Unterstützung der Friedensentwicklung

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Unterstützung der Friedensentwicklung in Kolumbien
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Kofinanziert von: Europäische Union (EU)
Land: Kolumbien
Politischer Träger: Kolumbianisches Präsidialamt für Internationale Zusammenarbeit (APC-Colombia)
Gesamtlaufzeit: 2015 bis 2021

1_workshop 5a con 5a

Ausgangssituation

Der kolumbianische Friedensprozess gilt als Vorbild dafür, dass auch langanhaltende Gewaltkonflikte durch Austausch und Verhandlungen gelöst werden können. 
Der Friedensvertrag mit den Revolutionären Streitkräften Kolumbiens (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia, FARC) bittet Deutschland darum, bei der Aufarbeitung der gewaltsamen Vergangenheit und der Anerkennung der Rechte der Opfer mitzuwirken. Partner*innen vor Ort werden daher vor allem bei der Gestaltung von Dialogräumen und der Zusammenarbeit zwischen den staatlichen Institutionen und Zivilgesellschaft unterstützt. Mit dem Ziel, die Opfer besser zu betreuen und die Zivilgesellschaft miteinzubeziehen.

Der Friedensprozess in Kolumbien steht vor großen Herausforderungen: Die komplexe Umsetzung des Abkommens verläuft stetig aber langsam – vor allem weil ein belastbarer politischer Konsens fehlt. Die dafür neu geschaffenen Institutionen kämpfen um Anerkennung und ausreichende Mittel. Neue und alte bewaffnete Gruppen versuchen lukrative illegale Ökonomien (Kokaproduktion, Goldabbau) unter ihre Kontrolle zu bringen. In der Folge steigt die Gewalt gegen lokale Friedensaktivist*innen, Menschenrechtsverteidiger*innen und demobilisierte ehemalige Kämpfer*innen. 

Die Arbeit des Vorhabens leistet einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele 5 (Gleichstellung der Geschlechter) und 16 (Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen) der Agenda 2030 sowie zur Umsetzung der Resolution 1325/2000 zur Beteiligung von Frauen an Frieden, Sicherheit und Krisenbewältigung des UN-Sicherheitsrates. 

Ziele

Kolumbien setzt Friedenspolitiken – national, regional und lokal – partizipativ und effizient um.

2_familia Barí_

Vorgehensweise

Das Vorhaben ProPaz arbeitet in den Regionen Norte de Santander, Meta und Caquetá in insgesamt fünf Handlungsfeldern:

1. Regionale Friedensentwicklung.
Im Auftrag von ProPaz bietet das Beratungskonsortium Como-Berghof regionalen Regierungen und zivilgesellschaftlichen Organisationen thematische und Prozessberatung an. Sie unterstützen dabei, territoriale Friedensentwicklungsinitiativen zu formulieren und mitwirkend umzusetzen. Weiterhin assistieren sie bei gemeinsamen Prozessen zur Konflikttransformation und Gewaltprävention.

2. Strafrechtliche Aufarbeitung und historische Wahrheit.
Das Vorhaben unterstützt die durch das Friedensabkommen geschaffenen Institutionen Sondergerichtsbarkeit und Wahrheitskommission dabei, den bewaffneten Konflikt strafrechtlich und historisch aufzuarbeiten und die Opfer daran zu beteiligen.

3. Suche nach vermissten Personen.
Seit Ende 2017 fördert ProPaz die Arbeit der neu geschaffenen Behörde für vermisste Personen sowie weitere staatliche und zivilgesellschaftliche Beteiligte. Sie erhalten Unterstützung bei der Suche, Identifizierung und – im Falle des Todes – Überstellung der über 80.000 verschwundenen Personen in Kolumbien (Angaben gemäß des Nationalen Zentrums für Historische Wahrheit).

4. Opferentschädigung und Landrückgabe.
Das Vorhaben unterstützt die Koordination zwischen Staat und Opferorganisationen, mit dem Ziel den Entschädigungs- und Landrückgabeprozess effizienter umzusetzen.

5. Stärkung der Leistungsfähigkeit von Lokalverwaltungen und zivilgesellschaftlichen Organisationen zur lokalen und regionalen Friedensentwicklung.
Im Rahmen einer Kofinanzierung mit der Europäischen Union, setzt das Vorhaben entsprechende Maßnahmen um.

3_firma acuerdo de paz

Wirkung

  • 550.000 Opfer des bewaffneten Konfliktes profitieren von effizienteren Dienstleistungen des Staates – durch psychosoziale Unterstützung, gewissenhaftere Implementierung von Urteilen zur Rückgabe von gestohlenem Land, effizientere Umsetzung von lokalen Plänen zur Opferentschädigung.
  • 60.000 Personen haben Zugang zu 120 gemeinsam konstruierten Erinnerungsorten für die Opfer des bewaffneten Konfliktes.
  • Opfer sexualisierter Gewalt in den drei Projektregionen haben ihre Berichte bei der Sondergerichtsbarkeit eingereicht. Diese Berichte tragen zur Aufarbeitung von 15.000 Fällen sexueller Gewalt während des Konflikts bei.
  • 10.500 Jugendliche in Meta und Norte de Santander behandeln mit ihren Lehrer*innen im Unterricht Themen der Erinnerungsarbeit. 
  • 6.000 Personen nahmen an über 70 Beratungsprozessen teil, die die Teilhabe von Opfern und anderen Bevölkerungsgruppen an politischen Prozessen und Dialogräumen fördern.
  • Lokale zivilgesellschaftliche und institutionelle Beteiligte arbeiten in der Gewaltprävention, wovon bis zu 10.000 Personen in 5 Gemeinden Norte de Santanders profitieren. 
  • 400 Familien haben Informationen über die Suche und Dokumentation verschwundener Familienangehörige durch zivilgesellschaftliche und staatliche Organisationen erhalten. 

Andere Sprachversionen

Download

Videos