Breitenwirksame Wachstums- und Beschäftigungsförderung

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Breitenwirksame Wachstums- und Beschäftigungsförderung in Nigeria, Phase III
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Nigeria
Politischer Träger: Nationale Planungskommission
Gesamtlaufzeit: 2011 bis 2020 (Phase III 2017 bis 2020)

Kartoffelbauern nach der Ernte. © GIZ

Ausgangssituation

Armut und Unterbeschäftigung kennzeichnen die wirtschaftliche und soziale Situation Nigerias. Rund 40 Prozent der arbeitsfähigen Bevölkerung sind entweder arbeitslos oder unterbeschäftigt. 60 Prozent von ihnen sind junge Menschen zwischen 15 und 29 Jahren. (National Bureau of Statistics, 2017)

84 Prozent der Beschäftigten in Nigeria arbeiten in zumeist privaten Kleinbetrieben, die nicht optimal in die Wertschöpfungsketten integriert sind. Hohe Regulierungskosten und eingeschränkte Finanzierungsmöglichkeiten hemmen deren Wachstum. Mikrofinanzbanken spielen noch keine wichtige Rolle bei der Finanzierung von Kleinbetrieben. Die hohen Betriebskosten und das mangelhafte Risikomanagement der Banken verteuern die Kredite, so dass sie für viele Kleinbetriebe unwirtschaftlich sind.

Ziel

Die Beschäftigungs- und Einkommenssituation von Kleinbetrieben in ausgewählten Sektoren ist verbessert.

Reisbauern auf dem Feld. © GIZ

Vorgehensweise

Das Vorhaben unterstützt die Entwicklung von Kleinst-, Klein- und mittleren Unternehmen (KKMU). Es setzt in drei Bereichen an: die Verbesserung des Zugang zu Finanzdienstleistungen, die Verbesserung von rechtlichen Rahmenbedingungen, die Stärkung von Dienstleistern (zum Beispiel Beratungsstellen) für KKMU und die Erhöhung der Managementkompetenzen der KKMU.

Das Vorhaben  konzentriert sich auf die Sektoren Landwirtschaft (Kartoffeln, Maniok, Reis) und sozialer Wohnungsbau sowie die Bundesstaaten Niger, Plateau und Ogun. Im Rahmen einer Ko-finanzierung der Europäischen Union wird das Vorhaben auf die Bundesstaaten Oyo/Lagos, Kaduna und Kano ausgeweitet und die zusätzlichen Wertschöpfungsketten Tomate, Chili/Ingwer sowie Lederwaren und Bekleidung unterstützt.

Für einen besseren Zugang zu Finanzdienstleistungen arbeitet das Vorhaben mit der nigerianischen Zentralbank, Mikrofinanzbanken und Trainingsanbietern zusammen. Es berät 15 Mikrofinanzbanken und unterstützt Mitarbeiterfortbildungen zu Unternehmensführung oder Kundenorientierung. Mit der Zentralbank fördert das Vorhaben den Sektordialog und die finanzwirtschaftlichen Kenntnisse der Bevölkerung. Es unterstützt staatliche, private und zivilgesellschaftliche Organisationen darin, im Vorhaben entwickelte Trainingsmaterialien nachhaltig zur Fortbildung von KKMU sowie von Frauen, Jugendlichen und Kindern zu nutzen.

Die GIZ und ihre Partner arbeiten außerdem zu Reformmaßnahmen für bessere Rahmenbedingungen von Kleinbetrieben. Im Fokus stehen insbesondere öffentlich-private Dialogformate sowie die Beratung von staatlichen Stellen, die Themen wie Registrierung, Landerwerb, Baugenehmigung und Besteuerung verantworten.

Das Projekt berät zudem private und öffentliche Dienstleister für KKMU und unterstützt den Aufbau von Beratungsstellen. Zusammen mit Fortbildungen soll dies den Aufbau von tragfähigen Geschäftsmodellen stärken.

Für bessere Managementkompetenzen erhalten Kleinunternehmer über sechs Monate Training und Coaching (SME Business Training & Coaching Loop), zum Beispiel zu Buchhaltung, Unternehmensregistrierung oder Preisgestaltung. In Arbeitsgemeinschaften (Student Enterpreneurship Activity-Hubs, SEA-Hubs) können sich Schüler an Sekundarschulen in Kooperation mit Unternehmen beruflich orientieren und unternehmerische Fähigkeiten entwickeln.

Die Beratungsfirmen GOPA Consultants und AFC Agriculture and Finance Consultants unterstützen die Durchführung des Vorhabens.

Schüler einer Arbeitsgemeinschaft zu Unternehmertum (SEA-Hub). © GIZ

Wirkungen

Finanzsektorentwicklung: Ende 2017 betrug das Kreditportfolio der vom Vorhaben geförderten 15 Mikrofinanzbanken circa 7,6 Millionen Euro. Die Anzahl der Kreditnehmer stieg in 2017 um 29 Prozent auf 246.744. Der Anteil der weiblichen Kreditnehmer stieg im gleichen Zeitraum von 65 Prozent auf 70 Prozent.

Rund 25.000 Menschen bildeten sich mit Materialien und Konzepten des Vorhabens fort. 530 Menschen wurden als Trainer und rund 3.200 als Multiplikatoren in ihren Kommunen qualifiziert. Das Thema finanzwirtschaftliche Grundbildung ist in den Lehrplan von Grund- und Mittelschulen verankert.

Privatsektorentwicklung: Der Aufbau einer KKMU-Beratungsstelle im Bundestaat Niger führte zu Investitionen von mehr als acht Millionen US-Dollar. In den Bundesstaaten Niger und Plateau wurden Gesetze zur Harmonisierung der bundesstaatlichen und kommunalen Steuern erlassen, die Transparenz erhöhen und Kosten der Kleinbetriebe senken. Der Bundesstaat Ogun senkte die Zeit bis zum Erhalt von Baugenehmigungen um 58 Prozent.

Privatwirtschaftsverbände und Interessengruppen betreiben selbständig Lobbyarbeit zur Verbesserung des lokalen Geschäfts- und Investitionsklimas. Etwa 250 Kleinbetriebe nahmen erfolgreich an den Coachings und Trainings des SME Business Training & Coaching Loop teil. Circa 5.100 Jugendliche an 85 Sekundarschulen, davon mehr als die Hälfte Mädchen, gewannen durch Kontakt mit Unternehmen und über Rollenspiele wichtige Einblicke in die Führung eines Kleinbetriebes.

Die Erträge von etwa 2.200 direkt geförderten Kartoffelbauern in Plateau stiegen durch Fortbildung und Einführung besserer Kartoffelsorten von drei bis sechs Tonnen auf über zwölf Tonnen pro Hektar.

2.300 Maniokbauern nahmen an Fortbildungen zu Landwirtschaft und unternehmerischen Fähigkeiten teil. Mit Förderung des Projekts schlossen sich etwa 4.000 Maniokbauern in Clustern mit 30 weiterverarbeitenden Betrieben zusammen. Dies erhöhte das Einkommen der Landwirte durch die gesicherte Abnahme ihrer Produkte.

2.000 Reisbauern nahmen an Fortbildungen zur Gründung und Registrierung von Genossenschaften teil. Hersteller landwirtschaftlicher Maschinen, wie zum Beispiel lokale Hersteller von Traktoren, wurden unterstützt und dadurch 330 Arbeitsplätze geschaffen.

Zusammen mit dem Federal Ministry for Power, Works & Housing organisierte das Vorhaben den Nationalen Gipfel für bezahlbaren Wohnraum, der zur Entwicklung des nationalen Wohnungsbauprogramms führte. Bisher wurden 2.700 Wohneinheiten für einkommensschwache Haushalte gebaut.

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