Wettbewerbsfähige Betriebe und Startchancen für mehr Arbeitsplätze und Einkommen

Projektkurzbeschreibung

Titel: Innovation, Beschäftigung und regionale Entwicklung
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Tunesien
Politischer Träger: Ministère de l’Industrie et des Petites et Moyennes Entreprises (MIPME) 
Gesamtlaufzeit: 2018 bis 2021

Die Verbesserung der Wertschöpfungskette für Datteln erhöht die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe. Foto: GIZ / Berno Buff

Ausgangssituation

Die tunesische Wirtschaft sieht sich nach wie vor mit großen Herausforderungen konfrontiert. Das Wirtschaftswachstum ist zu schwach, um die hohe Arbeitslosigkeit von über 15 Prozent langfristig zu reduzieren, die Wettbewerbsfähigkeit vieler Unternehmen ist gering. Um dem Land zurück zum Wachstum zu verhelfen sind moderne Managementkenntnisse, der Innovationstransfer und die Digitalisierung besonders zukunftsweisend. Das Projekt „Innovation, Beschäftigung und regionale Entwicklung“ knüpft an diese Möglichkeiten an.

Ziel

Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit von Unternehmen in ausgewählten Branchen ist verbessert.

Schulungen zu modernen Verarbeitungstechniken erhöhen die Produktqualität. Foto: GIZ

Vorgehensweise

Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH setzt auf zwei verschiedenen Ebenen an. Auf der Nachfrageseite werden über verschiedene Ansätze kleine und mittlere Unternehmen gefördert, um diese wettbewerbsfähiger zu machen und somit die Nachfrage nach Personal zu stärken. Auf der Angebotsseite zielt das Projekt darauf ab, die Beschäftigungsfähigkeit von Studierenden und Arbeitssuchenden qualitativ zu verbessern und besser auf die Bedürfnisse der Wirtschaft auszurichten. 

Für verbesserte Berufschancen junger Akademiker*innen werden zum Beispiel an Karrierezentren von Hochschulen berufliche Orientierungsangebote und wirtschaftsrelevante Weiterbildungen angeboten. Auf der Onlineplattform „Tunicod“ können Studierende und Arbeitssuchende zudem ihre IT-Kenntnisse erweitern und damit dem Fachkräftemangel in diesem Bereich begegnen.

Auf der Nachfrageseite liegt der Fokus auf der Förderung von kleinen und mittleren Unternehmen. In Zusammenarbeit mit Unternehmen, Branchenverbänden, privaten Unternehmensberatern und staatlichen Institutionen werden bedarfsorientierte und preislich abgestufte Beratungsdienstleistung in den Bereichen Personalmanagement, Marketing und digitale Transformation angeboten. Unternehmen können darüber hinaus über einen von der GIZ entwickelten Ansatz, den SME Loop, personalisierte Coachingmaßnahmen erhalten. 

Fachliche Schwerpunkte des Projekts sind Industrie 4.0 und die Digitalisierung. Dabei werden Unternehmen für die Vorteile digitaler Produktionsmethoden sensibilisiert und bei der Umsetzung beraten. Zudem wird der Technologietransfer zwischen Unternehmen und Forschungsinstitutionen durch Kooperationsvereinbarungen gefördert.

Das Projekt konzentriert sich ebenfalls auf Unternehmen in strukturschwachen Regionen, indem es die Wertschöpfungsketten von Datteln, Olivenöl, Marmor, Gips und Biotechnologie unterstützt, damit diese ihr Wachstumspotenzial besser in Wert setzen können.

Um die Wirtschaftsentwicklung der Region Sfax zu fördern, unterstützt das Projekt unter Einbindung der Erfahrungen Baden-Württembergs den Aufbau der Wirtschaftsförderagentur „Sfax International“. Die Agentur vereint Unternehmen, Verbände, Hochschulen und staatliche Einrichtungen. Das Ziel dabei ist es, die Wettbewerbsfähigkeit der Region zu steigern und Investitionen, insbesondere in innovativen Wirtschaftsbereichen, anzulocken.

Mit Unterstützung der Europäischen Union (EU) werden die im Ausland lebenden Tunesier*innen dafür gewonnen, sich für die wirtschaftliche Entwicklung ihres Herkunftslandes zu engagieren. Dies geschieht durch die Unterstützung von Unternehmensgründungen und Wissensaustausch.

Wirkungen

Bislang haben über 600 Unternehmen von den entwickelten Beratungs- und Unterstützungsdienstleistungen profitiert. Dies umfasst Unternehmen in den Nord-Ost-Regionen, im Zentrum und im Süden des Landes Einschließlich Betriebe für Datteln, Olivenöl, Marmor, Gips, Biotechnologie und der Industrie. Über die Hälfte der Unternehmen konnten somit neue Produkte einführen, ihre Rentabilität erhöhen und das Einkommen ihrer Mitarbeiter*innen verbessern. Durch die Stärkung der unternehmerischen Leistungsfähigkeit wurden bisher über 2.500 neue Stellen geschaffen. 

Mit der Gründung der regionalen Wirtschaftsförderungsgesellschaft „Sfax International“ konnten hochrangige Vertreter*innen der lokalen Wirtschafts- und Wissenschaftsverbände für die zukünftige Zusammenarbeit gewonnen werden. 

Im Bereich der Digitalisierung wurde ein Aktionsplan mit dem Industrieministerium zur Förderung von Industrie 4.0 erarbeitet. Über Veranstaltungen zum Thema "Informationstechnologie" (IKT) wurden bereits 200 Unternehmen für die Thematik sensibilisiert. Das Projekt hat bei der Entstehung von 54 Partnerschaften zwischen Unternehmen und Forschungsinstitutionen unterstützt, welche den Technologietransfer sicherstellen und Projekte zu Verbesserung von Produkten umfassen. 

Über die Plattform „Tunicod“ wurden 160 Studierende zu IT-Themen ausgebildet.

Um Studierende auf die Anforderungen des Arbeitsmarktes vorzubereiten und sie hierfür zu qualifizieren, wurden rund 20 Berater*innen an Hochschulen weitergebildet und mehr als 8.000 Studierende über Informations- und Qualifizierungsmaßnahmen erreicht.

Insgesamt 5.000 Unternehmer*innen, Studierende und Arbeitssuchende haben von individuellen Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen, Coachings und Sensibilisierungsmaßnahmen profitiert.

Für die Förderung von Projektideen der im Ausland lebenden Tunesier*innen wird ein Gründungszentrum dabei unterstützt, Beratungs- und Coaching Dienstleistungen für in Europa lebende Tunesier*innen anzubieten, die in ihrer Heimat investieren und Geschäftsideen umsetzen wollen. Bereits mehr als 800 Tunesier*innen in Europa wurden über Möglichkeiten eines Engagements in Tunesien informiert.

Andere Sprachversionen

Downloads