Ukraine: Taras Poliovyi, Restaurator

Taras Poliovyi, Restaurator in der Ukraine

Taras Poliovyi ist Tischler. Mit viel Liebe zum Detail arbeitet er an den historisch einzigartigen alten Holzfenstern und –türen seiner Heimatstadt Lemberg. Im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung unterstützt die GIZ die ukrainische Stadt darin, ihr UNESCO-Weltkulturerbe zu erhalten. Mit Hilfe der GIZ konnten Poliovyi und ein Dutzend weiterer Handwerker sich als Kleinunternehmer etablieren und helfen heute, das historische Stadtbild zu bewahren.

Wie würden Sie Lemberg beschreiben?

Lemberg ist meine Heimatstadt. Sie ist wie ein Museum unter freiem Himmel. Wenn man wissen will, wie ein Architekturelement einer beliebigen Epoche aussah, kann man in die Stadt gehen und sich das anschauen. Man findet hier alle Baustile: von der Renaissance bis zur Moderne.

Was läuft gut in der Stadt, was schlecht?

Lemberg ist ja UNESCO Weltkulturerbe und es braucht motivierte und gut qualifizierte Arbeiter im Bereich der Sanierung. Hierfür hat die deutsch-ukrainische Zusammenarbeit eine gute Grundlage geschaffen. Aber es gibt immer noch genügend Leute in der Stadt, die nicht darüber nachdenken, welchen Schaden sie damit anrichten wenn sie alte historische Elemente wegwerfen. Ich wünschte, die Stadtbewohner gingen sensibler mit den alten Gebäuden um und verstünden, dass man sie erhalten soll.

Was bedeutet Ihnen Ihre Arbeit?

Ich muss mich in die Arbeit der alten Meister hineindenken, ihre Arbeitsmethoden nachvollziehen und nachahmen – damit auch unsere Enkelkinder etwas davon haben. Das sehe ich als meine Aufgabe und Verantwortung. Ich will weiter meine Arbeit machen und mein Wissen verbreiten. 

Was tun Sie für andere?

Ich helfe anderen Stadtbewohnern mit meinem Fachwissen. Oft rufen Leute an und wollen eine Beratung haben – telefonisch oder am Objekt. Ich verlange kein Geld dafür, obwohl es oft ziemlich viel Zeit in Anspruch nimmt. So kann ich anderen meine Liebe zum Alten weitergeben. 

Was ist das Wichtigste für Sie in Ihrem Leben?

Das Wichtigste in meinem Leben sind meine Kinder. Ich fühle mich verantwortlich, unsere Kulturschätze an sie weiterzugeben. Ich hoffe, mein Sohn wird meinen Weg gehen und auch Restaurator werden.


        
    
Taras Poliovyi schaut vom Rathausturm auf seine Stadt. Die 1998 zum Welterbe der UNESCO erklärte Altstadt von Lemberg ist wie ein Freilichtmuseum.
Taras Poliovyi schaut vom Rathausturm auf seine Stadt. Die 1998 zum Welterbe der UNESCO erklärte Altstadt von Lemberg ist wie ein Freilichtmuseum.

        
    
Die Fassaden in der Altstadt wurden in der Vergangenheit nicht fachgerecht saniert. Billige Fensterrahmen kamen zum Einsatz, dabei wurden Fenstergewände zerstört.
Die Fassaden in der Altstadt wurden in der Vergangenheit nicht fachgerecht saniert. Billige Fensterrahmen kamen zum Einsatz, dabei wurden Fenstergewände zerstört.

        
    
Eine behutsame Stadterneuerung benötigt genügend Handwerksexpertise, richtige Entscheidungen auf lokaler Ebene, finanzielle Mittel und die Beteiligung der Bürger.
Eine behutsame Stadterneuerung benötigt genügend Handwerksexpertise, richtige Entscheidungen auf lokaler Ebene, finanzielle Mittel und die Beteiligung der Bürger.

        
    
Die GIZ schulte unter Anleitung deutscher Restauratoren die handwerklichen und unternehmerischen Fähigkeiten ortsansässiger Tischler, Steinmetze und Schmiede.
Die GIZ schulte unter Anleitung deutscher Restauratoren die handwerklichen und unternehmerischen Fähigkeiten ortsansässiger Tischler, Steinmetze und Schmiede.

        
    
Eine Gruppe von Tischlern erkannte die neuen Marktchancen und führt heute in einer Arbeitsgemeinschaft selbständig Restaurierungsaufträge aus. Fotos: Maryan Borovets
Eine Gruppe von Tischlern erkannte die neuen Marktchancen und führt heute in einer Arbeitsgemeinschaft selbständig Restaurierungsaufträge aus. Fotos: Maryan Borovets

        
    
Vom Schwarzarbeiter zum Kleinunternehmer: nach den GIZ-Fortbildungen machte sich der gut vernetzte Taras Poliovyi selbstständig und nahm sich Angestellte.
Vom Schwarzarbeiter zum Kleinunternehmer: nach den GIZ-Fortbildungen machte sich der gut vernetzte Taras Poliovyi selbstständig und nahm sich Angestellte.

        
    
Die Fenster des Zankovetska Theaters waren in sehr schlechtem Zustand. Die Sanierung wurde ausgeschrieben. Taras Poliovyis Firma bekam den Zuschlag.
Die Fenster des Zankovetska Theaters waren in sehr schlechtem Zustand. Die Sanierung wurde ausgeschrieben. Taras Poliovyis Firma bekam den Zuschlag.

        
    
Was genau in ein professionelles Angebot gehört und andere unternehmerische Kenntnisse lernte Poliovyi bei einer der Fortbildungen durch die GIZ.
Was genau in ein professionelles Angebot gehört und andere unternehmerische Kenntnisse lernte Poliovyi bei einer der Fortbildungen durch die GIZ.

        
    
In seiner kleinen Werkstatt sammelt der Tischler alte Ersatzteile wie Scharniere und Windungen. „Die Leute werfen das weg, dabei kann man das noch gut gebrauchen!“
In seiner kleinen Werkstatt sammelt der Tischler alte Ersatzteile wie Scharniere und Windungen. „Die Leute werfen das weg, dabei kann man das noch gut gebrauchen!“

        
    
Seit Beginn des Türen- und Fensterprojekts wurden 60 historische Hauseingangstüren sowie 400 historische Fenster durch geschulte Handwerksfirmen aufgearbeitet.
Seit Beginn des Türen- und Fensterprojekts wurden 60 historische Hauseingangstüren sowie 400 historische Fenster durch geschulte Handwerksfirmen aufgearbeitet.