Mehr Arbeit und Einkommen im Norden Afghanistans

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung und Beschäftigungsförderung Afghanistan (SEDEP)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Afghanistan
Politischer Träger: Ministry of Commerce and Industry (MoCI)
Gesamtlaufzeit: 2014 bis 2017

Ausgangssituation

Mit dem Ende des Einsatzes der International Security Assistance Force (ISAF) und dem Beginn der voraussichtlich bis 2024 andauernden Transformationsperiode befindet sich Afghanistan in einer entscheidenden Phase seiner politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung.

Rund die Hälfte der afghanischen Bevölkerung ist unterbeschäftigt oder arbeitslos; betroffen sind vor allem Frauen. Jährlich etwa eine halbe Million neu auf den Arbeitsmarkt drängende junge Frauen und Männer kann die Wirtschaft nicht absorbieren. Angesichts der Sicherheitslage und der ungewissen politischen Entwicklung nach dem Abzug der internationalen Truppen ist die Investitionsbereitschaft der Unternehmen gering. Zudem ist die Landwirtschaft, die gegenwärtig noch rund 60 Prozent der Arbeitsplätze stellt, durch einen hohen Grad an Subsistenzwirtschaft und niedriger Produktivität geprägt. Produktionsüberschüsse werden meist als Rohprodukte ins Ausland geliefert. Mangelnde Qualität, aber auch hohe Produktionskosten, verhindern die Herstellung verarbeiteter, regional wettbewerbsfähiger Produkte, die Importe substituieren oder den Exportmarkt bedienen könnten.

Vorhandene Potenziale zur Erhöhung der inländischen Wertschöpfung sind nicht bekannt und können von den landwirtschaftlichen Akteuren deshalb nicht genutzt werden. Auch die Kooperation entlang der Wertschöpfungsketten ist schwach ausgeprägt, was ein reibungsloses Zusammenwirken von Produktion, Beschaffung, Vermarktung und Interessenvertretung hemmt. Infolgedessen kann die Privatwirtschaft, einschließlich der bäuerlichen Betriebe, im Norden Afghanistans keine ausreichendenden Einkommens- und Beschäftigungsmöglichkeiten für die Bevölkerung generieren.

Ziel

Dauerhaft produktive Beschäftigung und Einkommensmöglichkeiten für wirtschaftlich aktive Männer und Frauen in den sechs Nordprovinzen Badakshan, Baghlan, Balkh, Kunduz, Samangan und Takhar sind geschaffen. Die ökonomische Teilhabe der verschiedenen Ethnien ist ein zentrales, stabilisierendes Element des Friedensprozesses.

Vorgehensweise

Das Programm verfolgt einen Wertschöpfungskettenansatz für Geflügel, Milch, Weizen und Gemüse sowie für in Afghanistan in großer Menge produzierte Walnüsse, Mandeln und Pistazien. Das Vorhaben verbessert die technischen, organisatorischen und betriebswirtschaftlichen Kompetenzen der Mitarbeiter und Verantwortlichen in den Betrieben entlang der Wertschöpfungsketten und vernetzt die Akteure miteinander. Öffentliche und private Dienstleister sowie Interessenvertreter werden geschult, damit sie ihre Dienstleistungen zukünftig nachfragorientiert anbieten können. Die überwiegend kleinen Unternehmen profitieren von verbesserten Kenntnissen in Betriebsführung und durch die Unterstützung bei der Umsetzung von Betriebsentwicklungsplänen sowie von Investitionshilfen. Darüber hinaus setzt das Projektteam mit seinen Partnern ländliche Kleinstinfrastruktur wie Bewässerungs- und Lagerhaltungssysteme instand oder baut sie auf. Wo notwendig erwerben Bevölkerung und kommunale Verantwortliche die Fähigkeit, Anlagen selbstständig zu betreiben.

Ein intensiver Dialog zwischen öffentlichen und privatwirtschaftlichen Verantwortlichen reduziert die Hemmnisse für die Entwicklung der einzelnen Wertschöpfungsketten. Der vom Projekt geförderte enge Austausch erhöht die Sichtbarkeit und Legitimität des afghanischen Staates und das gegenseitige Vertrauen der Wertschöpfungskettenakteure. Die Belange von Frauen werden bei allen Aktivitäten besonders berücksichtigt.

Die Consultingfirma GFA unterstützt die Umsetzung des Vorhabens.

Wirkungen

Zwischen 2015 und 2016 profitierten fast 19.000 Unternehmen und bäuerliche Kleinbetriebe von Trainingsmaßnahmen des Projekts. Nach Auskunft der Teilnehmenden wuchs ihr Einkommen um rund ein Drittel. Aus den Ergebnissen der Befragungen lässt sich darüber hinaus errechnen, dass im gleichen Zeitraum fast 13.000 neue Arbeitsplätze entstanden sind, davon etwa 7.000 dauerhafte und rund 6.000 saisonale Stellen. Frauen profitieren mit mehr als 20 Prozent vom Stellenzuwachs – ein großer Erfolg in einer kulturellen Umgebung, in der es für Frauen wieder schwieriger wird, Arbeitsstellen zu finden und anzunehmen. Fast dir Hälfte der Befragten gab an, dass das in den Trainings erlernte Wissen zur Einkommenssteigerung beigetragen hat.

Beispielhaft für die Arbeit des Programms ist die Unterstützung der Pakiza Molkerei in Mazar-e Scharif. SEDEP half bei der Entwicklung eines Geschäftsplans und der Ausbildung der Mitarbeiter. Milchliefergruppen wurden organisiert und Landwirte darin geschult, die Milchleistung der Kühe zu steigern und ihre Gesundheit zu verbessern. Das Projekt führte Hygienetrainings für Milchsammler durch, entwickelte mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern von Workshops innovative Produkte und Vertriebsideen. Allein in der Pakiza Molkerei entstanden so 20 neue Arbeitsplätze.

Seit Programmbeginn wurden mit Unterstützung von SEDEP 44 infrastrukturelle Kleinstprojekte fertiggestellt, darunter Bewässerungsanalagen, solarbetriebene Brutanlagen für die Geflügelproduktion, Milchsammelstellen, Lager für die Produkte aus den Wertschöpfungsketten und Gewächshäuser. Alle Baumaßnahmen verbessern die Produktions- und Vertriebsbedingungen entlang der Wertschöpfungsketten. Rund 34.000 Menschen in den sechs Nordprovinzen profitieren direkt von diesen Kleinbaumaßnahmen.

Ein entscheidender Erfolg der vom Programm geförderten Dialogformate zwischen Administration und Privatwirtschaft, ist die, von der Regierung 2017 bestimmte, lokale Beschaffung von Geflügelprodukten für die afghanische Armee. Die Streitkräfte beschäftigen mehr als eine halbe Million Menschen. Sie müssen nun mit mindesten 23 Prozent lokal produzierten Produkten verpflegt werden, was Arbeitsplätze und Einkommen in der Geflügelzucht fördert.