Neuer Start für Binnenvertriebene

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Integration von Binnenvertriebenen in Afghanistan
Auftraggeber: Auswärtiges Amt (AA)
Land: Afghanistan
Politischer Träger: Ministerium für Flüchtlinge und Repatriierung (MoRR)
Gesamtlaufzeit: 2013 bis 2016

Ausgangssituation

Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) schätzt die Zahl der afghanischen Flüchtlinge aufgrund des herrschenden Konflikts auf über 766.000. Hinzu kommt eine wachsende Zahl von Flüchtlingen, die den Lebensunterhalt für sich und ihre Familien an ihren Herkunftsorten nicht mehr sicherstellen können, beispielsweise aufgrund des Klimawandels. Die Mehrzahl siedelt sich im Umkreis der größeren Städte an und erhöht damit den Druck auf die ohnehin prekäre soziale Infrastruktur, was zu erheblichen Konflikten mit der ansässigen Bevölkerung führt. Die Chancen der Vertriebenen, für ihren Lebensunterhalt im städtischen Raum selbstständig aufzukommen, sind gering, da sie nicht über die notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen. Ihre Bereitschaft, an die Herkunftsorte zurückzukehren, ist ebenfalls gering, wenn sich die Umstände, die zur Vertreibung geführt haben, nicht ändern.

Das für die Integration von Binnenflüchtlingen zuständige afghanische Ministerium für Flüchtlinge und Repatriierung kann seine Verantwortung bisher nur unzureichend wahrnehmen. Es verfügt nicht über die notwendigen Kompetenzen und Ressourcen, die Ende 2013 verabschiedete Nationale Strategie zur Integration von Binnenvertriebenen umzusetzen.

Ziel

Kompetenzen, Ressourcen und Leistungsfähigkeit der afghanischen Regierung, binnenvertriebene Familien zu unterstützen, sind gestärkt. Die Lebensgrundlagen ausgewählter binnenvertriebener Familien und die Integration an ihren Aufenthaltsorten in den Provinzen Balkh, Kundus, Samangan, Baghlan und Jawzjan sind verbessert.

Vorgehensweise

Im Auftrag des Auswärtigen Amtes unterstützt die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH Afghanistan bei der Umsetzung der Nationalen Strategie zur Integration von Binnenvertriebenen.

Maßnahmen zum Ausbau von Kompetenzen und Ressourcen auf nationaler Ebene und auf Provinzebene verbessern die Leistungsfähigkeit des Ministeriums für Flüchtlinge und Repatriierung. Gemeinsam mit den Direktionen des Ministeriums in den Provinzen, den Vertriebenen und der Bevölkerung in den aufnehmenden Gemeinden werden Maßnahmen zur Verbesserung der Basisinfrastruktur ermittelt und umgesetzt. Dazu gehören beispielsweise temporäre Unterkünfte, Trinkwasserversorgung, sanitäre Einrichtungen, Gemeindezentren und Sportplätze.

Bei der Planung von Baumaßnahmen wird, in enger Abstimmung mit den verantwortlichen Behörden, vor allem das Thema Landrechte und Eigentum berücksichtigt. Die Baumaßnahmen kommen vor allem besonders benachteiligten Haushalten zugute – was benachteiligte Nichtvertriebenen-Haushalte der Gastgemeinden ausdrücklich einschließt.

An den Bedarf angepasste Trainings und Basisausbildungen, etwa Lese- und Rechenfähigkeit, Konfliktlösung, Hygiene, Bürgerkunde und handwerkliche Trainings, verbessern die Alltagsfähigkeiten der Zielgruppe. Sie steigern ihre Chancen, ihren Lebensunterhalt selbstständig zu sichern.

Auf ihre Situation ausgerichtete Maßnahmen ermöglichen rückkehrwilligen Binnenflüchtlingen die Heimkehr an die Ursprungsorte. Gelungene Beispiele können die afghanischen Behörden eigenverantwortlich an anderen Standorten breitenwirksam umsetzen.

Wirkung

Um Fördermaßnahmen an tatsächlichen Bedarfen und Interessen der Zielgruppe auszurichten, wurden die Bedürfnisse der Binnenvertriebenen umfassend erhoben. Die Ergebnisse aus 1.500 Haushaltsbefragungen und 40 Gruppendiskussionen sind in den Projektplanungsprozess eingeflossen. Informelle Komitees aus Vertretern der Flüchtlinge und der Gastgemeinden sind in die Planung direkt involviert und steuern die Umsetzung der Maßnahmen.

72 zusätzliche Brunnen verbessern den Zugang zu sauberem Trinkwasser. Für besonders gefährdete Familien wurden 125 temporäre Unterkünfte gebaut, die die Unterbringung in Zelten und Erdhöhlen ersetzen. Ein neues Schulgebäude verbessert den Zugang zu Bildung. 6.000 Personen haben an Trainings zur Verbesserung ihrer Selbsthilfefähigkeiten und Anstellungschancen auf dem Arbeitsmarkt teilgenommen. Alle Trainings wurden von afghanischen Nichtregierungsorganisationen unter Leitung des Projektes durchgeführt.