Privatwirtschaftsentwicklung im Südkaukasus

 

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Privatwirtschaftsentwicklung im Südkaukasus
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Länder: Armenien, Aserbaidschan, Georgien
Politische Träger: Wirtschafts- und Bildungsministerien Armenien, Aserbaidschan und Georgien
Gesamtlaufzeit: 2013 bis 2017

Ausgangssituation

Die drei Länder des Südkaukasus, Armenien, Aserbaidschan und Georgien, stehen vor der Herausforderung, ein breitenwirksames Wachstum zu schaffen, um das Stadt-Land-Gefälle und die Armut vor allem in ländlichen Regionen zu reduzieren. Aufgrund kleiner Binnenmärkte mit geringer Kaufkraft setzen die jeweiligen Regierungen auf den Ausbau des Außenhandels. Potenzial besteht vor allem bei verarbeiteten Agrarprodukten und im Ausbau des Tourismus. Die unternehmerischen und institutionellen Voraussetzungen für die Entwicklung außenhandelsorientierter Wirtschaftsbereiche sind allerdings nicht in ausreichendem Maße gegeben. Insbesondere der zunehmende Bedarf an hochqualifizierten Fachkräften stellt eine Herausforderung für die Unternehmen dar.

Ziel

Die Voraussetzungen für die Entwicklung ausgewählter, außenhandelsorientierter Wirtschaftsbereiche für breitenwirksames Wachstum haben sich verbessert.

Vorgehensweise

Das Vorhaben unterstützt die Umsetzung von Politiken, Strategien und Pilotmaßnahmen in drei Handlungsfeldern.

Verbesserung der Rahmenbedingungen. Staatliche und private Organisationen der Wirtschaftsförderung werden bei der Anpassung und Entwicklung von Strategien und Politiken sowie bei der Umsetzung sektoraler Förderprogramme beraten.

Förderung der Privatwirtschaft in ausgewählten Wertschöpfungsketten. In Kooperation mit staatlichen Förderinstitutionen, Dienstleistungs- und Bildungsanbietern, Wirtschaftsvertretern und deren Verbänden und Vertretungsorganen werden in ausgewählten Wertschöpfungsketten neue und angepasste Dienstleistungsangebote entwickelt.

Berufliche Qualifizierung. Mit Blick auf die Entwicklungsperspektiven der Unternehmen werden die Bedarfe für die Personalqualifizierung analysiert und Bildungsanbieter ermittelt. Diese werden dabei unterstützt, Curricula für berufliche Qualifizierungen neu zu entwickeln und an internationale Standards anzupassen. Lehrmethoden und Management in zentralen Bildungseinrichtungen werden verbessert. Dabei stehen das Qualitätsmanagement und die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft im Vordergrund.

In Armenien sind die Beratungsleistungen gezielt auf die ausgewählten Sektoren Wein, Tourismus und Präzisionsmechanik, in Aserbaidschan auf die ausgewählten Sektoren Getränke-/ Agroindustrien, Tourismus und Chemie ausgerichtet. Die Beratung des Vorhabens in Georgien ist auf die Sektoren Wein, Tourismus und Bauwirtschaft ausgerichtet.

Das Vorhaben kooperiert bei der Realisierung mit der Consultingwirtschaft, mit AFC Consultants International & DLG TestService und sequa gGmbH.

Wirkungen

Armenien. Im Wein- und Tourismussektor wurden Potenzial- und Entwicklungsanalysen erstellt und in den politischen Dialog eingebracht. Zur Umsetzung der staatlichen Aktionspläne wurden die Gründung einer „Qualitätsinitiative Wein“ und der Aufbau einer „Wine Academy“ beim Agrarinstitut ICARE ebenso auf den Weg gebracht wie der Aufbau eines überregionalen Trainingscenters für Tourist Guides und die Einrichtung von Tourismus-Infozentren. Die ebenfalls neu eingerichteten „Sector Skills Development Center“ dienen als Dialog- und Dienstleistungsplattformen, um Qualifizierungsbedarfe und bedarfsgerechte Angebote für den Wein- und Tourismussektor zu entwickeln und anzubieten.

Aserbaidschan. Um die Internationalisierung der Getränkeindustrie voranzutreiben, sind Dienstleister der Branche auf internationale Anforderungen vorbereitet worden. Gemeinsam mit den im Chemiepark Sumgait Chemical Industrial Park (SCIP) angesiedelten Unternehmen berät das Vorhaben den Aufbau eines Berufsbildungszentrums für Chemieberufe und Mechatronik. Aserbaidschan hat eine breit angelegte Qualifizierung für das Management beruflicher Bildungsträger initiiert. Dazu ist ein Zentrum in Gründung, das vom Vorhaben im Aufbau beraten wird. In fünf ausgewählten Regionen finden sogenannte Beschäftigungsforen statt. Hier stehen Fragen der Beschäftigungsförderung durch verbesserte Berufsbildungsangebote im Vordergrund, besonders die Einbeziehung des Privatsektors.

Georgien. In jährlichen Sektor-Kooperationsforen werden die Anforderungen an ein verbessertes berufliches Qualifizierungsangebot erarbeitet. Pilotmaßnahmen auf Unternehmensebene sind angelaufen, so ein nachhaltiges Tourismusprojekt in der Provinz Ober-Racha, die Qualifizierung für Inhaber und Mitarbeiter von kleinen Hotels und Gästehäusern, von Architekten, Designern und Baufachleuten für Energieeffizienz und die Förderung von Weinproduzenten, die Wein im für Georgien typischen traditionellen Qvevri-Verfahren keltern. Die Berufsbildung in Bauberufen ist durch Modernisierung der Curricula und Werkstätten im Bereich Arbeitssicherheit verbessert worden. Staatliche und private georgische Bildungseinrichtungen führen Qualitätsmanagement-Systeme nach dem EFQM-Modell (European Foundation for Quality Management) und ISO 29990 ein.

Regionaler Austausch. Von georgischen Architektinnen und Designerinnen wurde ein Dialogforum Europa – Südkaukasus angestoßen. Armenien und Georgien bereiten die Teilnahme an WorldSkills International 2015 vor, um Bildungsstandards in ausgewählten Berufen international auszurichten. In regionalen Austauschakademien kommen regelmäßig Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft der drei Kaukasusländer mit deutschen und internationalen Experten zusammen, um sich über Entwicklungsansätze und Erfahrungen in den selektierten Wirtschaftsbereichen und zur Verbesserung der beruflichen Bildung auszutauschen.