Breitenwirksame Wachstums- und Beschäftigungsförderung in Nigeria - SEDIN (Phase III)

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Breitenwirksame Wachstums- und Beschäftigungsförderung in Nigeria - SEDIN (Phase III)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Nigeria
Politischer Träger: Bundesministerium für Haushalt und Landesplanung
Gesamtlaufzeit: 2011 bis 2022 (Phase III 2017 bis 2022)

Kartoffelbauern nach der Ernte. © GIZ

Ausgangssituation

Armut und Unterbeschäftigung kennzeichnen die wirtschaftliche und soziale Situation Nigerias. 44 Prozent der arbeitsfähigen Bevölkerung sind entweder arbeitslos oder unterbeschäftigt. 60 Prozent von ihnen sind junge Menschen zwischen 15 und 29 Jahren. 84 Prozent der Beschäftigten in Nigeria arbeiten in zumeist privaten Kleinbetrieben, die nicht optimal in die Wertschöpfungsketten integriert sind. Hohe Regulierungskosten und eingeschränkte Finanzierungsmöglichkeiten hemmen deren Wachstum. Mikrofinanzbanken spielen noch keine wichtige Rolle bei der Finanzierung von Kleinbetrieben. Die hohen Betriebskosten und das mangelhafte Risikomanagement der Banken verteuern die Kredite, so dass sie für viele Kleinbetriebe unwirtschaftlich sind.

Ziel

Die Beschäftigungs- und Einkommenssituation von Kleinbetrieben in ausgewählten Sektoren ist verbessert.

Reisbauern auf dem Feld. © GIZ

Vorgehensweise

Das Vorhaben und seine Partner unterstützen die Entwicklung von Kleinst-, Klein- und mittleren Unternehmen (KKMU). Es setzt in drei Bereichen an: die Verbesserung des Zugangs zu Finanzdienstleistungen, die Verbesserung von rechtlichen Rahmenbedingungen, die Erhöhung der unternehmerischen Kompetenzen und die Stärkung von Dienstleistern (zum Beispiel Beratungsstellen) für KKMU. Im Mittelpunkt stehen dabei die Wirtschaftszweige Landwirtschaft (Kartoffeln, Maniok, Reis, Tomaten, Chili und Ingwer), Bekleidung, Leder und sozialer Wohnungsbau. Das Vorhaben führt Aktivitäten in den nördlichen Bundesstaaten Kaduna, Kano, Niger und Plateau sowie in den südlichen Bundesstaaten Abia, Lagos, Ogun und Oyo durch.

Für einen besseren Zugang zu Finanzdienstleistungen arbeitet das Vorhaben mit der nigerianischen Zentralbank, Mikrofinanzbanken und Trainingsanbietern zusammen. Es berät 15 Mikrofinanzbanken, unterstützt die Fortbildung ihrer Mitarbeiter*innen und führt Maβnahmen zur Verbesserung der finanzwirtschaftlichen Kenntnisse der Bevölkerung durch. Es unterstützt staatliche, private und zivilgesellschaftliche Organisationen darin, ein nachhaltiges Trainingsangebot zu entwickeln.

Für die Verbesserung der Rahmenbedingungen von KKMU führt das Vorhaben öffentlich-private Dialoge durch und berät staatliche Stellen zu Themen wie Registrierung, Landerwerb, Baugenehmigung und Besteuerung. Dienstleister für KKMU werden beim Aufbau von Beratungsstellen unterstützt.

Für die Entwicklung von unternehmerischen Kompetenzen arbeitet das Vorhaben mit Trainingsanbietern zusammen, um verschiedene Fortbildungskurse, wie etwa Gründerkurse und einen 6-monatigen „Training & Coaching Loop“, durchzuführen und dauerhaft anzubieten. In Zusammenarbeit mit Sekundarschulen fördert das Vorhaben die berufliche Orientierung und die unternehmerischen Fähigkeiten von Jugendlichen.

Das Vorhaben wird von der Europäischen Gemeinschaft kofinanziert und seine Durchführung wird von den Beratungsfirmen GOPA Consultants und AFC Agriculture and Finance Consultants unterstützt.

Schüler einer Arbeitsgemeinschaft zu Unternehmertum (SEA-Hub). © GIZ

Wirkungen

Von 2016 bis 2018 wuchs das Kreditportfolio der geförderten 15 Mikrofinanzbanken um 13 Prozent auf circa 7,6 Millionen Euro. Ihr Einkommen wuchs um 47 Prozent und die Anzahl ihrer Kreditnehmer*innen um 31 Prozent auf 59.352. 59 Prozent der Kreditnehmer waren Frauen.

Durch die seit 2017 mit Hilfe des Vorhabens durchgeführten Trainingskurse verbesserten bisher 69.827 Menschen ihre finanzwirtschaftlichen Kenntnisse. Zudem gelang es, die finanzwirtschaftliche Grundbildung in Schullehrpläne zu integrieren.

Der Aufbau von 37 Gruppen zur Interessensvertretung und Lobbyarbeit sowie von acht Schiedsstellen zur Beilegung von Rechtsstreitigkeiten trug zur Verbesserung des Investitionsklimas und der Rahmenbedingungen von KKMU bei. Auf Basis neuer bundesstaatlicher Gesetze zur Steuerharmonisierung konnten 49 von 61 unerlaubten Gebühren abgeschafft und somit die Kosten der Kleinbetriebe gesenkt werden. Die zum Landerwerb erforderliche Zeit wurde von drei Jahre auf sechs Wochen reduziert. Die Zeit zum Erhalt einer Baugenehmigung wurde halbiert.

Von den 346 Männern und Frauen (50 Prozent), die an Gründungskursen teilnahmen, haben bisher ein Drittel den Geschäftsbetrieb aufgenommen. 32 neu registrierte Unternehmen haben 131 zusätzliche Jobs geschaffen. Von den 562 Unternehmer*innen (30 Prozent Frauen), die am sechsmonatigen „Training & Coaching Loop“ teilnahmen, haben bisher 53 Prozent ihre Unternehmen formalisiert. 3.173 Nigerianer*innen, darunter 402 rückkehrende Migrant*innen, haben in anderen Trainingskursen ihre unternehmerischen Kompetenzen weitergebildet. Zudem haben 14.859 Schüler*innen (56 Prozent Mädchen) unternehmerische Fähigkeiten in Arbeitsgemeinschaften von 232 Sekundarschulen entwickelt. 

In den geförderten landwirtschaftlichen Wertschöpfungsketten wurden 5.366 neue Jobs geschaffen. Zwölf neue Kartoffelsorten wurden eingeführt und 5.200 Kartoffelbäuerinnen und -bauern nahmen an Trainingskursen teil. Dies resultierte in Produktivitätssteigerungen und das durchschnittliche Einkommen der Kartoffelbäuerinnen und -bauern erhöhte sich um 50 Prozent.

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