Wettbewerbsfähige Betriebe und Wertschöpfungsketten für mehr Arbeitsplätze und Einkommen

Projektkurzbeschreibung

Titel: Innovation, Beschäftigung und regionale Wirtschaftsentwicklung
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Tunesien
Politischer Träger: Ministère de l’Industrie
Gesamtlaufzeit: 2015 bis 2021

Die Verbesserung der Wertschöpfungskette für Datteln erhöht die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe. Foto: GIZ / Berno Buff

Ausgangssituation

Seit der Revolution im Jahr 2011 geht die wirtschaftliche Entwicklung in Tunesien zurück. Die Arbeitslosigkeit ist mit gut 15 Prozent hoch. In den strukturschwachen Regionen im Landesinneren beträgt sie teilweise über 30 Prozent. Nur rund ein Viertel aller Frauen im erwerbsfähigen Alter haben einen Job, etwa die Hälfte aller Akademikerinnen ist ebenfalls arbeitslos.

Die Wertschöpfung ist in vielen Branchen gering, Firmen im Landesinneren finden oft keinen Marktzugang. Den Verantwortlichen in Politik und Institutionen fehlen die Fähigkeiten und Strukturen für eine effektive regionale Wirtschaftsförderung und um wettbewerbsfähige Wertschöpfungsketten zu entwickeln. Unternehmen setzen kaum moderne Managementmethoden und digitale Technologien ein. Zudem beklagen sie, dass Hochschulabsolventen nicht die notwendigen Soft Skills und kein Verständnis von der Arbeitswelt mitbringen.

Vor allem junge Menschen sehen keine Perspektiven. Das führt zu Abwanderung und gesellschaftlicher Unruhe.

Ziel

Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit von Unternehmen in ausgewählten Sektoren ist verbessert.

Schulungen zu modernen Verarbeitungstechniken erhöhen die Produktqualität. Foto: GIZ

Vorgehensweise

Das Projektteam arbeitet mit Unternehmen im Landesinneren zusammen, um Wertschöpfungsketten unter anderem für Datteln, Olivenöl, Marmor und Gips auszuzubauen. Maßgeschneiderte Schulungen zu Marketing und modernen Verarbeitungstechniken erhöhen die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe und Branchentechnologiezentren. Anbieter von Unternehmensdienstleistungen im Bereich Personalmanagement und Marketing berät das Projekt, bedarfsorientierte, preislich abgestufte Dienstleistungen zu entwickeln und anzubieten. Künftig liegt außerdem ein Schwerpunkt darauf, Fort- und Weiterbildungsangebote für IT-Firmen und -Fachkräfte zu etablieren und die Kooperation zwischen tunesischen und ausländischen IT-Firmen zu intensivieren.

In Gründerzentren entstehen Coachingangebote für Start-ups, um Unternehmensgründungen erfolgreicher zu machen. Künftig sollen auch die im Ausland lebenden rund eine Million Tunesier dafür gewonnen werden, sich stärker in der wirtschaftlichen Entwicklung ihres Herkunftslandes zu engagieren – durch die Unterstützung von Unternehmensgründungen und Know-how-Transfer.

Mit der beruflichen Orientierung an Hochschulen werden junge Akademiker auf die Anforderungen der Privatwirtschaft vorbereitet. Künftig sollen Hochschulen und Forschungsinstitute mit Unterstützung des Projektes ebenfalls Dienstleistungen entwickeln und anbieten, die die jungen Menschen besser auf die berufliche Praxis vorbereiten. Den Betrieben sollen sie den Technologietransfer erleichtern.

Wirkungen

In den Nord-Ost-Regionen, im Zentrum und Süden des Landes sind etwa 400 Betriebe in die Weiterverarbeitung und Vermarktung von Datteln, Olivenöl, Marmor und Gips integriert. Ein erster Unternehmenszusammenschluss mit insgesamt fünf Betrieben zur gemeinsamen Vermarktung von Datteln und Dattelprodukten ist entstanden, die Produktqualität ist gestiegen und die Unternehmen haben sich neue Märkte erschlossen.

160 Unternehmen haben Beratungsdienstleistungen zu den Themen Personalmanagement, Marketing, Prozess- und Produktinnovationen erhalten. Das hat die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe erhöht und es sind 40 neue Stellen geschaffen worden.

Um die Studierende über Jobmöglichkeiten zu informieren und ihnen die dafür erforderlichen Soft Skills bewusst zu machen, werden rund 20 Berater für die berufliche Orientierung ausgebildet.

Über vom Projekt ausgebildete Beratungsdienstleister profitieren derzeit 154 Unternehmen, bis zum Ende des Projektes werden es mindestens 840 Unternehmen, davon 252 Frauen geführte sein. Sie erhöhen beispielsweise ihren Umsatz und die Rendite weiter, erschließen neue Märkte oder führen Innovationen ein. Davon profitieren die Mitarbeitenden durch höhere Einkommen und besseren Arbeitsbedingungen. Darüber hinaus ist es diesen Betrieben möglich, neue Arbeitsplätze zu schaffen.