Südafrika: Wandile Fana, Gründer der Skawara News

Wandile Fana, Gründer der Skawara News in Südafrika

Hohe Arbeitslosigkeit, mangelnde Unterstützung von Seiten des Staats, Korruption – der Südafrikaner Wandile Fana entschloss sich nach seinem Journalismus-Studium, eine Zeitung zu gründen, die über diese Missstände berichtet. Im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung unterstützt die GIZ die südafrikanische Regierung dabei, ihre öffentlichen Dienstleistungen zu verbessern. Dabei fördert sie auch lokale Medien wie Fanas Skawara News, die diesen Prozess kritisch begleiten.

Sie haben die erste Zeitung in Ihrer Region gegründet. Wie lief das ab?

Meine Frau und ich haben noch studiert, als wir beschlossen eine Zeitung zu gründen. In unserer Gegend gab es noch nie eine Zeitung, geschweige denn eine mit investigativen Artikeln in isiXhosa, der lokalen Sprache. Aber mit dem winzigen Startkapital, das uns zur Verfügung stand, war es alles andere als einfach. Erst als wir eine digitale RISO-Druckmaschine gespendet bekamen, kam der Erfolg: Während wir 2007 mit 2.000 Exemplaren pro Monat starteten, können wir nun 20.000 drucken. Und: Schwarz-Weiß ist Vergangenheit – heute freuen sich unsere Leser über knallbunte Ausgaben.

Wie kommen Sie an Ihre Geschichten?

Mir ist es wichtig, am Puls der Zeit zu bleiben. Deshalb gehe ich viel raus, unterhalte mich mit den unterschiedlichsten Menschen. Wir haben einige aktive Online-Plattformen, wie Facebook, auf denen die Bürger diskutieren und Themen aufbringen. Ich stecke meine Nase auch mal in eine Versammlung des Gemeinderats, befrage den Bürgermeister. Und nicht zuletzt: Lokal ist zwar „lekker“ – der Afrikaans-Ausdruck für toll – aber die Leute sollen auch über den Tellerrand sehen. Deshalb recherchiere ich nationale Themen online. Unterstützt werde ich von meinem Team – sieben gut ausgebildeten und motivierten Journalisten.

Welche Themen verkaufen sich am besten?

Es muss die berühmte Mischung sein. Die Leute hier interessieren sich unheimlich für die Lokal-Politik, die Diskussionen und Entscheidungen, die sie direkt angehen. Aber sie mögen auch die Boulevardseiten.

Welche Story hat bislang den reißendsten Absatz gefunden?

Unser Top-Seller war gleich in der ersten Ausgabe, 2007. Wir haben aufgedeckt, dass unser Bürgermeister korrupt war. Unsere Berichterstattung hat letztendlich zur Absetzung geführt.

Wenn Sie einmal die Schlagzeile für die größte Zeitung Südafrikas texten dürften – wie würde sie lauten?

Ich würde mit „Sprache ist das Wesentliche einer Kultur“ titeln. Egal, ob wir uns wirtschaftlich oder privat in einer Gemeinschaft fortentwickeln wollen: Für mich ist das ausschlaggebende die Sprache.


        
    
Früh morgens in der Redaktion von Skawara News: Wandile Fana recherchiert die neuesten Themen. Fotos: Sascha Glowik
Früh morgens in der Redaktion von Skawara News: Wandile Fana recherchiert die neuesten Themen. Fotos: Sascha Glowik

        
    
Redaktionssitzung: Zurzeit sind sieben Journalisten bei Skawara News fest angestellt. Über das Eastern Cape Communications Forum kommen regelmäßig Praktikanten.
Redaktionssitzung: Zurzeit sind sieben Journalisten bei Skawara News fest angestellt. Über das Eastern Cape Communications Forum kommen regelmäßig Praktikanten.

        
    
Fana mag flache Hierarchien: Er diskutiert gerne mit den Nachwuchs-Journalisten seiner Ausbildungsstätte – der Universität für Medienwissenschaft in Port Elisabeth.
Fana mag flache Hierarchien: Er diskutiert gerne mit den Nachwuchs-Journalisten seiner Ausbildungsstätte – der Universität für Medienwissenschaft in Port Elisabeth.

        
    
Fana legt auf seinem Rundgang durch die Stadt bei seinen Stammkunden eine Pause ein. In vielen Geschäften liegt seine Zeitung zum Verkauf bereit.
Fana legt auf seinem Rundgang durch die Stadt bei seinen Stammkunden eine Pause ein. In vielen Geschäften liegt seine Zeitung zum Verkauf bereit.

        
    
Auch die Händlerin an der Straße liest die Zeitung gern: Skawara News besteht zu 80 Prozent aus Beiträgen in der lokalen Sprache Xhosa.
Auch die Händlerin an der Straße liest die Zeitung gern: Skawara News besteht zu 80 Prozent aus Beiträgen in der lokalen Sprache Xhosa.

        
    
Fana ist wichtig, die Themen aufzugreifen, die die Menschen in seiner Heimatregion wirklich bewegen. Jede Meinung ist eine willkommene Inspiration.
Fana ist wichtig, die Themen aufzugreifen, die die Menschen in seiner Heimatregion wirklich bewegen. Jede Meinung ist eine willkommene Inspiration.

        
    
Bis vor einigen Jahren gab es gar keine Zeitung in der Region. Nun gibt es Skawara News – auf Xhosa und in Farbe. Das gefällt auch den Leuten vom Land.
Bis vor einigen Jahren gab es gar keine Zeitung in der Region. Nun gibt es Skawara News – auf Xhosa und in Farbe. Das gefällt auch den Leuten vom Land.

        
    
Die Arbeitslosigkeit in der Region liegt bei 80 Prozent. Die Skawara News-Verkäufer sind dankbar für den lukrativen Job: 50 Prozent des Preises dürfen sie behalten.
Die Arbeitslosigkeit in der Region liegt bei 80 Prozent. Die Skawara News-Verkäufer sind dankbar für den lukrativen Job: 50 Prozent des Preises dürfen sie behalten.