Breitenwirksame Wachstums- und Beschäftigungsförderung

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Breitenwirksame Wachstums- und Beschäftigungsförderung in Nigeria (SEDIN)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Nigeria
Politischer Träger: Nationale Planungskommission
Gesamtlaufzeit: 2011 bis 2017

Ausgangssituation

Nigeria ist mit rund 170 Millionen Einwohnern die größte Volkswirtschaft Westafrikas, die ein robustes jährliches Wirtschaftswachstum von rund 7 Prozent aufweist. Trotz positiver Wirtschaftsprognosen und einer nachhaltigen Erholung des Bankensektors nach der Bankenkrise 2011 prägen Armut und Unterbeschäftigung die wirtschaftliche und soziale Situation Nigerias. So leben laut Weltbank im Durchschnitt 68 Prozent der Bevölkerung in Armut; die Arbeitslosigkeit junger Menschen zwischen 15 und 29 Jahren liegt bei über 60 Prozent.

Viele Nigerianer arbeiten in kleinsten, kleinen und mittelgroßen Unternehmen (KKMU) im informellen Sektor. Die KKMU haben eine niedrige Produktivität und sind selten in längere und diversifizierte Wertschöpfungsketten für den inländischen Markt oder den Export integriert. Der Zugang kleiner und mittlerer Unternehmen zu notwendigen Krediten ist aufgrund hoher Zinsen – außerhalb des dominanten Öl- und Gassektors – begrenzt und folglich problematisch für nachhaltiges Wachstum.

Ziel

Die Rahmenbedingungen für die Geschäfts- und Investitionstätigkeit von KKMU sind verbessert, insbesondere ihr Zugang zu Märkten und Ressourcen sowie ihr Beitrag zu Einkommen und Beschäftigung.

Vorgehensweise

Das von der Europäischen Union (EU) kofinanzierte Vorhaben ist auf nationaler Ebene und in den Bundesstaaten Niger, Plateau und Ogun in vier Handlungsfeldern tätig:

  1. Finanzsystementwicklung. Das Programm schafft einen verbesserten Zugang zu effizienten und kundenorientierten Finanzdienstleistungen für KKMU – dabei stehen insbesondere ärmere Bevölkerungsteile und Bedürfnisse von Frauen im Vordergrund.
  2. Verbesserung des Geschäfts- und Investitionsklimas. Eine bessere Kohärenz und die Umsetzung von Reformmaßnahmen für KKMU werden auf bundesstaatlicher und nationaler Ebene unterstützt. Dies wird durch öffentlich-private Dialogmechanismen und die Einrichtung zentraler Anlaufstellen für Privatunternehmen erreicht sowie durch die Vereinfachung von Verfahren für Registrierung, Landerwerb, Baugenehmigungen und Besteuerung.
  3. Förderung von Wertschöpfungsketten. Das Ziel ist die Entwicklung von drei landwirtschaftlichen (unter anderem Kartoffeln und Cassava) und einer nicht landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette (Wohnungsbau).
  4. Handelserleichterungen. Der Abbau administrativer Hürden für den inländischen und intraregionalen Handel wird unterstützt.

Die Consultings AFC/GOPA unterstützt das Vorhaben in den drei Bereichen Finanzsystementwicklung, Verbesserung des Geschäfts- und Investitionsklimas sowie Förderung von Wertschöpfungsketten. Der Schwerpunkt der Aktivitäten von AFC/GOPA liegt auf Ausbildung und Training von ausgewŠhlten Akteuren in den drei Bereichen, insbesondere von Mikrofinanzbanken, Unternehmensverbände sowie landwirtschaftlichen Produzenten und verarbeitenden Betriebe.

Wirkungen

Finanzsystementwicklung. Das Vorhaben stärkt Mikrofinanzbanken und unterstützt die nigerianische Zentralbank bei der Regulierung von Mikrofinanzbanken und beim Aufbau von Verbraucherschutz im Finanzsektor. Eine enge Zusammenarbeit besteht mit der nationalen Versicherungsbehörde, insbesondere im Bereich kundengerechte Mikroversicherungen. Zudem wurden Fortbildungen zur finanziellen Grundbildung durchgeführt, auch eine Filmproduktion zu dieser Thematik gehörte dazu.

Verbesserung des Geschäfts- und Investitionsklimas. Das Industrie-, das Handels- und das Investitionsministerium werden bei der Formulierung einer KKMU- sowie einer Industriepolitik unterstützt. Ein Hauptanliegen des Vorhabens ist der Aufbau von zentralen Anlaufstellen in Behörden für Unternehmen in den drei beteiligten Bundesstaaten. Die Bundesstaaten wurden zudem bei der Entwicklung und Umsetzung von Reformen hinsichtlich Landerwerb/-registrierung, Baugenehmigungen und Steuerverwaltung unterstützt. Ausgewählte Privatwirtschaftsverbänden und Interessengruppen mit KKMU-Bezug wurden gestärkt und Kommunen bei der Verbesserung der lokalen Wirtschaftsförderung unterstützt.

Förderung von landwirtschaftlichen Wertschöpfungsketten. Über 2.000 Cassava- und 1.200 Kartoffelbauern wurden in genossenschaftlichen Gruppen organisiert und in Themen wie Pflanzungstechnik, Schädlingsbekämpfung und Düngung aus- und fortgebildet. Zuliefererverbindungen zwischen Cassava-Bauergruppen und -verarbeitern sowie Verarbeitern und Großabnehmern wurden hergestellt. Die Unterstützung durch die Initiative German Food Partnership bei der Einfuhr von frischem Kartoffelsaatgut hat zu einer Ertragserhöhung von bis zu 300 Prozent geführt. Im Rahmen des Vorhabens wurden Qualitätsverbesserungstrainings für über 2.000 Sheabutter-Produzentinnen durchgeführt und zusätzlich rund 445 Arbeitsplätzen in der Grundstoff- und Kosmetikproduktion geschaffen.

Handelspolitik und Handelserleichterungen. Das Programm unterstützte das Handelsministerium bei der Vor- und Nachbereitung der WTO-Handelministerkonferenz, die im Dezember 2013 auf Bali stattfand. Mitarbeiter des Handelsministeriums erhielten eine Fortbildung zur Modellierung von Zollsätzen. Neben der Stärkung der nigerianischen Zollbehörde wurden Wirtschaftsverbände bei der Verbreitung von Informationen zum regionalen Handel unterstützt. Hervorzuheben ist die Entwicklung und Pilot-Einführung eines SMS-basierten Meldesystems von illegalen Checkpoints an Grenzübergängen.

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