Menschen auf der Flucht in Afghanistan integrieren

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Integration von Geflüchteten in Nordafghanistan
Auftraggeber: Auswärtiges Amt (AA)
Land: Afghanistan
Politischer Träger: Ministerium für Flüchtlinge und Repatriierung (MoRR)
Gesamtlaufzeit: 2013 bis 2019

Perspektiven vor Ort schaffen: Der Hausbau beginnt. © GIZ

Ausgangssituation

Nach Schätzungen des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) sind über 2,5 Millionen Menschen innerhalb von Afghanistan als Folge von Konflikten auf der Flucht. Zusätzlich verlassen tausende Familien ihre Heimatorte wegen Naturkatastrophen oder fehlenden ökonomischen Perspektiven.

Die Versorgungslage der Binnenvertriebenen ist oft prekär, die ersten zwei Jahre sind für Menschen auf der Flucht besonders schwierig. Der Staat ist kaum in der Lage, eine Basisversorgung der Binnenvertriebenen sicherzustellen. Oft kommt es zwischen den Gastgemeinden und den Binnenvertriebenen zu Konflikten über den Zugang zu Wasser und Landrechten.

In provisorischen Unterkünften sind Menschen auf der Flucht besonders im Winter dem harten Klima schutzlos ausgeliefert. Neben Wasser ist auch Nahrung knapp, der Zugang zu Sanitäranlagen, Bildung und medizinischer Versorgung ist unzureichend.

Um die Situation zu verbessern, hat das afghanische Ministerium für Flüchtlinge und Repatriierung (MoRR) eine nationale Strategie für die Binnenvertriebenen verabschiedet.

Ziel

Die afghanischen Behörden verbessern ihre Kompetenzen, Ressourcen und Leistungsfähigkeit, binnenvertriebene Familien zu unterstützen. Afghanische Organisationen aus der Zivilgesellschaft unterstützen Binnenvertriebene bei der Integration in ihre neuen Wohnorte. Binnenvertriebene bestreiten ihren Lebensunterhalt wieder zunehmend selbst.

Eine Frau produziert selbstgesponnene Wolle. © GIZ

Vorgehensweise

Im Auftrag des Auswärtigen Amtes unterstützt die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH die afghanische Regierung bei der Integration von Binnenvertriebenen. Dabei arbeitet die GIZ eng mit dem Ministerium für Flüchtlinge und Repatriierung, dessen Provinzdirektionen und dem Flüchtlingshilfswerk UNHCR zusammen.
Maßnahmen zum Ausbau von Kompetenzen und Ressourcen verbessern die nationale und regionale Leistungsfähigkeit des Ministeriums für Flüchtlinge und Repatriierung. Gemeinsam mit den Direktionen des Ministeriums in den Provinzen, den Menschen auf der Flucht und der Bevölkerung in den aufnehmenden Gemeinden werden Maßnahmen zur Verbesserung der Basisinfrastruktur ermittelt und umgesetzt. Dazu gehören beispielsweise temporäre Unterkünfte, Trinkwasserversorgung, sanitäre Einrichtungen, Gemeindezentren und Sportplätze.
Bei der Planung von Baumaßnahmen wird, in enger Abstimmung mit den verantwortlichen Behörden, vor allem das Thema Landrechte und Eigentum berücksichtigt. Die Baumaßnahmen kommen besonders benachteiligten Haushalten zugute. Dies schließt ausdrücklich alle benachteiligten Haushalte der Gastgemeinden ein, unabhängig ob dort Binnenvertriebene leben oder nicht.
Auf ihre Situation ausgerichtete Maßnahmen ermöglichen rückkehrwilligen Binnenflüchtlingen die Heimkehr an die Ursprungsorte. Gelungene Beispiele können die afghanischen Behörden eigenverantwortlich an anderen Standorten breitenwirksam umsetzen.

Wirkungen

Die Direktorate des Ministeriums auf Provinzebene sind für die Integration der Binnenflüchtlinge zuständig. In Schulungen lernen die Angestellten, wie sie Daten erheben und ihre Arbeit effizient gestalten können. Die Direktorate befragten mit Unterstützung der GIZ über 16.000 Haushalte und führten Gruppendiskussionen mit Menschen auf der Flucht sowie Vertreterinnen und Vertretern aus Gastgemeinden, um den Unterstützungsbedarf zu dokumentieren. Daraus resultierten konkrete Maßnahmen, die den Erfordernissen der Binnenvertriebenen entsprechen. An deren Planung und Umsetzung beteiligen sich alle Interessengruppen.
Es wurden zwei Schulen gebaut, die nun Kinder aus 2.750 Familien besuchen. 76 neue Brunnen und zwei Wasserversorgungsnetzwerke verbessern den Zugang zu sauberem Trinkwasser für über 600 Familien. Für besonders gefährdete Familien wurden rund 450 temporäre Unterkünfte gebaut und ersetzen die Unterbringung in Zelten und Erdhöhlen. Auch wurde vorgefertigtes Baumaterial (vor allem Fenster- und Türrahmen) zur Instandsetzung von etwa 730 Häusern bereitgestellt.
2.000 Personen haben an Aus- und Fortbildungen zur Verbesserung ihrer Alltags- und Selbsthilfefähigkeiten sowie ihrer Anstellungschancen auf dem Arbeitsmarkt teilgenommen, beispielsweise in den Bereichen Nähen, Weben oder Lehmbau. Trainings zur Konfliktbewältigung, Hygienevorsorge, Alphabetisierung und Alltagsmathematik besuchten über 8.100 Binnenvertriebene. Alle Trainings wurden von afghanischen Nichtregierungsorganisationen unter Leitung des Projektes durchgeführt.
Zusammengefasst können durch die Maßnahmen über 17.000 Familien Binnenvertriebener ihr Leben wieder allmählich eigenständig und aus eigener Kraft meistern