Timor-Leste: Jacinta de Sousa Pereira, „Superwoman“

Jacinta de Sousa Pereira, „Superwoman“ in Timor-Leste

Bürgerkrieg, Besatzung, gewaltsame Auseinandersetzungen – Timor-Lestes Weg zur Unabhängigkeit war lang und schwierig. Nach Jahrzehnten der Gewalt wünscht sich Jacinta de Sousa Pereira ein friedliches Miteinander in der jungen Demokratie. In der Rolle der „Feto Fantastiku“ zeigt sie den Fernsehzuschauern in Timor-Leste, wie sie ihre Konflikte gewaltfrei lösen können. Im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hat die GIZ vor Ort bereits mehr als 800 Personen in der Mediation ausgebildet.

Wenn Sie jemandem Timor-Leste beschreiben – was sagen Sie?

Timor-Leste ist ein sehr kleines Land. Es besticht durch wunderschöne, grüne Landschaften, eine reiche Kultur mit unzähligen Traditionen und Sprachen. Leider gibt es immer wieder Gewalt. Wenn ein Streit aufkommt, wird nicht geredet – die Leute schlagen gleich zu. Auch häusliche Gewalt ist in Timor-Leste Alltag. Besonders die Kinder leiden darunter.

Wie bringen Sie Menschen dazu, Konflikte friedlich zu lösen?

Viele, vor allem auf dem Land, können weder lesen, noch schreiben. Deshalb führen wir Theaterstücke auf und arbeiten mit Filmen. Das begeistert die Menschen – sie unterhalten sich prächtig, wenn wir die typischen Streitsituationen zeigen und ich dann als FETO FANTASTIKU auftauche und den Konflikt löse. Aber sie kommen auch ins Grübeln und nehmen sich vor, das nächste Mal nicht mit Gewalt, sondern mit einem gesitteten Gespräch zu reagieren.

Wie lebt es sich als „FETO FANTASTIKU“?

Es passiert immer häufiger, dass mich die Leute auf der Straße erkennen. Die Kinder rufen mir „FETO FANTASTIKU“ nach, oder den Leitspruch unserer Filme: „Pack das Problem an, nicht die Leute!“. Das ist einzigartig. Ich merke dabei, dass die Menschen nicht nur mich erkennen, sondern auch die Inhalte verstehen.

Was tun Sie in Ihrer Freizeit?

Ich lese gern, gehe mit meinen Freunden an den Strand, um der tropischen Hitze zu entkommen. Aber am Liebsten habe ich es, wenn ich zu Hause bin und die Nachbarskinder vorbeischauen. Viele Kinder in Timor-Leste kommen aus schwierigen Verhältnissen. Es ist selten, dass sie einfach mal Kind sein dürfen. Bei mir tanken sie auf. Das macht mir große Freude.

Was bedeutet Luxus für Sie?

Meine Reise nach Singapur zur internationalen Konferenz PROJECT INSPIRE 2013 war Luxus. Singapur ist ganz anders als Dili. Ich habe über die riesigen Gebäude und die schicken Geschäfte gestaunt. Aber der eigentliche Luxus war die Anerkennung unserer Arbeit durch die Konferenzteilnehmer. Ich war richtig stolz. Ich wusste, dass wir auf dem richtigen Weg sind.


        
    
Die Geschichte Timor-Lestes ist von Bürgerkriegen und Gewalt geprägt. Jacinta de Sousa Pereira steht früh auf – als Friedensaktivistin gibt es für sie viel zu tun.
Die Geschichte Timor-Lestes ist von Bürgerkriegen und Gewalt geprägt. Jacinta de Sousa Pereira steht früh auf – als Friedensaktivistin gibt es für sie viel zu tun.

        
    
Frontalunterricht ist selten, muss aber auch mal sein. Pereira leitet Workshops, in denen Teilnehmer Methoden zur friedlichen Konfliktlösung lernen.
Frontalunterricht ist selten, muss aber auch mal sein. Pereira leitet Workshops, in denen Teilnehmer Methoden zur friedlichen Konfliktlösung lernen.

        
    
Am Liebsten arbeitet Pereira ganz eng mit Menschen zusammen. Sie analysiert ihre individuellen Situationen und berät ganz realitätsnah. Fotos: Sebastian Löffler
Am Liebsten arbeitet Pereira ganz eng mit Menschen zusammen. Sie analysiert ihre individuellen Situationen und berät ganz realitätsnah. Fotos: Sebastian Löffler

        
    
Viele Menschen in den ländlichen Gegenden Timor-Lestes sind Analphabeten. Theater ist da die beste Vermittlungsmethode. Pereira und ihre Gruppe proben täglich.
Viele Menschen in den ländlichen Gegenden Timor-Lestes sind Analphabeten. Theater ist da die beste Vermittlungsmethode. Pereiras Gruppe probt täglich.

        
    
Pereira und ihr Team sind mittlerweile im ganzen Land bekannt. Foto: Jacinta de Sousa Pereira.
Pereira und ihr Team sind mittlerweile im ganzen Land bekannt. Foto: Jacinta de Sousa Pereira.

        
    
Die Kleinen liegen Pereira besonders am Herzen. Oft lädt sie die Kinder der Nachbarschaft zum Spielen und Geschichten erzählen zu sich nach Hause ein.
Die Kleinen liegen Pereira besonders am Herzen. Oft lädt sie die Kinder der Nachbarschaft zum Spielen und Geschichten erzählen zu sich nach Hause ein.

        
    
Feierabend ist für Pereira eigentlich nie. „Überall gibt es mal Streit.“, sagt sie. „Als Teil der Gesellschaft höre ich zu und unterstütze mit Rat und Tat.“
Feierabend ist für Pereira eigentlich nie. „Überall gibt es mal Streit.“, sagt sie. „Als Teil der Gesellschaft höre ich zu und unterstütze mit Rat und Tat.“

        
    
Auch der Busfahrer auf dem Heimweg vom Büro kennt Pereira aus dem Fernsehen. Sie ist zum Sinnbild für ein friedliches Miteinander in der Gemeinde geworden.
Auch der Busfahrer auf dem Heimweg vom Büro kennt Pereira aus dem Fernsehen. Sie ist zum Sinnbild für ein friedliches Miteinander in der Gemeinde geworden.

        
    
Pereira in Berufskleidung. Die „Win-Win-Solution“-Methode mag sie am Liebsten. Dabei ziehen beide Konfliktparteien letztendlich Nutzen aus der Situation.
Pereira in Berufskleidung. Die „Win-Win-Solution“-Methode mag sie am Liebsten. Dabei ziehen beide Konfliktparteien letztendlich Nutzen aus der Situation.

        
    
Pereiras Vorbild ist der ehemalige Präsident von Timor-Leste und Friedensnobelpreisträger José Ramos Hortas. Foto: Jacinta de Sousa Pereira
Pereiras Vorbild ist der ehemalige Präsident von Timor-Leste und Friedensnobelpreisträger José Ramos Hortas. Foto: Jacinta de Sousa Pereira

        
    
Pereira traf Friedensaktivisten aus aller Welt bei einer Konferenz in Singapore 2012. Foto: Jacinta de Sousa Pereira
Pereira traf Friedensaktivisten aus aller Welt bei einer Konferenz in Singapur 2012. Foto: Jacinta de Sousa Pereira