Bekleidung.

Das Vorhaben wird von der Europäischen Union (EU) kofinanziert. Es kooperiert mit verschiedenen Institutionen im Südkaukasus, in Deutschland und international.

Wirkungen

Seit 2013 konnte das Vorhaben zusammen mit einem Vorgängerprogramm zur Wirtschaftsförderung im Südkaukasus folgende Wirkungen erzielen:

Armenien: Im Tourismus haben kleine Unternehmen ihr Angebot verbessert und erhielten Zugang zu Finanzierungen. Das Ausbildungsprogramm „Önologie und Weinwirtschaft“ wurde erfolgreich aufgebaut. Die duale Berufsausbildung ist im armenischen Regierungsprogramm 2019 bis 2024 verankert. 

Mit einer Kofinanzierung der EU wurden mehr als 450 neue Jobs und über 150 neue Unternehmen geschaffen. Darüber hinaus erhielten rund 10.000 kleine und mittlere Unternehmen (KMU) und Start-ups Unterstützung durch Trainingsmaßnahmen und Zuschüsse. 56 Unternehmen konnten Kapital in Höhe von 6,7 Millionen Euro generieren. 600 Unternehmerinnen haben sich in einem neu gegründeten Verein zusammengeschlossen. 

Aserbaidschan: Der Austausch zwischen Ministerien, öffentlichen Einrichtungen und der Privatwirtschaft in der Berufsbildung hat sich verbessert. Entsprechend den Bedarfen wurden Module für Kurzzeittrainings entwickelt und durchgeführt. 60 Bauern konnten ihre Produktion dadurch erheblich verbessern. Ein gemeindebasiertes Modell um den Göygöl National Park fördert die Entwicklung des Tourismus und schafft Einkommen.

Mit Kofinanzierung der EU wurde ein duales Berufsbildungsangebot geschaffen und 488 Auszubildende wurden in Tourismus und Landwirtschaft ausgebildet. Dafür haben drei Berufsschulen und 74 Unternehmen zusammengearbeitet, von denen die Hälfte KMU waren. Das Vorhaben unterstützte die Berufsschulen auch mit Ausrüstung und Werkstätten.

Georgien: Firmen haben sich zu Clustern zusammengeschlossen und verbessern gemeinsam die Qualität ihrer Produkte und Dienstleistungen. Weinunternehmen konnten ihren Absatz in der EU in zwei Jahren um 68 Prozent und ihren Umsatz um 121 Prozent steigern. Außerdem konnten 300 touristische Unterkünfte ihre Dienstleistungen verbessern und weiteres Einkommen erzielen. Ende 2016 etablierte sich mit Hilfe des Vorhabens die erste duale Berufsbildung für Winzer. 

Im Rahmen einer EU-Kofinanzierung wurden Unternehmen in den Bereichen IT, Film, Möbel- und Innendesign sowie Bekleidung unterstützt, Geschäftsbeziehungen mit europäischen Unternehmen aufzubauen. Daraus entstanden neue Produkte und Arbeitsplätze. Mehr als 100 KMU sind nun in Clustern organisiert. Dies kommt etwa 1.500 Beschäftigten zugute.

Regionaler Austausch. Die regionalen Austauschakademien schaffen eine Plattform für themenspezifisches Lernen, fachlichen Austausch und weiterführende Kooperationen für nationale, regionale und sektorale Projekte, unter anderem zu dual orientierter Berufsbildung oder grenzüberschreitendem Tourismus.

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