Mehr Arbeit und Einkommen im Norden Afghanistans

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung und Beschäftigungsförderung Afghanistan (SEDEP)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Afghanistan
Politischer Träger: Ministry of Commerce and Industry (MoCI)
Gesamtlaufzeit: 2014 bis 2018

Ausgangssituation

Rund die Hälfte der afghanischen Bevölkerung ist unterbeschäftigt oder arbeitslos; betroffen sind vor allem Frauen. Jährlich drängen etwa eine halbe Million junge Frauen und Männer neu auf den Arbeitsmarkt. Angesichts der Sicherheitslage und der ungewissen politischen Entwicklung nach dem Abzug der internationalen Truppen ist die Investitionsbereitschaft der Unternehmen gering – die jungen Menschen finden keine Jobs.

Etwa 80 Prozent der Bevölkerung ist in der Landwirtschaft, der Verarbeitung und dem Handel mit landwirtschaftlichen Produkten tätig. Die Landwirtschaft ist durch einen hohen Grad an Subsistenzwirtschaft und niedriger Produktivität geprägt. Produktionsüberschüsse werden meist als Rohprodukte ins Ausland geliefert. Mangelnde Qualität, aber auch hohe Produktionskosten, verhindern die Herstellung verarbeiteter, regional wettbewerbsfähiger Produkte, die Importe ersetzen oder den Exportmarkt bedienen könnten.

Den landwirtschaftlichen Akteuren in Afghanistan fehlt das Wissen, wie sie ihre Wertschöpfung erhöhen können. Entlang der Wertschöpfungsketten wird wenig zusammengearbeitet: Produktion, Beschaffung, Vermarktung und Interessenvertretung wirken wenig zusammen. In der Privatwirtschaft und in bäuerlichen Betrieben gibt es darum nicht genügend Arbeitsplätze.

Ziel

Für wirtschaftlich aktive Männer und Frauen in den sechs Nordprovinzen Badakshan, Baghlan, Balkh, Kunduz, Samangan und Takhar gibt es dauerhaft produktive Beschäftigung und Einkommensmöglichkeiten.

Vorgehensweise

Das Programm verbessert die Wertschöpfungsketten für Geflügel, Milch, Weizen und Gemüse sowie für Walnüsse, Mandeln und Pistazien. Technische, organisatorische und betriebswirtschaftliche Fähigkeiten von Mitarbeitern und Verantwortlichen werden ausgebaut und die Akteure miteinander vernetzt. Dienstleister und Interessenvertretungen werden geschult, damit sie ihre Dienstleistungen zukünftig nachfragorientiert anbieten können.

Ein enger Austausch zwischen öffentlichen und privatwirtschaftlichen Verantwortlichen entlang der Wertschöpfungskette erhöht die Sichtbarkeit und Legitimität des afghanischen Staates und das gegenseitige Vertrauen der Akteure. Die Belange von Frauen werden bei allen Aktivitäten besonders berücksichtigt.

Mit seinen Partnern setzt das Projekt die ländliche Kleinstinfrastruktur wie Bewässerungs- und Lagerhaltungssysteme instand oder baut sie auf. Wo notwendig erwerben Bevölkerung und kommunale Verantwortliche die Fähigkeit, Anlagen selbstständig zu betreiben.

Seit 2017 setzt das Vorhaben das Programm „Perspektive Heimat“ in Afghanistan um. Während des Bürgerkrieges Anfang der 1990er Jahre mussten Millionen von Afghanen das Land verlassen und sind hauptsächlich nach Pakistan und Iran geflohen.

Indem Menschen in Qualifizierungs- und Beschäftigungsprogramme vor Ort integriert werden, verbessert das Programm die Startchancen für Rückkehrer, Flüchtlinge, Binnenflüchtlinge und die benachteiligte, lokal ansässige Bevölkerung. Dafür arbeitet das Projekt – insbesondere in ländlichen Gebieten – mit einheimischen und internationalen Nichtregierungsorganisationen zusammen.

Partner des Vorhabens sind die GFA Consulting Group, Caritas International und Hand in Hand International.

Wirkungen

Zwischen 2015 und 2017 haben rund 19.000 Unternehmen und bäuerliche Kleinbetriebe von Trainingsmaßnahmen profitiert. Die Befragten geben eine Steigerung ihres Einkommens um rund ein Drittel an – für die Hälfte hat das erlernte Wissen zur Steigerung beigetragen. Im gleichen Zeitraum sind fast 13.000 neue Arbeitsplätze entstanden, davon etwa 7.000 dauerhafte und rund 6.000 saisonale Stellen. Frauen profitieren mit mehr als 20 Prozent vom Stellenzuwachs – ein großer Erfolg in einer kulturellen Umgebung, in der Frauen wieder schwieriger Arbeitsstellen finden und annehmen.

Beispielhaft für die Arbeit des Programms ist die Unterstützung der Pakiza Molkerei in Mazar-e Scharif. SEDEP half bei der Entwicklung eines Geschäftsplans und der Ausbildung der Mitarbeiter. Milchliefergruppen wurden organisiert und Landwirte darin geschult, die Milchleistung der Kühe zu steigern und ihre Gesundheit zu verbessern. Das Projekt führte Hygienetrainings für Milchsammler durch, entwickelte mit Workshop-Teilnehmenden innovative Produkte und Vertriebsideen. Allein in der Pakiza Molkerei entstanden so 20 neue Arbeitsplätze.

Seit Programmbeginn wurden mit Unterstützung von SEDEP 44 infrastrukturelle Kleinstprojekte fertiggestellt, die die Produktions- und Vertriebsbedingungen entlang der Wertschöpfungsketten verbessern. Rund 34.000 Menschen profitieren direkt von diesen Kleinbaumaßnahmen.

Ein entscheidender Erfolg der Dialogformate zwischen Administration und Privatwirtschaft ist die, lokale Beschaffung von Geflügelprodukten für die afghanische Armee. Die Streitkräfte verpflegen mehr als eine halbe Million Menschen mit mindestens 23 Prozent lokal produzierten Produkten.