Liberia: Ernestine K. B. Dowie, Bewährungshelferin

Ernestine K.B. Dowie, Bewährungshelferin in Liberia

In Liberia warten Beschuldigte in überfüllten Gefängnissen oft Jahre auf ihr Gerichtsverfahren. Die Regierung will Veränderung und versucht, die Idee der Bewährung zu stärken. Bewährungshelferin Ernestine K. B. Dowie verhilft Verurteilten zu einem gerechteren Strafrechtsverfahren. Im Auftrag des Auswärtigen Amts hat die GIZ in Liberia 30 Bewährungshelfer ausgebildet. Seitdem wurden 200 Häftlinge auf Bewährung entlassen.

Wie wurden Sie Bewährungshelferin?

Ich habe immer davon geträumt, Beraterin zu werden. Jemand, der in der Lage ist, das Leben anderer Menschen zum Besseren zu wenden. Als ich die Ausschreibung der GIZ in der Zeitung sah, habe ich mich entschieden, die Gelegenheit zu ergreifen.

Was bedeutet Ihre Arbeit heute für Sie?

Es gibt so viele Menschen in diesem Land, die so viel weniger Glück haben, die ein kleiner Schicksalsschlag für ein geringes Vergehen ins Gefängnis gebracht hat, wie ein Huhn stehlen, ein Handy oder ein Moped. Ich zeige ihnen einen Weg auf und helfe ihnen, eine zweite Chance zu bekommen.

Wie sieht der Alltag in Liberia aus?

Das Leben in Liberia kann wirklich hart sein. Der Krieg liegt gerade erst hinter uns und wir erholen uns davon. Einige Menschen wissen nicht, wie sie sich drei Mahlzeiten pro Tag leisten sollen und wie sie ihre Kinder zur Schule schicken können. Manchmal hat man den Eindruck, alle denken nur an sich selbst und nicht an das Gemeinwohl. Aber ich sehe langsam Verbesserungen.

Wenn Sie sich von einer Fee etwas wünschen dürften. Gibt es etwas, das Sie in Ihrem Leben ändern würden?

Ich glaube, mein Leben ist perfekt, so wie es ist: Ich habe einen Beruf, einen Mann, ein kleines Kind und ein Zuhause. Aber ich würde gerne einiges an dem System in unserem Land ändern. Daher muss ich meine Anstrengungen verdoppeln, mehr lernen, versuchen, wieder zur Schule zu gehen und vielleicht einen Master machen und sehen, was ich für mein Land als Ganzes tun kann. Es ist mein eigener Kampf, da kann keine Fee helfen.

Was würden Sie tun, wenn Sie im Lotto gewännen?

Ich habe immer davon geträumt, etwas für andere zu tun. Wenn ich viel, viel Geld hätte, würde ich es nicht einfach an Menschen, die auf der Straße leben, verteilen, sondern Möglichkeiten finden, sie zu stärken und am Leben teilhaben zu lassen. Und ich würde ein Waisenhaus bauen.


        
    
Chancen fürs Recht: In vielen Ländern Westafrikas ist das Justizwesen wenig effektiv und transparent. Zivil- und Strafverfahren sind oft nicht fair. Fotos: Clair MacDougall
Chancen fürs Recht: In vielen Ländern Westafrikas ist das Justizwesen wenig effektiv und transparent. Zivil- und Strafverfahren sind oft nicht fair. Fotos: Clair MacDougall

        
    
Zuhören und nachlesen: Bewährungshelferin Ernestine K. B. Dowie bespricht sich vor der Anhörung mit einem ihrer Klienten.
Zuhören und nachlesen: Bewährungshelferin Ernestine K. B. Dowie bespricht sich vor der Anhörung mit einem ihrer Klienten.

        
    
Nicht zu übersehen: In orangefarbenen Overalls und mit Kabelbindern gefesselt warten Angeklagte im Gericht von Monrovia auf die Anhörung.
Nicht zu übersehen: In orangefarbenen Overalls und mit Kabelbindern gefesselt warten Angeklagte im Gericht von Monrovia auf die Anhörung.

        
    
Die Rollen ausfüllen: Nicht überall ist in Liberia die Gewaltenteilung in der Rechtswirklichkeit angekommen.
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Recht sprechen und festhalten: Ein Fünftel der Magistrate in unteren Instanzen kann nicht ausreichend lesen und schreiben.
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Viel unterwegs: Bewährungshelferin Ernestine K. B. Dowie auf dem Weg zu ihrem Klienten Morris Clinton, dem sie einen Arbeitsplatz vermitteln konnte.
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Reifen Pumpen statt im Gefängnis sitzen: Morris Clinton soll aus einer Kirche umgerechnet 4 Euro 50, Plastikstühle und andere Gegenstände gestohlen haben.
Reifen Pumpen statt im Gefängnis sitzen: Morris Clinton soll aus einer Kirche umgerechnet 4 Euro 50, Plastikstühle und andere Gegenstände gestohlen haben.

        
    
Das Opfer anhören: Pastor Kollie steht der Kirchengemeinde vor, die Morris Clinton bestohlen haben soll. Er befürwortet die Bewährungsstrafe.
Das Opfer anhören: Pastor Kollie steht der Kirchengemeinde vor, die Morris Clinton bestohlen haben soll. Er befürwortet die Bewährungsstrafe.

        
    
Der Familie helfen: Drei Kinder von Morris und seiner Frau leben noch zu Hause. Das Bewährungshilfeprogramm unterstützt bei Miete und Schulgeld.
Der Familie helfen: Drei Kinder von Morris und seiner Frau leben noch zu Hause. Das Bewährungshilfeprogramm unterstützt bei Miete und Schulgeld.

        
    
Für die Zukunft lernen: Zum Programm gehört ein Bildungszentrum, in dem handwerkliche Fähigkeiten erlernt werden können.
Für die Zukunft lernen: Zum Programm gehört ein Bildungszentrum, in dem handwerkliche Fähigkeiten erlernt werden können.

        
    
Mit der Polizei abstimmen: Ali Sylla, Koordinator des Bewährungshilfeprogramms, bespricht einen Fall mit einem Polizisten.
Mit der Polizei abstimmen: Ali Sylla, Koordinator des Bewährungshilfeprogramms, bespricht einen Fall mit einem Polizisten.

        
    
Vorbereiten fürs Gespräch: Fünf Klienten betreut Ernestine K. B. Dowie. Ist deren Bewährungsstrafe von bis zu vier Jahren abgelaufen, trennen sich die Wege.
Vorbereiten fürs Gespräch: Fünf Klienten betreut Ernestine K. B. Dowie. Ist deren Bewährungsstrafe von bis zu vier Jahren abgelaufen, trennen sich die Wege.