Bessere Energieversorgung auf dem Land

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Energising Development (EnDev) Ruanda
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ); Generaldirektion für internationale Zusammenarbeit des niederländischen Außenministeriums (DGIS); Norwegisches Außenministerium (MFA); Britisches Ministerium für internationale Entwicklung (DFID); Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) und schwedische Agentur für internationale Entwicklungszusammenarbeit (SIDA)
Land: Ruanda
Politischer Träger: Rwanda Energy Group (REG); Energy Development Cor-poration Ltd. (EDCL)
Gesamtlaufzeit: 2009 bis 2019

Solarlampen versorgen die Menschen zuverlässig mit Licht, ohne die Gesundheit zu gefährden. Foto: GIZ / Razvan Dumitru Sandru

Ausgangssituation
Lediglich 25 Prozent der Bevölkerung Ruandas haben Zugang zu Elektrizität, in ländlichen Gebieten sogar weniger als drei Prozent. Während des Genozids von 1994 wurde der Großteil der Infrastruktur für Energieerzeugung und -versorgung zerstört. Von der mangelnden Ener-gieversorgung sind besonders die Wirtschaftsbereiche mit den besten Wachstumsaussichten, wie Agrarindustrie, Tourismus und IT, betroffen. Haushalte ohne Anschluss an das Stromnetz nutzen gesundheitsschädigende und teure Lichtquellen wie Kerzen, Kerosin und batteriebetriebene Lampen.

Die Regierung arbeitet daran, die Energieinfrastruktur wiederaufzubauen und dabei Wasserkraft, Methangas, Torf, Solarenergie und geothermische Energiequellen zu nutzen. Weiterhin ist vorgesehen, dass ländliche Haushalte durch dezentrale Technologien wie Solarlampen und Inselnetze Zugang zu Strom erhalten. Das Land möchte dazu auch die Privatwirtschaft einbeziehen.

Ziel
109.340 Personen sind an die lokale Stromversorgung angeschlossen. Kleine und mittlere Unternehmen sind in der Lage, Kleinwasserkraftanlagen zu installieren und nachhaltig zu betreiben. 1,7 Millionen Menschen haben durch den Verkauf von 328.000 Solarlampen Zugang zu Strom. 18.750 Menschen in netzfernen Dörfern erhalten Strom aus Inselnetzen.

Vorgehensweise
Energising Development (EnDev) ist ein globales Programm, das in 26 Ländern tätig ist. Die Initiative wird von der GIZ durchgeführt und gemeinsam von den Niederlanden, Deutschland, Großbritannien, Norwegen, der Schweiz und Schweden finanziert. EnDev Ruanda führt zwei Projekte zur Verbesserung des Zugangs der ländlichen Bevölkerung zu nachhaltigen Energien durch.

Einmal handelt es sich um das seit 2006 laufende PSP-Hydro-Projekt. Hier beteiligen sich private Unternehmen an Kleinwasserkraftwerken für die ländliche Entwicklung, um für kleine und mittlere Unternehmen den Zugang zu Strom sicherzustellen. Durch Beratung, Fortbildung und begrenzte Finanzierungen unterstützt das Projekt private Firmen beim Bau und beim Betrieb von Kleinwasserkraftanlagen. Zusätzlich begleitet das Projekt den Aufbau eines gesetzlichen Rahmens zur Förderung privater Investitionen in erneuerbare Energien.

2014 hat EnDev Ruanda einen innovativen Finanzierungsmechanismus für Solarsysteme und Inselnetze geschaffen. Der „Results-Based Financing“-Ansatz schafft finanzielle Anreize für private Firmen, diese Technologien an ländliche Haushalte zu verkaufen und ermöglichte es ihnen, die zusätzlichen Kosten einer Expansion in ländliche Gegenden zu finanzieren. Die Finanzierung wird auf Nachweis der erbrachten Resultate von der ruandischen Urwego Bank an die Firmen ausgezahlt. Durch diesen Ansatz wird die Verbreitung von Solarsystemen und Inselnetzen in ländlichen Gegenden ermöglicht und es entstehen nachhaltige Marktstrukturen.

Wirkungen
Die drei ersten privat betriebenen Kleinwasserkraftwerke in Ruanda sind an das nationale Stromnetz angeschlossen. Mit einer Kapazität von 500, 438 und 96 Kilowatt versorgen sie über 20.000 Menschen mit Elektrizität. Vier weitere Kraftwerke sind in der Entwicklungsphase. Privat betriebene Kleinwasserkraftwerke weisen eine höhere Effizienz und Auslastung auf, im Vergleich zu den staatlich Betrieben.

Heute existiert infolge des PSP-Hydro-Projekts ein aktiver Privatsektor: Während 2006 keine privaten Unternehmen im ruandischen Kleinwasserkraftsektor aktiv waren, sind es heute über 30 – sowohl ruandische als auch internationale Unternehmen. Einspeisetarife für Kleinwasserkraft und Regulierungen wie ökologische Standards und Lizensierungsverfahren konnten durch Unterstützung des Projekts eingeführt werden. Ruandische Banken, die vor Projektbeginn keine Erfahrung mit Projekten im Energiesektor hatten, haben erste Kredite an Entwickler von Kleinwasserkraftanlagen vergeben. Auch internationale Investoren engagieren sich bei Unternehmen, die vom Vorhaben unterstützt werden.

Das Ministerium für Infrastruktur hat die Privatsektorförderung in seine Strategie zum Ausbau der Stromversorgung integriert und hat 2015 fünf öffentlich finanzierte Kleinwasserkraftwerke privatisiert. Weitere Kraftwerke sollen folgen.

Der Results-Based-Financing-Fonds für Solarsysteme und Inselnetze wurde Mitte 2014 gestartet. Aktuell nehmen 14 Solarfirmen am Programm teil und zwei Projekte mit Inselnetzen in 23 Dörfern konnten unterstützt werden. Insgesamt haben durch den Fonds bereits rund 24.000 Menschen Zugang zu erneuerbarer Energie erhalten.

Das von der Weltbank geleitete “Scaling Up Renewable Energy Programme” baut auf der Arbeit von EnDev auf und unterstützt die ruandische Entwicklungsbank bei der Vergabe von Krediten an Unternehmen im Bereich des netzfernen Stromzugangs. Die zur Verfügung gestellten 50 Millionen US Dollar dienen dazu, den Zugang zu Finanzierung für diese Unternehmen zu verbessern. Somit erhalten Firmen sowohl Kredite durch das Programm der Weltbank als auch Zuschüsse über EnDev, um eine möglichst schnelle Entwicklung der Stromanschlussrate zu erzielen. Die zwei Programme sind eng aufeinander abgestimmt und EnDev kann die bereits vor Ort gemachte Erfahrung bei dem Programm der Weltbank und der ruandischen Entwicklungsbank einbringen.

Solarpanel versorgen auch entlegene Häuser mit Strom. Foto: GIZ / Razvan Dumitru Sandru

Kontakt

Simon Rolland
simon.rolland@giz.de