Äthiopien: Ato Gebremichael Gidey Berhe, Ortsvorsteher

Ato Gebremichael Gidey Berhe, Ortsvorsteher in Äthiopien

Das nordäthiopische Dorf Abraha Atsbeha und seine rund 5.000 Einwohner waren über Jahre hinweg von Dürre und Hungerkatastrophen betroffen. Doch dem Ortsvorsteher Ato Gebremichael Gidey Berhe und seiner Gemeinde gelang es, sein Dorf wieder zu bewirtschaften. Unterstützt von der GIZ im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und anderer Geber wurden hier wie in anderen Hochlandregionen Äthiopiens die Böden in jahrelanger Arbeit wieder fruchtbar gemacht.

Wenn Sie 15 Jahre zurückblicken, in welchem Zustand war Ihr Dorf da?
Wir lebten in extremer Armut. Mehrere Jahre lang hatten Regenfälle die dürren Böden völlig ausgewaschen. Es blieb nur Sand. Wir konnten nichts mehr ernten. Alle Menschen in Abraha Atsbaha, ich inbegriffen, waren abhängig von Lebensmittelhilfen. Dieser Zustand war schockierend und beschämend für uns.

Was brachte den Wendepunkt?
Die Regierung und die Ortsansässigen waren sich darüber bewusst, dass ein menschenwürdiges Leben im Dorf nicht mehr möglich war. Also stellte uns die Regierung vor ein Ultimatum: wir sollten uns entweder umsiedeln lassen in eine andere Region oder unser Land mit staatlicher Hilfe bewirtschaften. Wir entschieden uns für die zweite Option.

Wie gingen die Bauern das Problem an?
Es gab drei Bereiche, in denen wir fortgebildet wurden: Pflanzenanbau, Viehhaltung und Management natürlicher Ressourcen. Der erste Schritt war, das Gebiet vor jeglicher Nutzung durch Mensch und Vieh zu schützen und es abzusperren. Als nächstes fingen wir an, Terrassen anzulegen. Wir schafften es, unsere Böden vor der Erosion zu schützen und unterirdisch Wasser für die Bewässerung aufzufangen. Dann pflanzten wir verschiedenes Saatgut auf unseren Ackerböden an.

Wo steht Ihr Dorf heute?
Die Lebensbedingungen der Gemeindemitglieder haben sich sehr gebessert. In der ganzen Gegend wachsen Gräser, Sträucher und Bäume. Die Bauern produzieren das ganze Jahr über ihre eigene Nahrung, so dass die Familien eine ausgewogene Kost mit frischem Gemüse und Früchten zu sich nehmen. Die Dorfbewohner haben Zugang zu sauberem Wasser und Strom. Sie schicken ihre Kinder zur Schule, besitzen mehr Kleidung und ordentliche Betten. Ich bin stolz, Teil dieser Veränderung zu sein.

Was war die größte Hürde, um all dies zu erreichen?
Es war nicht immer einfach, alle zum Mitmachen zu bewegen und davon zu überzeugen, ihre Verhaltensmuster zu ändern. Als Anführer habe ich versucht, mit gutem Beispiel voran zu gehen und den anderen die Vorteile der geplanten Maßnahmen vor Augen zu führen. Wer hätte gedacht, dass unser Dorf ein exzellentes Beispiel und Modell für andere würde?

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    Das Dorf Abraha Atsbeha liegt in der nordäthiopischen Region Tigray. Dort regnet es nur zwei Monate im Jahr. Die sandigen Böden waren ausgetrocknet und unfruchtbar.
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    Mit Hilfe eines staatlichen Programms zur nachhaltigen Landbewirtschaftung bepflanzten die Dorfbewohner das Ackerland wieder – auch in der Trockenzeit.
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    Alle Dorfbewohner mussten mithelfen: Die Männer füllten Steine in Drahtkästen und legten an den Berghängen Terrassen an. Sie hoben Versickerungsgräben aus.
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    Unter Führung von Ato Gebremichael wurde die Landnutzung in Eigenarbeit konse- quent neu strukturiert, die massive Erosion gestoppt und das Grundwasser aufgefüllt.
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    Um die teils skeptische Dorfgemeinschaft von notwendigen Maßnahmen zu über- zeugen, musste der Ortsvorsteher mit gutem Beispiel voran gehen und mit anpacken.
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    Der Grundwasserspiegel ist von fünfzehn Metern auf drei Meter Tiefe in der Trockenzeit gestiegen. Viele Dorfbewohner haben jetzt eigene Wasserleitungen.
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    Auch Ato Gebremichael profitiert von den Veränderungen. Stolz präsentiert er seine Wasserleitung im Hof, die Trinkwasser und Bewässerung für seine Pflanzen liefert.
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    Wo vorher nichts mehr wuchs, wird jetzt angebaut und geerntet: Im Garten des Bauern gedeihen sogar Obstbäume. Überschüssiges wird auf dem Markt verkauft.
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    Bittere Armut und die Abhängigkeit von Nahrungsmittelspenden gehören der Vergangenheit an. Fotos: Fabian Schwan-Brandt
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    Sind die dringendsten Bedürfnisse Nahrung, Wasser und Bildung gestillt, kommen die nächsten Anschaffungen: Handys, Elektroöfen, bessere Betten, Sattelitenschüsseln.
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    Das Dorf Abraha Atsbeha ist inzwischen ein Modell für nachhaltige Landbewirt-schaftung in Äthiopien. 2012 gewann es den Äquator-Preis der Vereinten Nationen.



Gesichter und Geschichten

Yanqing Chang, Umwelttechnologe aus China

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Ländliche Entwicklung