Energieeffizientes Modellquartier

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Energieeffizientes Modellquartier
Auftraggeber: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB), im Rahmen der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI)
Land: Ukraine
Politischer Träger: Ministerium für Regionalentwicklung, Bauen, Wohnen und Kommunalwirtschaft der Ukraine
Gesamtlaufzeit: 2009 bis 2019

Ukraine. Energieeffizientes Modellquartier © GIZ

Ausgangssituation

Die Ukraine ist im weltweiten Vergleich eines der Länder, in denen Energie am wenigsten effizient genutzt wird. Zugrunde gelegt wird dafür das Verhältnis von aufgewendeter Primärenergie zum Bruttoinlandsprodukt. Rund 40 Prozent der Energie wird in Gebäuden verbraucht. Sie sind zum Großteil in einem baulich sehr schlechten Zustand und bieten einen geringen Wohnkomfort. Auch die Versorgungssysteme für Wärme, Warmwasser und Strom sind technisch veraltet. Für Neubauten wurden die Baunormen zur Energieeffizienz in den letzten Jahren verschärft. Die Realität zeigt aber, dass aufgrund der mangelnden Kenntnisse wie energieeffizient gebaut werden kann, verbunden mit einer oftmals mangelhaften Bauausführung, der Energieeffizienzstandard selbst im Neubaubereich noch weit unter dem europäischen Niveau liegt.

Ziel

Ein energieeffizientes und ressourcensparendes Gebäudekonzept mit modernen, umweltfreundlichen Technologien ist am Beispiel eines neuen Gebäudekomplexes geplant, umgesetzt und betrieben und fördert die Verbreitung der Verfahren im ukrainischen Bausektor.

Vorgehensweise

In Zusammenarbeit mit politischen Entscheidungsträgern, Verbänden, Planern und dem Privatsektor wurde ein Modellprojekt gesucht, das als Vorzeigebeispiel für energieeffizientes Bauen dienen kann. Der Bauplatz des neuen Wohn- und Bürokomplexes, mit einer Gesamtfläche von rund 51.000 Quadratmetern, befindet sich in der Hauptstadt Kiew.

Investoren, Planer und ausführende Firmen werden von deutschen Consulting- und Ingenieurbüros dabei beraten, ein Energiekonzept zu erstellen. Die ukrainischen Partner werden auch in der Bauausführung und im Gebäudebetrieb begleitet, um die Qualität zu sichern. Sowohl das Betriebspersonal als auch die Nutzer werden in den Gebrauch der neuen Technik eingewiesen. Nach der Fertigstellung des Gebäudes soll es 30 bis 50 Prozent weniger Energie verbrauchen als Standard-Neubauten in der Ukraine. Bei der Entwicklung von innovativen Energiekonzepten und dem Einsatz moderner umweltfreundlicher Technologien – Solarthermie und Wärmerückgewinnung – ist die Gegenüberstellung von anfänglich höheren Investitionskosten für energiesparende Maßnahmen und niedrigeren Energie- und Betriebskosten während der Gebäudenutzung über den gesamten Lebenszyklus von großer Bedeutung.

Information über das Modellprojekt und energieeffizientes Bauen werden der Fachöffentlichkeit in Veranstaltungen, einer landesweiten Wanderausstellung, in Themenworkshops für Fachleute und in Kooperation mit Verbänden und Ausbildungsstätten zugänglich gemacht. Zudem berät die GIZ Universitäten und Ingenieur-Fachschulen, wie das Thema energieeffizientes Planen und Bauen in die Ausbildung von Architekten und Ingenieuren stärker integriert werden kann.

Wirkungen

Das Modellquartier dient während der gesamten Bauphase als Lernort, an dem zahlreiche ukrainische Baufachleute und Entscheidungsträger regelmäßige Führungen erhalten. Viele internationale Organisationen nutzen das Gebäude als Vorzeigeprojekt, um europäische Maßstäbe beim energieeffizienten Bauen vorzeigen zu können.

Durch die Beratung der GIZ haben Ausbildungsinstitute ihre Ausbildungspläne im Bereich energieeffizientes Bauen angepasst:

  • Seit Herbst 2012 hat das Polytechnische Institut der Technischen Universität Kiew sein Curriculum adaptiert und Lehrveranstaltungen zum energieeffizienten Bauen eingeführt.
  • Die Kiewer Ingenieur- und Architektur-Universität arbeitet daran, ein Masterstudium für energieeffizientes Bauen einzuführen.

Mithilfe der Beratung der GIZ haben sich zudem die Rahmenbedingungen für energieeffizientes Bauen verbessert:

  • Das Green Building Council Ukraine wurde 2011 gegründet. Damit wird nachhaltiges Bauen unter Investoren und Gebäude-Developer aktiv verbreitet und Gebäudezertifikate in den Markt eingeführt.
  • Sekundärnormen, die als Vorbereitung für die Einführung der EU-Richtlinie für Gebäude dienen, wurden angepasst und 2014 genehmigt.