Neu beginnen – Gemeindezentren erleichtern Flüchtlingen den Einstieg ins Gastland

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Stärkung der sozialen Kohäsion zwischen syrischen Flüchtlingen und türkischen Aufnahmegemeinden – Aus- und Aufbau von Gemeindezentren
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Türkei
Gesamtlaufzeit: Oktober 2015 bis Januar 2018

Türkei. Türkischunterricht erleichtert es den syrischen Flüchtlingen, sich in ihren Aufnahmegemeinden einzuleben. (Foto: Jan Bosch) © GIZ

Ausgangssituation

Der Konflikt in Syrien dauert bereits Jahre an und immer mehr Menschen flüchten vor dem Bürgerkrieg ins Ausland. Knapp drei Millionen Syrer leben inzwischen in der Türkei, vorwiegend in den Provinzen im Südosten. Über 90 Prozent von ihnen haben sich in Städten und ländlichen Regionen außerhalb von Flüchtlingslagern angesiedelt. Mehr als die Hälfte der Flüchtlinge sind Kinder und Jugendliche, viele der syrischen Familien sind extrem arm.

In den Aufnahmegemeinden leben Teile der türkischen Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze. Sie konkurrieren mit den syrischen Flüchtlingen beispielsweise um Jobs im Niedriglohnsektor. Die türkischen Behörden stehen vor der Herausforderung, öffentliche Dienstleistungen, Gesundheitsversorgung und Bildungsangebote für die Neuankömmlinge bereitzustellen.

In den südöstlichen Provinzen wurden in den vergangenen Jahren Gemeindezentren eröffnet. Die Mehrzweckzentren werden von internationalen Gebern finanziert und hauptsächlich von lokalen Nichtregierungsorganisationen betrieben. Syrische Flüchtlinge bekommen dort rechtliche Beratung, medizinische und psychosoziale Unterstützung sowie Bildungsangebote. Die Anlaufstellen reichen jedoch bei weitem nicht aus. Die Wartezeiten sind oft lang; nicht immer können die Mitarbeiter alle Hilfesuchenden innerhalb eines Tages versorgen. Die arme türkische Bevölkerung fühlt sich vernachlässigt, da sie von den Vereinten Nationen sowie von internationalen Gebern und Nichtregierungsorganisationen kaum Unterstützung erhält. Dadurch ist der soziale Zusammenhalt in den Aufnahmegemeinden gefährdet.

Ziel

Syrische Flüchtlinge und die Bevölkerung in den türkischen Aufnahmegemeinden nutzen ein erweitertes, bedarfsgerechtes Angebot der Gemeindezentren.

Vorgehensweise

Die GIZ unterstützt lokale Nichtregierungsorganisationen, die die Gemeindezentren betreiben, dabei, ihr Angebot zu erweitern. Kurse zur beruflichen Qualifizierung erleichtern den Flüchtlingen und der armen türkischen Bevölkerung die Arbeitssuche. Männer und Frauen lernen etwa, Mobiltelefone zu reparieren, und erwerben Fertigkeiten, um als Friseure oder Schneiderinnen zu arbeiten.

Türkischkurse für die syrischen Flüchtlinge ermöglichen die Verständigung mit der einheimischen Bevölkerung. Englischkurse steigern die Chancen für Syrer und Türken, einen Job zu finden.

Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter der Gemeindezentren bieten psychosoziale Unterstützung an, beraten in rechtlichen Fragen und überweisen Kranke an Kliniken und Ärzte. Hausbesuche der Mitarbeiter helfen dabei, mehr Familien auch außerhalb der Gemeindezentren zu erreichen. Besonders für alleinerziehende Mütter mit kleinen oder kranken Kindern ist es schwierig, ein Gemeindezentrum aufzusuchen; sie benötigen Unterstützung ganz besonders.

Gemeinsame Sport- und Kulturveranstaltungen für syrische und türkische Familien sorgen dafür, dass sich die einheimische Bevölkerung und die Flüchtlinge näherkommen. Die gegenseitige Akzeptanz wird so erhöht und den Flüchtlingen die Integration in die aufnehmende Gemeinde erleichtert.

Insgesamt unterstützt die GIZ zehn Gemeindezentren. Sie arbeitet dabei eng mit der Deutschen Welthungerhilfe zusammen, die ein eigenes Zentrum betreibt und drei der sechs anderen Zentren fördert. Die Gemeindezentren sind in sieben türkischen Provinzen angesiedelt, hauptsächlich im Südosten nahe der syrischen Grenze sowie in Istanbul und Ankara. Regelmäßige Treffen aller Träger der Gemeindezentren ermöglichen den Erfahrungsaustausch, um voneinander zu lernen, gut funktionierende Aktivitäten zu übernehmen und gemeinsam neue Ideen zu entwickeln.

Türkei. Kurse zur beruflichen Bildung eröffnen den Menschen neue Einkommensmöglichkeiten. (Foto: Jan Bosch) © GIZ

Wirkungen

Die zehn unterstützten Gemeindezentren sind vollständig in Betrieb. Das Angebot ist breit gefächert: Mehr als 9.400 syrische Flüchtlinge verbessern mit Türkischkursen und Jobtrainings ihre Integrationschancen. Sie kommen bei gemeinsamen Freizeitaktivitäten, wie Drachensteigen, Abendessen und Sportveranstaltungen, mit den türkischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern in näheren Kontakt. Zwischen Oktober 2015 und Oktober 2016 wurden mit verschiedenen Angeboten insgesamt mehr als 73.000 syrische und türkische Frauen, Männer und Kinder erreicht.