Energising Development (EnDev) Ruanda

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Beteiligung der Privatwirtschaft an der Stromversorgung aus Kleinwasserkraft für ländliche Entwicklung; Results Based Financing (RBF) für erneuerbare Energien – Solarlampen und Inselnetze
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ); Generaldirektion für internationale Zusammenarbeit des niederländischen Außenministeriums (DGIS); Norwegisches Außenministerium (MFA); Australisches Außen- und Handelsministerium (DFAT); Britisches Ministerium für internationale Entwicklung (DFID); Schweizer Direktion für Entwicklung und
Land: Ruanda
Politischer Träger: Rwanda Energy Group (REG); Energy Development Corporation Ltd. (EDCL)
Gesamtlaufzeit: 2006 bis 2017

Attigah inspecting MHP – Intake of micro-hydro power plant in Rwanda © GIZ

Ausgangssituation
Der Energieverbrauch pro Kopf in Ruanda ist einer der niedrigsten der Welt. Lediglich 18 Prozent der Bevölkerung haben Zugang zu Elektrizität, in ländlichen Gebieten sogar weniger als 2 Prozent. Während des Genozids von 1994 wurde der Großteil der Infrastruktur für Energieerzeugung und -versorgung zerstört. Von der mangelnden Energieversorgung sind besonders die Wirtschaftsbereiche mit den besten Wachstumsaussichten, wie Agrarindustrie, Tourismus und IT, betroffen. Haushalte ohne Anschluss an das Stromnetz nutzen gesundheitsschädigende und teure Leuchtquellen wie Kerosinlampen und batteriebetriebene Lampen.

Die Regierung arbeitet daran, die Energieinfrastruktur wieder aufzubauen und dabei Wasserkraft, Methangas, Solarenergie und geothermische Energiequellen zu nutzen. Ländliche Haushalte sollen durch dezentrale Technologien wie Solarlampen und Inselnetze Zugang zu Strom erhalten. Vor allem die Einbeziehung der Privatwirtschaft soll dies ermöglichen.

Ziel
109.340 Personen sind an die lokale Stromversorgung angeschlossen. Kleine und mittlere Unternehmen sind in der Lage, Kleinwasserkraftanlagen zu installieren und nachhaltig zu betreiben. 1,7 Millionen Menschen haben durch den Verkauf von 328.000 Solarlampen Zugang zu Strom. 18.750 Menschen in netzfernen Dörfern erhalten Strom aus Inselnetzen.

Rwandan entrepreneur Francois D’Assise © GIZ

Vorgehensweise
Energising Development (EnDev) ist ein globales Programm, das in 24 Ländern tätig ist. Die Initiative wird von der GIZ durchgeführt und gemeinsam von den Niederlanden, Deutschland, Australien, Großbritannien, Norwegen und der Schweiz finanziert. EnDev Ruanda führt zwei Projekte zur Verbesserung des Zugangs der ländlichen Bevölkerung zu nachhaltigen Energien durch.

Das PSP-Hydro-Projekt (Private Sector Participation in Micro-hydro Power Supply for Rural Development, Beteiligung der Privatwirtschaft an der Stromversorgung aus Kleinwasserkraft für ländliche Entwicklung) trägt seit 2006 dazu bei, die Leistungsfähigkeit kleiner und mittlerer Unternehmen durch verbesserte Energieversorgung zu stärken. Durch Beratung, Fortbildung und begrenzte Kofinanzierungen unterstützt das Projekt private Firmen beim Bau und beim Betrieb von Kleinwasserkraftanlagen. Zusätzlich begleitet das Projekt den Aufbau eines gesetzlichen Rahmens zur Förderung privater Investitionen in erneuerbare Energien.

2014 hat EnDev Ruanda einen innovativen Finanzierungsmechanismus für Solarlampen und Inselnetze geschaffen. Der „Results Based Financing“-Ansatz schafft finanzielle Anreize für private Firmen, diese Technologien an ländliche Haushalte zu verkaufen, und versetzt sie in die Lage, die zusätzlichen Kosten einer Expansion in ländliche Gegenden zu finanzieren. Die Finanzierung wird auf Nachweis der erbrachten Resultate von der ruandischen Urwego Opportunity Bank an die Firmen ausgezahlt. Durch diesen Ansatz wird die Verbreitung von Solarlampen und Inselnetzen in ländlichen Gegenden ermöglicht, und nachhaltige Marktstrukturen werden aufgebaut.

Wirkungen
Die drei ersten privat betriebenen Kleinwasserkraftwerke in Ruanda sind an das nationale Stromnetz angeschlossen. Mit einer Kapazität von 500, 438 und 96 Kilowatt versorgen sie über 20.000 Menschen mit Elektrizität. Drei weitere Kraftwerke sind in der Entwicklungsphase.

Heute existiert infolge des PSP-Hydro-Projekts ein aktiver Privatsektor: Während 2006 keine privaten Unternehmen im ruandischen Kleinwasserkraftsektor aktiv waren, sind es heute über 20 Unternehmen. Einspeisetarife für Kleinwasserkraft und Regulierungen wie ökologische Standards und Lizenzierungsverfahren konnten durch Unterstützung des Projekts eingeführt werden.

Ruandische Banken, die vor Projektbeginn keine Erfahrung mit Projekten im Energiesektor hatten, haben erste Kredite an Entwickler von Kleinwasserkraftanlagen vergeben. Auch internationale Investoren engagieren sich bei Unternehmen, die vom Vorhaben unterstützt werden.

Das Ministerium für Infrastruktur hat die Privatsektorförderung in seine Strategie zum Ausbau der Stromversorgung integriert und plant, alle öffentlich finanzierten Kleinwasserkraftwerke zu privatisieren.

Der Results-Based-Financing-Fonds für Solarlampen und Inselnetze wurde Mitte 2014 gestartet. Privatfirmen haben die ersten Verträge mit der ruandischen Partnerbank abgeschlossen.

Ruanda. Visit of Prime Minister Pierre Habumuremyi © GIZ

Kontakt

Miriam Schröder
miriam.schroeder@giz.de