Wirtschaftliche Stabilisierung und Jugendbeschäftigung

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Initiative für wirtschaftliche Stabilisierung und Jugendbeschäftigung (ISECO)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Tunesien
Politischer Träger: Ministère de l’Industrie et des PME
Gesamtlaufzeit: 2015 bis 2022

Ausgangssituation

Seit der Revolution 2011 durchlebt Tunesien einen tiefgreifenden sozialen und politischen Wandel. Bisher konnte die Regierung der nach wie vor hohen Arbeitslosigkeit wenig entgegensetzen, von der besonders Jugendliche, junge Akademiker*innen sowie Frauen betroffen sind. Zudem gibt es ein großes wirtschaftliches und soziales Ungleichgewicht zwischen den Regionen: Während in den vergangenen Jahrzehnten an der Küste exportorientierte Zuliefer- und Fertigungsindustrien entstanden, fehlt vielerorts im Landesinneren eine leistungsstarke Wirtschaftsstruktur. 

Insbesondere die ländlichen Regionen bergen deshalb ein hohes Konfliktrisiko. Wirtschaftliche Entwicklung und mehr Beschäftigungsangebote sind deshalb wichtige Voraussetzungen für eine politisch-demokratische Stabilisierung. Die Regionen leiden jedoch unter schwach ausgeprägten Förderstrukturen für innovative Existenzgründungen. Sofern überhaupt Unternehmensgründungen stattfinden, erfolgen diese meist in Sektoren mit geringer Wettbewerbsfähigkeit. Hingegen werden in Branchen mit Wachstumspotenzial kaum Unternehmen gegründet, zum Beispiel im Bereich Informationstechnologie.

Ziel

Die Beschäftigungs- und Einkommenssituation, vor allem junger Frauen und Männer in benachteiligten Regionen, ist verbessert.

Vorgehensweise

Das Projekt unterstützt Gründer*innen sowie junge Unternehmer*innen in 15 Gouvernoraten Tunesiens. Es umfasst drei Handlungsfelder.
1.    Förderung von Existenzgründungen im Landesinneren
Gründer*innen im Landesinneren erhalten individuelles Coaching, auch in Nischenbereichen, um ihre Geschäftspläne zu verbessern und damit eine Gründung zu ermöglichen, Finanzierungen zu vermitteln und ihr Einkommen zu erhöhen. Dabei legt das Projekt ein Hauptaugenmerk auf zukunftsorientierte Branchen mit Wachstumspotenzial – zum Beispiel in der Informationstechnologie, der Textilbranche oder der Wiederverwertung von Rohstoffen. Außerdem unterstützt es ausgewählte zivilgesellschaftliche, private und staatliche Organisationen darin, ihr Angebot zur Existenzgründungsförderung auszubauen. In acht Gouvernoraten werden zu diesem Zweck Kooperationsmechanismen unterstützt, die die lokalen Ökosysteme der Gründungsförderung repräsentieren. Ihre Angebote werden verbessert, ausgebaut und bedarfsorientiert angeboten.  

2.    Aufbau von Beratungsangeboten für Unternehmen in der Nachgründungsphase
Ein Beratungsangebot für die Nachgründungsphase wurde in zwei Pilotprojekten getestet und wird nun in acht Gouvernoraten ausgebaut. Künftig wird es jungen Unternehmer*innen helfen, ihre Firma in den kritischen ersten Jahren zu konsolidieren und Wachstumspotenziale auszuschöpfen. In den Regionen des Landesinneren bieten Unterstützungskomitees die geschaffenen Angebote der Neu- und Nachgründungsförderung an. Dafür haben sich staatliche, zivilgesellschaftliche und private Vertreter*innen mit Unterstützung des Projekts zusammengeschlossen. Auch Finanzakteur*innen gehören zu den Komitees, um Unternehmen einen Zugang zu finanziellen Mitteln und Wissen zu vereinfachen.

3.    Verbesserung der Dienstleistungen von Cyberparks für IKT-Existenzgründerinnen und -gründer
Speziell auf Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) ausgerichtete Industrieparks, sogenannte Cyberparks, werden befähigt, nachfrageorientierte Dienstleistungen anzubieten. Drei Cyberparks wurden dabei unterstützt, Strategiepläne zu erarbeiten und umzusetzen sowie ihre Managementkompetenzen zu verbessern. Jungen IKT-Existenzgründer*innen  wurde kaufmännisches und branchenspezifisches Wissen vermittelt, um neue Produkte entwickeln zu können. In einem kostenlosen Massive Open Online Course (MOOC) wurden junge Absolvent*innen sowie Arbeitslose für Applikationsentwicklungen qualifiziert. Die innovativsten Applikationen der Teilnehmenden wurden in einem abschließenden Wettbewerb prämiert. Zusätzlich wurden die Entwickler*innen dabei unterstützt, ihre Apps zu verbessern, um sie über internationale Verkaufsplattformen anbieten und so Einkommen generieren zu können.

Der politische Träger des Vorhabens ist das tunesische Industrie- und Handelsministerium. Weitere nationale Partner*innen sind Innovations- und staatliche Geschäftszentren, Unternehmerverbände, Technologie- und Gründerzentren sowie Nichtregierungsorganisationen.

Das Vorhaben ist Teil der Sonderinitiative des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) zur Stabilisierung und Entwicklung in Nordafrika und Nahost. Mit den Projekten der Sonderinitiative trägt das Ministerium dazu bei, wirtschaftliche und soziale Perspektiven für die Menschen in der Region zu schaffen. In diesem Rahmen stehen für Vorhaben der GIZ und anderer Durchführungsorganisationen in den Jahren 2014 bis 2021 bisher mehr als 300 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung. Im Fokus stehen dabei die Themenbereiche Jugend- und Beschäftigungsförderung, wirtschaftliche Stabilisierung, Demokratisierung sowie die Stabilisierung von Nachbarländern in Krisensituationen.

Wirkungen

Seit 2015 hat das Projekt mehr als 365 Gründer*innen sowie junge Unternehmer*innen in wirtschaftlich schwachen Regionen Tunesiens dabei unterstützt, ihre Firmen zu entwickeln sowie neue Jobs und Einkommen zu schaffen. 

Ein konkretes Beispiel: In sieben Regionen im Landesinneren fand in den Jahren 2015 und 2016 die neue Unternehmermesse „Startup Tunisia“ statt. Sie wurde von privaten und staatlichen Partner*innen getragen und vom Vorhaben unterstützt. Im Rahmen der Messe wurde ein Wettbewerb zu den besten Gründungskonzepten durchgeführt. Insgesamt nahmen 466 potenzielle Gründer*innen teil und reichten Unternehmenskonzepte online ein. Die Jury bewertete unter anderem Aspekte wie den Innovationsgrad, die Reife des Businessplanes, die Markteignung sowie das persönliche Engagement und die Motivation und wählte danach die besten Projektideen aus. Das Vorhaben analysierte die Konzepte und ermittelte notwendige Unterstützungsleistungen. Das Ergebnis: Mehr als 20 Personen haben bereits Ihre Geschäftsideen umgesetzt, weitere 82 innovative und vielversprechende Jungunternehmer*innen werden auf Ihrem Weg zur Unternehmensgründung begleitet, etwa bei der Produktion und Vermarktung von Lederwaren.

Unterstützt durch das Vorhaben haben bisher 1.520 Jugendliche, Unterbeschäftigte und Arbeitslose eine Beschäftigung aufgenommen und erzielen so ein regelmäßiges Einkommen, darunter 777 Frauen. Darüber hinaus nehmen 48 Unternehmer*innen an einer Nachgründungsberatung in den beiden Pilotregionen Sfax und Kairouan teil.

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