Mongolei: Dariimaa Jamba, Sozialarbeiterin


        
    
Mit Dariimaa Jamba unterwegs in ihrem Jurtenviertel. Fotos: Ulzii Lkhagvakhorol

        
    
Flache Häuschen mit bunten Dächern und kreisrunde weiße Jurten prägen das Stadtbild in Shand – einem Viertel von Erdenet, der zweitgrößten Stadt der Mongolei.
Flache Häuschen mit bunten Dächern und kreisrunde weiße Jurten prägen das Stadtbild in Shand – einem Viertel von Erdenet, der zweitgrößten Stadt der Mongolei.

        
    
Ein schönes Haus und ein Auto – das sei Luxus, so Dariimaa Jamba. Genauso wie ein Lächeln im Gesicht und Seelenfrieden. Im Hintergrund: die Jurte ihrer Tochter.
Ein schönes Haus und ein Auto – das sei Luxus, so Dariimaa Jamba. Genauso wie ein Lächeln im Gesicht und Seelenfrieden. Im Hintergrund: die Jurte ihrer Tochter.

        
    
Dariimaa Jamba bereitet den typisch mongolischen Milchtee vor. Als die ehemalige Lehrerin in Rente ging, genügte ihr die Rolle der Hausfrau nicht.
Dariimaa Jamba bereitet den typisch mongolischen Milchtee vor. Als die ehemalige Lehrerin in Rente ging, genügte ihr die Rolle der Hausfrau nicht.

        
    
Familienbande in der Mongolei sind meist sehr eng. Hier mit einer ihrer vier Töchter.
Familienbande in der Mongolei sind meist sehr eng. Hier mit einer ihrer vier Töchter.

        
    
Dariimaa Jamba in ihrer Straße. 2011 gab es hier noch keine Laternen. Ihre Selbst-hilfegruppe setzt sich für Ausbau und Instandhaltung der Straßenbeleuchtung ein.
Dariimaa Jamba in ihrer Straße. 2011 gab es hier noch keine Laternen. Ihre Selbst-hilfegruppe setzt sich für Ausbau und Instandhaltung der Straßenbeleuchtung ein.

        
    
Während in der Mongolei ein reger nachbarschaftlicher Austausch eher unüblich ist, schaffte die Gründung von Communities freundschaftliche Bande.
Während in der Mongolei ein reger nachbarschaftlicher Austausch eher unüblich ist, schaffte die Gründung von Communities freundschaftliche Bande.

        
    
Eines der ersten gemeinschaftlichen Projekte im Viertel: die Bepflanzung der Gärten mit heimischen Gemüsesorten. Und auch bei der Ernte wird zusammen angepackt.
Eines der ersten gemeinschaftlichen Projekte im Viertel: die Bepflanzung der Gärten mit heimischen Gemüsesorten. Und auch bei der Ernte wird zusammen angepackt.

        
    
Angebote für ältere Menschen liegen Dariimaa Jamba besonders am Herzen. Der von ihrer Aktionsgruppe eingerichtete Fitnessraum wird von Rentnern kostenlos genutzt.
Angebote für ältere Menschen liegen Dariimaa Jamba besonders am Herzen. Der von ihrer Aktionsgruppe eingerichtete Fitnessraum wird von Rentnern kostenlos genutzt.

        
    
Auch ein Computer- und Medienraum wurde eingerichtet. Dariimaa hilft einer älteren Frau dabei, den PC zu bedienen.
Auch ein Computer- und Medienraum wurde eingerichtet. Dariimaa hilft einer älteren Frau dabei, den PC zu bedienen.

        
    
Entwicklungshelferin Anna Kleinschroth (rechts im Bild) berät die Selbsthilfegruppen.
Entwicklungshelferin Anna Kleinschroth (rechts im Bild) berät die Selbsthilfegruppen.

Während die familiären Bindungen in der Mongolei traditionell sehr eng sind, sind gute nachbarschaftliche Beziehungen in dem Land der Nomaden eher eine Ausnahme. Die 60-jährige Dariimaa Jamba schaffte es jedoch, die Anwohner im sozial schwachen Jurtenviertel zu mobilisieren und gemeinsam mit ihnen Probleme anzugehen. Beratung bei 25 Selbsthilfeprojekten des Stadtteils leistet eine Entwicklungshelferin der GIZ im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Was war die bisher größte Veränderung in Ihrem Leben?

Meine Pensionierung war ein Wendepunkt: Nachdem ich 31 Jahre als Chemie- und Biologielehrerin gearbeitet hatte, fand ich ein Leben ohne Job nicht erfüllend. Ich bin Mutter von fünf Kindern. Meine Töchter und mein Sohn sind inzwischen erwachsen. Ich sagte mir: Mit 60 ist das Leben noch nicht vorbei, ich muss mich sozial engagieren!

Was führte zu der neuen Lebensaufgabe?

Ich hatte nie etwas von dieser Form sozialer Arbeit gehört bevor sie hier in meiner Gegend startete. Wir versammelten ein paar Leute und hielten Sitzungen ab. Für uns war es wichtig, als erstes unsere Lebensbedingungen zu verbessern. Daher begannen wir, Toiletten zu bauen und unsere Grünflächen zu bepflanzen. Das war ein erster Schritt. Da mehrere Haushalte zusammen anpackten und nicht jeder für sich allein, kamen wir gut voran. Wir entschieden uns, als Selbsthilfegruppe weiterzumachen.

Sie sind Sprecherin Ihrer Gruppe. Was ist Ihre Vision?

Es gibt hier viele Arme und eine Menge Probleme zu lösen: herumliegender Müll, fehlende Straßenbeleuchtung, die Lebenssituation älterer Menschen, um nur einige zu nennen. Viele Anwohner sind isoliert. Ich versuche sie zu mobilisieren, miteinander in Kontakt zu bringen und in die Stadtteilarbeit einzubeziehen. Ich wünsche mir, dass sie mit eigener Kraft und eigenen Fähigkeiten ihr Leben verbessern lernen.

Was ist die größte Herausforderung, um dieses Ziel zu erreichen?

Wenn Menschen zusammen arbeiten, um Dinge zu verändern, ist die Finanzierung meist der schwierigste Teil. Für Arbeitsräume, Fortbildungen und diverses Material muss man das nötige Geld auftreiben. Außerdem braucht es die Unterstützung aller. Aber manchmal fehlt es an Vertrauen oder ganz einfach auch an Bereitschaft, sich helfen zu lassen.

Sie werden für Ihre Arbeit nicht bezahlt. Was motiviert Sie?

Ich tue gerne Gutes für Menschen und ich habe viele Ideen. Wenn jemand lächelt, inspiriert mich das. Meine Arbeit gibt mir jeden Tag neue Kraft und Freude. Das ist mein Lohn.