Makroökonomische Beratung zur Armutsbekämpfung

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Wirtschafts- und Investitionspolitik
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Ruanda
Politischer Träger: Ministerium für Finanzen und Wirtschaftsplanung
Gesamtlaufzeit: 2018 bis 2021

Ausgangssituation

Fast zwei Fünftel der Ruander leben unterhalb der nationalen Armutsgrenze von 0,7 US-Dollar pro Tag, was die Armutsbekämpfung zu einem vorrangigen Ziel macht. In ihrer Nationalen Transformationsstrategie (NST 1), der VISION 2020 und deren Nachfolgestrategie, der VISION 2050, legt die ruandische Regierung ihre langfristigen Entwicklungsziele dar: Beseitigung der Armut und Entwicklung zu einem Land mit mittlerem Einkommen im oberen Bereich bis 2035 und einem Land mit hohem Einkommen bis 2050. Zur Erreichung dieser langfristigen Ziele will die Regierung durch hohe Sparraten und Investitionen einen Strukturwandel hin zu einer wissensbasierten Volkswirtschaft schaffen. Dabei ist eine solide makroökonomische und finanzpolitische Ausrichtung die Voraussetzung für inklusives Wachstum. Gleichzeitig trägt die Planung und Steuerung von sinnvollen öffentlichen und öffentlich-privaten Investitionen entscheidend zum Aufbau einer Infrastruktur bei, die hohe Produktivitätssteigerungen und einen wirtschaftlichen Strukturwandel ermöglicht.

Ziel

In Ruanda sind die Kapazitäten der wichtigsten Akteure in Regierung und Wissenschaft im Hinblick auf die Formulierung einer auf inklusives Wachstum ausgerichteten Wirtschafts- und Investitionspolitik verbessert.

Vorgehensweise

Der Schwerpunkt der makroökonomischen Analyse (Handlungsbereich 1) liegt auf der Stärkung der Kapazitäten zur Entwicklung und Nutzung von Instrumenten für makroökonomische Prognosen und Politikfolgenabschätzungen. Gleichzeitig werden empirische Studien gefördert, deren Ergebnisse in die politischen Entscheidungsprozesse des Ministeriums für Finanzen und Wirtschaftsplanung (MINECOFIN) einfließen. Die neue Programmphase baut auf dem in der ersten Phase entwickelten integrierten makroökonomischen Rahmenmodell und der zugehörigen Datenbank auf, die inzwischen von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Chief Economist Department (CED) und der Zentralbank von Ruanda (NBR) genutzt werden. Das Ziel des Programms besteht darin, das makroökonomische Instrumentarium zu verbessern. Zu diesem Zweck soll das makroökonomische Rahmenmodell mit einer kurzfristigen Konjunkturanalyse (makroökonometrisches Modell), der Analyse der mittelfristigen Verteilung des Beschäftigungseinkommens (Social Accounting Matrix und Computable General Equilibrium Modell) sowie einem Modell zur Analyse der Wachstums-, Investitions-, Schulden- und Bevölkerungsdynamik (langfristiges Wachstumsmodell) verknüpft werden.

Bei der Investitionsplanung (Handlungsbereich 2) liegt der Fokus auf der Stärkung der Kapazitäten in Bezug auf die Planung und Überwachung von Investitionen durch das National Development Planning and Research (NDPR) Department und die Fachministerien sowie auf der gemeinsamen Bewertung von Investitionsvorschlägen gemäß der nationalen Investitionspolitik von 2017. Auf institutioneller Ebene werden die Prozesse zur Investitionsbewertung durch Leitlinien für Machbarkeitsstudien gestärkt, die die Verwendung transparenter finanzieller und sozioökonomischer Kriterien fordern. Mithilfe novellierter Monitoring- und Evaluierungsverfahren ist eine bessere Überwachung von Investitionsprojekten möglich, und die Planung, Umsetzung und Überwachung von Investitionsbudgets wird in das Haushaltsvollzugssystem von MINECOFIN integriert. Auf der Ebene der individuellen Kompetenzen unterstützt das Programm die Fort- und Weiterbildung der Mitarbeiter des NDPR und der Fachministerien in den Bereichen Investitionsbewertung, Finanzanalyse sowie Monitoring & Evaluierung. Dabei werden sowohl rein staatliche als auch öffentlich-private Investitionen berücksichtigt.

Auf dem Gebiet der Wirtschaftsforschung und -vernetzung (Handlungsbereich 3) konzentriert sich das Projekt auf ökonomische Studien und die Stärkung des öffentlichen Dialogs über Wirtschaftspolitik. Dabei stehen drei Aspekte im Vordergrund: Erstens unterstützt und kooperiert das Projekt mit dem ruandischen Economic Policy Research Network (EPRN), das auf eine Stärkung der Wirtschaftsforschung abzielt und zu diesem Zweck den Kontakt zwischen Institutionen und einzelnen Wissenschaftlern fördert. Zweitens unterstützt das Projekt die Universität Ruanda (UR) beim Aufbau eines Masterstudiengangs in „Applied Quantitative Economics“, für den 2019/20 die ersten Studierenden immatrikuliert werden und der zu gegebener Zeit zu einem Promotionsprogramm basierend auf einem Partnerschaftsvertrag mit europäischen Universitäten und Forschungseinrichtungen führen soll. Als Zwischenschritt hat das Programm ein achtmonatiges Überbrückungsprogramm auf Master of Science-Niveau in „Applied Quantitative Economics for PhD“ (AQEPD) zur Vorbereitung auf renommierte Promotionsprogramme an anderen Hochschulen aufgelegt. Und drittens unterstützt das Projekt das ruandische Institute of Policy Analysis and Research (IPAR) dabei, sich als führender Anbieter von ökonomischen Studien in Ruanda zu etablieren.

Wirkungen

Im Handlungsbereich 1 (makroökonomische Analyse) funktioniert das integrierte makroökonomische Rahmenmodell bereits gut. Es wird von etwa zwölf Mitarbeitern von CED und NBR genutzt, und zwar insbesondere für Prognosen, die Bewertung von Politikszenarien und die Budgetaufstellung. Das MINECOFIN Young Economist-Programm führt jedes Jahr für etwa 15 Absolventinnen und Absolventen wirtschaftswissenschaftlicher Studiengänge vertiefende Kurse zu wirtschaftswissenschaftlichen Themen sowie berufspraktische Übungen durch, um sie auf die Arbeit im MINECOFIN oder anderen staatlichen Institutionen vorzubereiten.

In der Investitionsplanung wird die nationale Investitionspolitik umgesetzt. Dabei haben sich die Transparenz der Investitionsentscheidungen und die Effizienz der öffentlichen Investitionen verbessert. Die neu entwickelte Projektdatenbank steht zur Nutzung bereit; in der Datenbank werden alle laufenden, genehmigten und neu vorgeschlagenen Projekte erfasst.

Im Bereich der Wirtschaftsforschung und -vernetzung organisiert das EPRN jedes Jahr eine wissenschaftliche Konferenz, zehn öffentliche Vorträge/Politikdialoge und acht forschungsorientierte Fortbildungen. Darüber hinaus wurden von einem Konsortium aus deutschen Universitäten und der Universität Ruanda in den Jahren 2016/17 und 2018/19 zwei AQEPD-Überbrückungsprogramme auf Master-Niveau durchgeführt.

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