Biologische Vielfalt – Chancen für Mensch und Natur

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Schutz der Agrobiodiversität im ländlichen Raum Albaniens
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Albanien
Politischer Träger: Umweltministerium der Republik Albanien
Gesamtlaufzeit: 2012 bis 2017

Albanien. Natur: Ein Zaunammer. © GIZ

Ausgangssituation

Albanien ist durch eine hohe biologische und landschaftliche Vielfalt gekennzeichnet. Obwohl das Land weniger als 0,3 Prozent der Fläche des europäischen Kontinents einnimmt, beherbergt es 30 Prozent aller bekannten europäischen Tier- und Pflanzenarten. Die teils schwer zugänglichen Bergregionen sind besonders artenreich. Auch die Vielfalt an Pflanzensorten und Tierrassen ist aufgrund der geografischen Lage und jahrzehntelanger wirtschaftlicher Isolation sehr hoch.

Mit der politischen Öffnung des Landes nahm der Verlust der natürlichen wie auch der landwirtschaftlich genutzten biologischen Vielfalt (Agrobiodiversität) zu. Wildarten sind durch Fragmentierung ihres Lebensraumes und nicht nachhaltige Jagd- oder Sammelpraktiken gefährdet. Heimische Nutzpflanzen und Tierrassen gehen wegen der Abwanderung der ländlichen Bevölkerung und fehlender Kontrolle des Handels mit Saatgut und Haustieren verloren – und mit ihnen das Wissen über ihre Bewirtschaftung und wirtschaftlichen Potenziale.

Ziel

Der Schutz und die nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt sind verbessert.

Albanien. Tourismus: Bergwanderer in den Nordalpen. © GIZ

Vorgehensweise

Das Programm verfolgt einen integrierten Ansatz der ländlichen Entwicklung. In diesem geht der Schutz der biologischen Vielfalt einher mit der Förderung von nachhaltiger Landwirtschaft und Tourismus. Die Umsetzung des Programms wird von GOPA Consultants unterstützt.

Auf nationaler Ebene berät das Programm das Umweltministerium dabei, rechtliche und institutionelle Rahmenbedingungen zum Schutz der Biodiversität, einschließlich der Reform der Schutzgebietsverwaltung, zu verbessern. Zugleich fördert es die Zusammenarbeit mit den für Landwirtschaft und Tourismus zuständigen Ministerien. Dazu werden Fachkompetenzen sowohl der Ministerien als auch der nachgeordneten Behörden verbessert.

Auf regionaler und lokaler Ebene unterstützt das Programm Partnerschaften der öffentlichen Verwaltung, Privatwirtschaft und Zivilgesellschaft mit dem Ziel, gemeinsam gender- und vorteilsgerechte Entwicklungsperspektiven zu entwickeln. In diesen werden Natur- und Biodiversitätsschutz, Landwirtschaft sowie Tourismus gleichermaßen verankert. Lokale Aktionsgruppen im Sinne des LEADER-Ansatzes der EU – ein methodischer Ansatz der Regionalentwicklung, der es Menschen vor Ort ermöglicht, regionale Prozesse mit zu gestalten – sowie informelle, temporäre und themenbezogene Gruppierungen bilden dafür die Kooperationsformen.

Wirkungen

Die interministerielle Zusammenarbeit hat sich erheblich verbessert. So rückt die nationale Biodiversitätsstrategie 2014 erstmals die Bedeutung von Land- und Forstwirtschaft für den Erhalt der biologischen Vielfalt in den Vordergrund. Die nationale Tourismusstrategie widmet dem Thema nachhaltige ländliche Entwicklung und Natur-Tourismus ein eigenes Kapitel. Das Ministerium für Landwirtschaft gestaltet seine ländlichen Entwicklungsprogramme zunehmend unter Berücksichtigung der Tourismus- und der Biodiversitätsstrategie.

Die vom Programm unterstützte Reform der Schutzgebietsverwaltung und die Neufassung der nationalen Biodiversitätsstrategie schaffen verbesserte institutionelle und politische Rahmenbedingungen für den Schutz der biologischen Vielfalt. Die zuvor der Forstverwaltung unterstellte Schutzgebietsverwaltung wird nunmehr als eigenständige Verwaltungseinheit geführt.

Zwei regionale Naturparks wurden in den Nordalpen eingerichtet. Sie erweitern das Angebot an Destinationen für den Berg- und Wandertourismus. Davon gehen wichtige Impulse für die lokale wirtschaftliche Entwicklung und den Erhalt der Agrobiodiversität aus. Die regionale Vermarktung lokaler Produkte, wie Heil- und Wildkräuter, Kastanien oder Milcherzeugnisse, nimmt zu. Kleinbäuerliche Betriebe in den Bergregionen bauen vermehrt heimische Sorten an, die Bestände seltener Ziegenrassen haben sich fast verdoppelt.

Albanien. Agrobiodiversität: seltene Ziegenrasse. © GIZ

Mit dem neugegründeten Forum für Agrobiodiversität hat Albanien den Anschluss an europäische Wissensnetzwerke hergestellt. Damit wurden die Voraussetzungen für eine verbesserte Öffentlichkeits- und Interessensarbeit auf lokaler wie auf nationaler Ebene geschaffen.