Palästinensische Gebiete: Oday Abu Karsh, Gründer der Organisation „REFORM“

Oday Abu Karsh, Gründer der Organisation „REFORM“ in den Palästinensischen Gebieten

Vorurteile und getrennte Stadtviertel: Die palästinensische Gesellschaft ist gespalten. Einwohner der Flüchtlingslager und der umliegenden Städte begegnen sich im Alltag selten. Oday Abu Karsh bringt sie mit seiner Organisation „REFORM“ an einen Tisch und arbeitet für einen stärkeren sozialen Zusammenhalt. Im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung unterstützt ihn die GIZ dabei, die soziale Teilhabe der palästinensischen Flüchtlinge zu stärken.

Warum ist Ihre Arbeit so bedeutend?

Durch unsere Workshops schaffen wir Orte und Anlässe, die vor allem junge Menschen aus den Flüchtlingsvierteln mit den anderen Bewohnern der Städte zusammenbringen. Dazu laden wir auch Bürgermeister und andere Amtsträger ein, um die politische Teilhabe zu stärken.

Wie sind Sie aufgewachsen?

Ich komme aus der Nähe von Hebron und musste wegen einer israelischen Militäranweisung die meiste Zeit meiner Kindheit in einem Zelt leben. Meine Brüder waren alle im Gefängnis. So sah für mich damals die Zukunft auch aus. Daher bin ich stolz auf meine persönliche Entwicklung von einem von Gewalt geprägten Jugendlichen zu einem Familienvater und Mann, der sich für eine inklusivere palästinensische Gesellschaft einsetzt.

Wie prägt das Ihre heutige Arbeit?

Heute setze ich mich friedlich und konstruktiv für einen stärkeren Zusammenhalt in meiner Gesellschaft ein. Gemeinsam mit der GIZ habe ich innerhalb von zwei Jahren ein Netzwerk von mehr als 600 jungen Freiwilligen aufgebaut. Bei regelmäßigen Treffen arbeiten wir an Lösungen, die der zunehmenden Ausgrenzung auf allen Ebenen der palästinensischen Gesellschaft entgegenwirken.

Welche Herausforderungen gibt es innerhalb der palästinensischen Gesellschaft?

In den vergangenen zwei Jahrzehnten sind soziale Unterschiede größer geworden. Viele Palästinenser, die vor über 60 Jahren geflohen sind, leben noch in Flüchtlingslagern. Es ist eine Parallelgesellschaft entstanden: Sie können nicht an Kommunalwahlen teilnehmen; sie nutzen andere Krankenhäuser und Schulen, die von den Vereinten Nationen betrieben werden und oft nicht den gleichen Standard haben; in den Flüchtlingslagern fallen Strom- und Wasserversorgung oft wochenlang aus.

Wie reagieren Sie darauf?

Mit meinen Mitarbeitern arbeite ich am Abbau von Vorurteilen und für eine stärkere Teilhabe palästinensischer Flüchtlinge. Wir haben 40 junge Menschen aus den Flüchtlingslagern ausgebildet, die jetzt mit gemischten Jugendgruppen arbeiten. Sie engagieren sich in ihrer jeweiligen Nachbarschaft und im Flüchtlingslager, indem sie zum Beispiel Hausbesuche oder Diskussionen organisieren.


        
    
Die Zentrale der Organisation „REFORM“ ist in Ramallah. Von dort aus koordiniert Oday Abu Karsh gemeinsam mit seinen neun Mitarbeitern die Projekte.

        
    
Durch seine Biografie kennt Oday Abu Karsh die Probleme zwischen palästinensischen Flüchtlingen und der palästinensischen Bevölkerung.

        
    
Flüchtlingslager in palästinensischen Städten sind auf den ersten Blick nicht erkennbar. Sie sehen mittlerweile aus wie normale, etwas ärmere Stadtviertel.

        
    
Oday Abu Karsh kennt die Enge in den Gassen der Flüchtlingslager und schafft mit seiner Arbeit Raum für Begegnung und für friedlichen Austausch.

        
    
In 15 von insgesamt 19 Flüchtlingslagern ist „REFORM“ tätig und wird von 600 Freiwilligen in den gesamten Palästinensischen Gebieten unterstützt.

        
    
Oday Abu Karsh versammelt Jugendliche an ungewöhnlichen Orten und unterstützt sie, Ziele und Perspektiven für ihr Leben zu entwickeln.

        
    
Unterschiedliche Methoden werden angewandt: In Erzählrunden lernen Jugendliche aus verschiedenen Stadtvierteln sich zuzuhören und Konflikte konstruktiv zu lösen.

        
    
Zum Ausgleich spielt Oday Abu Karsh abends gerne Karten mit seinen Freunden.

        
    
Seine Vision ist, dass sich auch Flüchtlinge aktiv in das öffentliche Leben Palästinas einbringen.