Mehr Arbeit und Einkommen im Norden Afghanistans

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung und Beschäftigungsförderung Afghanistan (SEDEP)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Afghanistan
Politischer Träger: Ministry of Commerce and Industry (MoCI)
Gesamtlaufzeit: 2014 bis 2020

Ausgangssituation

Rund 40 Prozent der afghanischen Bevölkerung sind unterbeschäftigt oder arbeitslos; betroffen sind vor allem Frauen. Jährlich drängen etwa eine halbe Million junge Frauen und Männer neu auf den Arbeitsmarkt. Angesichts der Sicherheitslage und der ungewissen politischen Entwicklung nach dem Abzug der internationalen Truppen ist die Investitionsbereitschaft der Unternehmen gering – die jungen Menschen finden keine Jobs.

Etwa 80 Prozent der Bevölkerung sind in der Landwirtschaft, der Verarbeitung und dem Handel mit landwirtschaftlichen Produkten tätig. Die Landwirtschaft dient vorwiegend der Selbstversorgung, die Produktivität ist niedrig. Produktionsüberschüsse werden meist als Rohprodukte ins Ausland geliefert. Mangelnde Qualität und hohe Produktionskosten verhindern die Herstellung verarbeiteter, regional wettbewerbsfähiger Produkte, die Importe ersetzen oder den Exportmarkt bedienen könnten.

Entlang der Wertschöpfungsketten wird wenig zusammengearbeitet: Produktion, Beschaffung, Vermarktung und Interessenvertretung wirken wenig zusammen. In der Privatwirtschaft und in bäuerlichen Betrieben gibt es darum nicht genügend Arbeitsplätze.

Ziel

Für wirtschaftlich aktive Männer und Frauen in den sechs Nordprovinzen Badakhshan, Baghlan, Balkh, Kundus, Samangan und Takhar gibt es dauerhaft produktive Beschäftigung und Einkommensmöglichkeiten.

Vorgehensweise

Das Programm verbessert die Wertschöpfungsketten für Geflügel, Milch, Weizen und Gemüse sowie für Walnüsse, Mandeln und Pistazien. Technische, organisatorische und betriebswirtschaftliche Fähigkeiten von Mitarbeiter*innen und Verantwortlichen werden ausgebaut und die Akteure miteinander vernetzt. Dienstleister*innen und Interessenvertretungen werden geschult, damit sie ihre Dienstleistungen zukünftig nachfrageorientiert anbieten können.

Ein enger Austausch zwischen öffentlichen und privatwirtschaftlichen Verantwortlichen entlang der Wertschöpfungskette erhöht die Sichtbarkeit und Legitimität des afghanischen Staates und stärkt das gegenseitige Vertrauen der Beteiligten. Die Belange von Frauen werden bei allen Aktivitäten besonders berücksichtigt.

Mit seinen Partnern setzt das Projekt Bewässerungs- und Lagerhaltungssysteme sowie andere ländliche Kleinstinfrastruktur instand oder baut sie auf. Wo notwendig, erwerben Bevölkerung und kommunale Verantwortliche die Fähigkeit, Anlagen selbstständig zu betreiben.

Seit 2017 setzt das Vorhaben das Programm „Perspektive Heimat“ in Afghanistan um. Indem Menschen in Qualifizierungs- und Beschäftigungsprogramme vor Ort integriert werden, verbessert das Programm die Startchancen für Rückkehrer*innen, Menschen auf der Flucht, Binnenvertriebene und die benachteiligte, lokal ansässige Bevölkerung. Dafür arbeitet das Projekt – vor allem in ländlichen Gebieten – mit einheimischen und internationalen Nichtregierungsorganisationen zusammen.

Partner des Vorhabens sind die GFA Consulting Group, Caritas International und Hand in Hand International.

Wirkungen

Seit Ende 2017 hat das Vorhaben durch Fortbildungs-, Beratungs- und Bedarfserhebungsmaßnahmen rund 9.700 Personen erreicht, davon waren etwa 37 Prozent Frauen. Weiterhin legte das Vorhaben Trainingsfelder an, auf denen die Teilnehmenden verbesserte Anbaumethoden, einen angepassten Pestizideinsatz und effizientere Erntemethoden kennenlernten. Auch in der Geflügelzucht und Milchindustrie ließen sich Qualitätsverbesserungen umsetzen, die vor allem die Haltungs- und Fütterungsbedingungen der Tiere sowie die Hygiene in den Ställen verbesserten. Zusätzlich wurden 1.514 Menschen in der Haltung von Legehennen ausgebildet. Um eine bessere landwirtschaftliche Produktion zu ermöglichen, unterstützte das Vorhaben Landwirt*innen bei der Einführung neuer Produktionstechniken in Tunnelsystemen und Gewächshäusern, die sichere und größere Ernteerträge versprechen.

Durch das Vorhaben konnten neue Dialogplattformen angeboten werden, auf denen Produzent*innen, Verarbeiter*innen und Händler*innen sich regelmäßig austauschen, um bestehende Handelshemmnisse zu minimieren und zukünftige Möglichkeiten und Perspektiven zu diskutieren. Im Zuge dieser Aktivitäten wurden auch zwei spezielle Veranstaltungen für Unternehmerinnen und Geschäftsfrauen eingeführt, auf denen sich die Teilnehmenden über Erfahrungen, Pläne und Möglichkeiten für Frauen in der afghanischen Wirtschaft austauschen.

Auch kleinere Infrastrukturmaßnahmen konnten durch das Vorhaben in den sechs Zielprovinzen gefördert werden. Hierbei handelt es sich etwa um den Bau von zwei Straßen, eines Wasserreservoirs und die Renovierung eines Wasserkanals. Mehr als 112.700 Menschen erhielten so Zugang zu zentralen Infrastrukturanlagen in den einzelnen Wertschöpfungsketten.

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