Wirtschaftliche Stabilisierung und Jugendbeschäftigung

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Initiative für wirtschaftliche Stabilisierung und Jugendbeschäftigung
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Tunesien
Politischer Träger: Ministère de l’Industrie et du Commerce
Gesamtlaufzeit: 2015 bis 2019

Ausgangssituation

Seit der Revolution 2011 durchlebt Tunesien einen tiefgreifenden sozialen und politischen Wandel. Der hohen Arbeitslosigkeit, besonders von Jugendlichen und Frauen sowie von jungen Akademikerinnen und Akademikern, konnte die Regierung bisher wenig entgegensetzen. Zudem gibt es große wirtschaftliche und soziale Ungleichgewichte zwischen den Regionen: Während in den vergangenen Jahrzehnten an der Küste exportorientierte Zuliefer- und Fertigungsindustrien entstanden, fehlt in den meisten Regionen im Landesinneren eine Wirtschaftsstruktur, die über die kleinbäuerliche, wenig produktive Landwirtschaft hinausgeht.

Insbesondere die unterprivilegierten Regionen im Landesinneren bergen weiterhin ein hohes Konfliktrisiko. Wirtschaftliche Entwicklung und sinkende Arbeitslosigkeit sind deshalb wichtige Voraussetzungen für eine demokratische Stabilisierung des Landes und stehen ganz oben auf der Agenda der tunesischen Regierung. Die Regionen leiden bisher unter schwach ausgeprägten Förderstrukturen für innovative Existenzgründungen, mangelndem Unternehmertum sowie einer kurzen Lebensdauer neuer Unternehmen. Sofern überhaupt Unternehmen gegründet werden, geschieht dies meist in Sektoren mit niedrigen Eintrittsbarrieren und geringer Wettbewerbsfähigkeit, etwa im Einzelhandel. In Branchen mit Wachstumspotenzial, wie der Informationstechnologie, werden hingegen kaum Unternehmen gegründet.

Ziel

Die Beschäftigungs- und Einkommenssituation, vor allem junger Frauen und Männer in benachteiligten Regionen, ist verbessert.

Vorgehensweise

Das Vorhaben unterstützt Gründerinnen und Gründer sowie junge Unternehmerinnen und Unternehmer in 14 Regionen im Landesinneren. Es umfasst drei Handlungsfelder.

  1. Förderung von Existenzgründungen im Landesinneren
    Besonders benachteiligte Bevölkerungsgruppen werden dabei unterstützt, Kleinstunternehmen zu gründen. So werden zum Beispiel Frauen im Nordwesten des Landes dabei beraten, ihre traditionelle Teppichweberei innovativer zu gestalten und auszubauen und somit das Familieneinkommen zu verbessern. Die Frauen können dies im Rahmen einer Kooperative tun, die Designer, E-Commerce-Spezialisten und Einkäufer zusammenbringt. Zudem werden in zukunftsorientierten Branchen mit hohem Wachstumspotenzial Existenzgründungen gefördert – zum Beispiel bei erneuerbaren Energien oder der Wiederverwertung von Rohstoffen. Hierzu werden Beratungsdienstleistungen für Existenzgründerinnen und -gründer unterstützt sowie Gründerwettbewerbe, über die innovative Geschäftsideen identifiziert und weiterentwickelt werden. Für die Wettbewerbe werden lokale und nationale Institutionen sowie Privatunternehmen als Sponsoren und Förderer gewonnen. Die lokalen Dienstleister werden darin unterstützt, neue, innovative Dienstleistungen für Gründerinnen und Gründer zu entwickeln und sie in den Regionen nachhaltig anzubieten.

  2. Aufbau von Beratungsangeboten für Unternehmen in der Nachgründungsphase
    Das Vorhaben entwickelt zusammen mit seinen Partnern ein systematisches Unterstützungsangebot für die Nachgründungsphase. Den jungen Unternehmerinnen und Unternehmern wird dabei geholfen, ihr Unternehmen in den kritischen ersten Jahren zu konsolidieren und Wachstumspotenziale auszuschöpfen. Um ein passgenaues Angebot zu entwickeln und umzusetzen, werden zunächst die Bedarfe der Unternehmen erhoben. Daraufhin werden passende Beratungsprodukte entwickelt, Berater ausgebildet und das Angebot über die Strukturen zur Gründungsberatung und Unternehmensförderung in den Regionen verbreitet. Um Voraussetzungen für Nachhaltigkeit zu schaffen, wird ein Finanzierungskonzept erarbeitet.

  3. Verbesserung der Dienstleistungen von Cyberparks für IKT-Existenzgründerinnen und -gründer
    Speziell auf Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) ausgerichtete Industrieparks, sogenannte Cyberparks, werden befähigt, nachfrageorientierte Dienstleistungen anzubieten. 3 Cyberparks werden dabei unterstützt, Strategiepläne zu erarbeiten und umzusetzen sowie ihre Managementkompetenzen zu verbessern. Jungen IKT-Existenzgründerinnen und -gründern wird kaufmännisches und branchenspezifisches Wissen vermittelt, um neue Produkte entwickeln zu können. In einem kostenlosen Massive Open Online Course (MOOC) werden junge Absolventinnen und Absolventen sowie Arbeitslose für Applikationsentwicklungen qualifiziert. Die innovativsten Applikationen der Teilnehmenden werden in einem abschließenden Wettbewerb prämiert. Zusätzlich werden die Entwicklerinnen und Entwickler dabei unterstützt, ihre Apps zu verbessern, um sie über internationale Verkaufsplattformen anbieten und so Einkommen generieren zu können.

Der politische Träger des Vorhabens ist das tunesische Industrie- und Handelsministerium. Weitere nationale Partner sind Innovations- und staatliche Geschäftszentren, Unternehmerverbände, Technologie- und Gründerzentren sowie Nichtregierungsorganisationen.
Das Vorhaben ist Teil der Sonderinitiative des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) zur Stabilisierung und Entwicklung in Nordafrika und Nahost. Mit den Projekten der Sonderinitiative trägt das Ministerium dazu bei, wirtschaftliche und soziale Perspektiven für die Menschen in der Region zu schaffen. In diesem Rahmen stehen für Vorhaben der GIZ und anderer Durchführungsorganisationen in den Jahren 2014 bis 2021 bisher mehr als 300 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung. Im Fokus stehen dabei die Themenbereiche Jugend- und Beschäftigungsförderung, wirtschaftliche Stabilisierung, Demokratisierung sowie die Stabilisierung von Nachbarländern in Krisensituationen.

Wirkungen

Durch die Organisation von Gründungswettbewerben sowie die Stärkung von Netzwerken und Kooperativen konnten bisher rund 130 Jugendliche und andere Unbeschäftigte und Unterbeschäftigte erreicht werden, die in ihrer Geschäftsentwicklung begleitet werden. Darüber hinaus hat das Vorhaben das Ministerium für Kommunikationstechnologien und digitale Wirtschaft dabei unterstützt, ein innovatives Fortbildungsangebot für die Entwicklung mobiler Applikationen zu entwickeln und umzusetzen. 1.340 junge Menschen aus dem ganzen Land haben den ersten Massen-Online-Kurs bei m-devTunisia beendet, 1.000 von ihnen haben ihre Produkte auf nationalen und internationalen Verkaufsplattformen eingestellt. Bis Anfang 2016 wurden erste Angebote für Trainings und zur Nachgründungsberatung bestehender Unternehmen entwickelt, die in zwei Pilotregionen umgesetzt werden.