Erneuerbare Energien und Energieeffizienz sowie Zugang zu Energiedienstleistungen

Programmkurzbeschreibung

Bezeichnung: Programm zur Förderung erneuerbarer Energien und Energieeffizienz sowie des Zugangs zu Energiedienstleistungen (PERACOD)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Senegal
Politischer Träger: Ministère de l'Energie et du Développement des Energies Renouvelables
Gesamtlaufzeit: 2013 bis 2016

Senegal. Energiesparherde zum Verkauf am Straßenrand. © GIZ

Ausgangssituation
Der Senegal ist ein ausgesprochen rohstoffarmes Land. Nennenswerte Vorkommen von Erdgas, Erdöl und anderen fossilen Brennstoffen wurden bisher nicht erfasst. Dementsprechend ist Biomasse, darunter vor allem Brennholz und Holzkohle, der wichtigste Energieträger. Sie hat einen Anteil von rund 58 Prozent an der Primärenergiebereitstellung beziehungsweise von 45 Prozent am Energieverbrauch. Die zweite Säule der Energieversorgung bilden importierte fossile Energieressourcen; über die Hälfte davon stellen Rohöl und Erdölerzeugnisse dar. Durch den in den vergangenen Jahren dramatisch gestiegenen Rohölpreis besteht im Senegal ein starkes Interesse, die Energiequellen, vor allem in Richtung erneuerbare Energien, zu diversifizieren.

Obwohl erneuerbare Energien ein großes Potenzial besitzen und sich die Energieeffizienz bereits verbessert hat, tragen sie weniger als erwartet und in den nationalen Zielen beschrieben zur Energieversorgung des Senegals bei. Vor allem in ländlichen Regionen hat die Bevölkerung keinen ausreichenden Zugang zu Elektrizität und modernen Energiedienstleistungen, beispielsweise solarbetriebene Kühlschränke oder energiesparende Herde. Im Senegal wurden unzureichende politisch-institutionelle und finanzielle Rahmenbedingungen als zentrale Hemmnisse für eine Neuausrichtung der Energiepolitik identifiziert. Es fehlen Know-how und Ressourcen, um einen dauerhaften Zugang zu Energiedienstleistungen, vor allem auch aus erneuerbaren Quellen, sicherzustellen.

Ziel
Der Zugang der Bevölkerung zu modernen Energiedienstleistungen und zu Energieeffizienzangeboten und deren Nutzung ist durch verbesserte Rahmenbedingungen ermöglicht.

Vorgehensweise
Die GIZ berät die Schlüsselakteure, darunter Direktionen im Energieministerium, die zentralen Energieagenturen sowie die Forstdirektion, die für die Förderung der erneuerbaren Energien und Energieeffizienz wesentlichen Politiken zielgerechter zu formulieren und umzusetzen. Damit leisten sie einen Beitrag zur Energiewende. Darüber hinaus ist es wichtig, die Sektorbedingungen für Investitionen in erneuerbare Energien und Energieeffizienz unter Beteiligung des Privatsektors zu verbessern.

Um zu einer umweltfreundlichen, sicheren und kostengünstigen Deckung des Energiebedarfs im Senegal beizutragen, arbeitet das Vorhaben auf der nationalen Ebene in der Sektorpolitikberatung und an der Stärkung der Akteure sowie prozessbegleitend auf Meso- und Mikroebene im Erdnussbecken und in der Casamance. Zudem unterstützt die GIZ das Energieministerium dabei, das Gesetz zur Einspeisung von erneuerbarer Energie in das Stromnetz umzusetzen. Dazu gehört beispielsweise auch, Ausschreibungsverfahren zu entwickeln und Einspeisetarife für erneuerbare Energien festzulegen.

Die neue Agentur für Energieeffizienz (AEME) wird dabei unterstützt, einen Aktionsplan zu entwickeln, der die Energieeffizienz fördert. Die Agentur wird auch darin beraten, die rechtlichen Regelwerke zur Förderung der Energieeffizienz sowie geeignete Fördermechanismen zu erstellen und umzusetzen.

Auf der Mikroebene wird die Erstellung von beispielhaften Audits unterstützt. Das bedeutet zum Beispiel, in den Dörfern Untersuchungen über die Produktivität der dezentralen Energieanlagen durchzuführen oder in Unternehmen und Organisationen Energieeffizienzuntersuchungen und entsprechende Verbesserungsvorschläge zu realisieren.

Für einen verbesserten Zugang zu Energiedienstleistungen, vor allem im ländlichen Raum, wird die Agentur für ländliche Elektrifizierung (ASER) gestärkt. Zudem werden Modelle ländlicher Elektrifizierung entwickelt, bewertet und verbreitet. Im Bereich der produktiven Nutzung werden Pilotprojekte, so eine auf Solarstrom basierende Eismaschine für eine Frauenkooperative in der Fischerei, durchgeführt.

Für die beschriebenen Maßnahmen setzt die GIZ auch zusätzliche Mittel aus dem Programm „Energising Development“ ein, eine gemeinsame Initiative von den Niederlanden, Deutschland, Norwegen, Australien, Großbritannien und der Schweiz.

Die Themen nachhaltige Waldbewirtschaftung und Haushaltsenergie werden auf Wunsch des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) bis März 2015 abgeschlossen. Beide Themen bearbeitet die Consulting ECO im Unterauftrag für die GIZ.

Wirkung
Im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit im Energiesektor wurden seit 2009 folgende Wirkungen erzielt:

  • Das Gesetz über erneuerbare Energien und zwei Durchführungsbestimmungen wurden verabschiedet.
  • In der ländlichen Elektrifizierung konnte die von „Energising Development“ finanzierte Versorgung von 260 Dörfern und damit rund 130.000 Menschen mit Solarstrom dazu genutzt werden, die notwendigen Prozessschritte für die Etablierung einer ERIL-Konzession (Ländliche Elektrifizierung auf Basis kommunaler Initiativen) bei allen Stakeholdern zu erproben und einzuüben.
  • ASER, dezentrale Verwaltungsstrukturen und mehrere Dorfstromkonzessionäre sind inzwischen in der Lage, diesen Ansatz weitgehend selbstständig umzusetzen. ASER hat weitere Mittel für die Ausweitung von ERIL-Konzessionen eingeworben.
  • Mehr als 200.000 verbesserte Herde wurden über nachhaltige Marktmechanismen, vor allem im städtischen Raum, verbreitet. Damit wurden im Zusammenwirken mit dem „Energising Development“-Vorhaben dauerhafte Produktionskapazitäten für rund 40.000 Herde pro Jahr aufgebaut, die keine Subventionen benötigen.
  • Auf rund 30.000 Hektar wurden partizipative Waldmanagementmethoden eingeführt. Damit haben Einzelpersonen, Forstkomitees in Dörfern, Gemeinden und Forstverwaltung dauerhafte Einnahmen bei gleichzeitigem Schutz der vormals stark degenerierten Wälder. Hierbei wurde in partizipativen Prozessen die Mitwirkung von Frauen und Männern in der Forstwirtschaft festgelegt, sodass eine angemessene Aufteilung der erzielten Wertschöpfung erfolgt.
Senegal. Ein Junge transportiert Feuerholz auf einem Eselskarren. © GIZ

Kontakt

Jörg Oelschläger
joerg.oelschlaeger@giz.de