Ländliche Entwicklung und Anpassung an den Klimawandel

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Ländliche Entwicklung und Anpassung an den Klimawandel
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Guatemala
Politischer Träger: Ministerium für Umwelt und natürliche Ressourcen der Republik Guatemala (MARN)
Gesamtlaufzeit: 2013 bis 2018

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Ausgangssituation

Guatemala hat einen minimalen Anteil von 0,5 Prozent an den weltweiten Klimagasemissionen. Aufgrund seiner geografischen Lage ist das Land von den Folgen des Klimawandels jedoch besonders betroffen, von Wirbelstürmen, extremen Regenfällen und immer ausgedehnteren Dürreperioden. Als Folge des Klimawandels verschlechtern übernutzte Ressourcen wie Boden, Wald und Wasser ihre Qualität. Guatemala gehört zu den zehn am stärksten vom Klimawandel betroffenen Ländern weltweit.

Armut und Bevölkerungswachstum führen außerdem dazu, dass die Bauern den Boden übernutzen und die Anbaugrenze verschieben. Das mindert Produktivität und Widerstandsfähigkeit der Ökosysteme gegenüber den Folgen des Klimawandels.

In den letzten Jahren wurde Guatemala von mehreren Tropenstürmen mit großer Intensität getroffen: Hurrikan Mitch (1998), Stan (2005) und Agatha (2010). Allein Hurrikan Stan hat einen Schaden von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts verursacht.

Schwache dezentrale Strukturen erschweren die Umsetzung der nationalen Politik zum Klimawandel und zur ländlichen Entwicklung.

95 Prozent der Oberflächengewässer sind stark verschmutzt (Rio Montagua). Dadurch ist die Wasserversorgung der ländlichen Gemeinden gefährdet. Zusammen mit den Auswirkungen des Klimawandels erschweren fehlende Ressourcen und Kompetenzen ein nachhaltiges Wasserversorgungsmanagement zusätzlich.

Ziel

Nationale Ministerien, regionale Verwaltungen, der Privatsektor und zivilgesellschaftliche Organisationen setzen Maßnahmen zum Umweltmanagement und zur Anpassung an den Klimawandel in ausgewählten Regionen abgestimmt um.

Vorgehensweise

Das Vorhaben arbeitet an der Schnittstelle von Ressourcenschutz und Ressourcennutzung: Es entwickelt Maßnahmen wie Erosionsschutz in kleinen Wassereinzugsgebieten und verbessert die effiziente Nutzung natürlicher Ressourcen. Maßnahmen zum Schutz von Trinkwasserquellen, zum sparsamen Umgang mit Trinkwasser und zur Aufbereitung von Abwasser sollen den Zugang zu Trinkwasser und die Wasserversorgung für die kleinbäuerliche Landwirtschaft verbessern, um letztendlich die landwirtschaftliche Produktion zu steigern und Armut und Unterernährung zu reduzieren.

Bei der Arbeit mit den verschiedenen ausgewählten Wertschöpfungsketten, wie Kaffee und grüne Bohnen, werden Wasser und Boden besser genutzt, um eine effizientere, gegen Klimawandelfolgen resistentere landwirtschaftliche Produktion zu erreichen. Diese Leistung erbringt ein Consultingunternehmen.

Das Programm unterstützt die Gemeindeverwaltungen dabei, ordnungspolitische Rahmen und Politiken zum Schutz und zur nachhaltigen Nutzung der natürlichen Ressourcen in Kraft setzen. Kommunen werden vom Vorhaben beraten, wie sie struktur- und ordnungspolitische Maßnahmen einvernehmlich mit der betroffenen Bevölkerung umsetzen können, etwa mit Verordnungen zum Schutz kommunaler Wassereinzugsgebiete oder Regelungen zur Brandrodung landwirtschaftlicher Anbauflächen. Darüber hinaus werden in Gemeinden zusammen mit den Bewohnern Maßnahmen zu Erosionsschutz, Aufforstung und Uferbefestigung durchgeführt. Die Planung kommunaler Kläranlagen wird beratend unterstützt.

Das Vorhaben leistet Politikberatung und fördert Wissensmanagement beim Umwelt- sowie beim Planungsministerium. Ergebnisse in den Pilotprovinzen El Progreso und Baja Verapaz werden als Modelle für andere Regionen auf nationaler Ebene diskutiert und verbreitet. Ein Beispiel ist die Entscheidung des Nationalen Rates für urbane und ländliche Entwicklung (CONADUR) zukünftig auch Umweltprojekte in den Gemeinden zu fördern.

Neben dem Umweltministerium arbeitet das Programm auch mit dem Landwirtschaftsministerium, der Einheit für Klimawandel des Agrarministeriums (MAGA), dem staatlichen meteorologischen Institut (INSUVMEV) und dem nationalen Planungssekretariat (SEGEPLAN) zusammen.

Die Consultingfirma GOPA unterstützt die Umsetzung des Vorhabens. Das Consultingunternehmen ist für die Durchführung von Massnahmen zur Stärkung der Kapazitäten ausgewählter Gemeinden zu den Themen Wassereinzugsgebietsmanagement und Abwasserreinigung im Kontext einer Resilienzsteigerung gegenüber dem Klimawandel verantwortlich.

Wirkung

Erster Schritt zur nachhaltigen Wasserversorgung der Stadt Salamá (Baja Verapaz): In Zusammenarbeit mit der Gemeindeverwaltung, vor allem mit dem Bürgermeister, wurde das Wassereinzugsgebiet des Rio Cachil per Gemeinderatsbeschluss unter Schutz gestellt.

In Morazán, El Progreso, soll eine Verordnung zur in dieser Gegend weit verbreiteten Brandrodung umgesetzt werden. Sie wurde in Kooperation mit der Gemeindeverwaltung ausgearbeitet.

In Rabinal, San Miguel Chicaj und Cobulco wurden über 60 Mitarbeiter und Techniker der Stadtverwaltungen in mehrtägigen Kursen zu umweltpolitische Themen und Maßnahmen zu ihrer Umsetzung geschult.

In sechs ausgewählten Gemeinden wurden, in Zusammenarbeit mit den Kommunen, Einheiten für kommunale Umweltverwaltung eingerichtet.

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In diesen Gemeinden werden19 von 42 geplanten Maßnahmen zum Schutz von Wassereinzugsgebieten und zur Klimawandelanpassung durchgeführt. Die Maßnahmen werden mindestens zur Hälfte von den Gemeinden finanziert (November 2014).

Das Programm richtete im Oktober 2014 die erste internationale Konferenz zu ländlicher Entwicklung und Anpassung an den Klimawandel in Guatemala und Lateinamerika aus. Es kamen 300 Teilnehmer aus allen Departementen des Landes sowie aus 20 weiteren Ländern.