Grüne Moscheen

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Beschäftigungsförderung durch Energieeffizienz (EE) und erneuerbare Energien (RE) in Moscheen (Grüne Moscheen)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Marokko
Politischer Träger: Ministère de l’Energie, des Mines, de l’Eau et de l’Environnement (MEMEE)
Gesamtlaufzeit: 2015 bis 2019

Marokko, Grüne Moscheen. Moschee Moulay Yazid. (Foto Adnane Azizi) © GIZ

Ausgangssituation
Der Ausbau erneuerbarer Energien und die Verbreitung energieeffizienter Technologien zählen zu den obersten Prioritäten der marokkanischen Politik. Bislang werden Geschäfts- und Beschäftigungspotenziale in diesen Bereichen nicht voll ausgeschöpft. Viele Entscheidungsträger, potenzielle Kunden und die Bevölkerung kennen die Vorteile erneuerbarer Energien und die bestehenden Energiesparpotenziale nicht. Die Nachfrage nach entsprechenden Dienstleistungen ist daher bislang gering. Fachkräfte sind zudem vielfach nicht ausreichend qualifiziert.

Mit dem Programm zur Entwicklung „Grüner Moscheen“ will die marokkanische Regierung die Verbreitung energieeffizienter Technologien ankurbeln. Das Programm wurde 2014 vom Ministerium für Energie und dem Ministerium für religiöse Angelegenheiten, in Kooperation mit der staatlichen Energieinvestitionsgesellschaft und der marokkanischen Agentur für Energieeffizienz (AMEE), gestartet. Seit Anfang 2015 wird es von der GIZ, im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), unterstützt.

Ziel

Marokkanische Unternehmen profitieren von neuen Marktchancen. Zusätzliche Arbeitsplätze für Fachkräfte sind vorhanden. Die Bevölkerung ist für die Vorteile von Energieeffizienz und erneuerbaren Energien sensibilisiert. 

Marokko, Grüne Moscheen. Religiöse Akteure diskutieren über Argumente für Umweltschutz. (Foto Noëlie Vegas) © GIZ

Vorgehensweise
Das Vorhaben „Grüne Moscheen“ trägt mit einem dreiteiligen Ansatz nachhaltig zur marokkanischen Energiewende und zum Klimaschutz bei:

  1. Senken des Energieverbrauchs von Moscheen und anderen öffentlichen Gebäuden
    Im Rahmen von Energiesparverträgen übernehmen marokkanische Firmen die energetische Modernisierung von Gebäuden. Sie refinanzieren sich anschließend über die erzielten Energieeinsparungen, die der Gebäudemanager für eine vereinbarte Laufzeit an sie zahlt. Dadurch tragen die Unternehmen das finanzielle und technische Risiko des Projekts, schaffen sich aber gleichzeitig neue Marktchancen. Moscheen werden vor allem durch Photovoltaik- und Solarthermieanlagen sowie mit LED-Beleuchtung energetisch modernisiert.
  2. Sensibilisieren der Bevölkerung
    In Sensibilisierungsworkshops zum Thema Islam und Energieeffizienz werden Imame und Mourchidas, weibliche Religionsgelehrte, über Möglichkeiten zum Energiesparen und zum Einsatz erneuerbarer Energien informiert. Neben den Workshops hat das Vorhaben eine Sensibilisierungskampagne für die Bevölkerung entwickelt.
  3. Neue Beschäftigungschancen
    Für Firmen werden Marktmöglichkeiten und Wettbewerbsfähigkeit verbessert und so neue Arbeitsplätze geschaffen. Die Beschäftigungsfähigkeit von Arbeitssuchenden wird erhöht, um vorhandene und neue Stellen erfolgreich besetzen zu können. Vor allem im Rahmen von Audits öffentlicher Gebäude, der Wartung der installierten Anlagen und des Monitorings der Energieeinsparungen sollen neue Arbeitsplätze entstehen.

Das Vorhaben ist Teil der Sonderinitiative des BMZ zur Stabilisierung und Entwicklung in Nordafrika und Nahost. Mit den Projekten der Sonderinitiative trägt das Ministerium dazu bei, wirtschaftliche und soziale Perspektiven für die Menschen in der Region zu schaffen. In diesem Rahmen stehen für Vorhaben der Entwicklungszusammenarbeit in den Jahren 2014 bis 2021 bisher mehr als 300 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung. Im Fokus stehen dabei die Themenbereiche Jugend- und Beschäftigungsförderung, wirtschaftliche Stabilisierung, Demokratisierung sowie die Stabilisierung von Nachbarländern in Krisensituationen.

Wirkung
Die energetische Modernisierung der ersten 100 Moscheen wurde über eine öffentliche Ausschreibung an ein Firmenkonsortium vergeben, das für die Vertragslaufzeit von 5 Jahren 40 Prozent Energieeinsparungen garantiert. Die beiden größten Moscheen in Marrakesch, Moulay Yazid und Koutoubia, und eine Moschee im ländlichen Tadmamt wurden als Pilotprojekte mit LED-Beleuchtung, Photovoltaik und Solarthermie ausgestattet.

Fast 400 Imame, Mourchidas und Funktionäre des Religionsministeriums, darunter 94 Frauen, nahmen an den Sensibilisierungsworkshops des Vorhabens teil. Aus dem partizipativen Prozess entstand ein Leitfaden mit religiös abgeleiteten Argumenten für Energieeffizienz und die verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien. Er wird 2017 vom Religionsministerium an alle Imame und Mourchidas Marokkos verteilt.

Durch die intensive Beteiligung regionaler Akteure an einem Konsultationsprozesses konnten in vier Regionen Marokkos unterschiedliche Aktivitäten zur Beschäftigungsförderung durchgeführt werden. So wurden etwa Uniabsolventen und Mitarbeiter von Ingenieurbüros zur Durchführung von Energieaudits fortgebildet und anschließend bei der Jobsuche unterstützt. In einer Pilotmaßnahme in Marrakesch wurden 15 junge Arbeitssuchende darin geschult, Energiesparprojekte zu entwickeln und zu vermarkten. Bislang hat das Vorhaben 117 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen und die Beschäftigungsfähigkeit von über 250 Personen erhöht. 

Marokko, Grüne Moscheen. Moscheearbeiter. (Foto Oussama Benbila) © GIZ