Albanien: Gjergj Luca, Fischereiunternehmer

Gjergj Luca, Fischereiunternehmer in Albanien

In Albanien waren bis vor wenigen Jahren undurchsichtige Lizenzierungsverfahren ein großes Hindernis für Investitionen und Wachstum. Um an eine Genehmigung zu kommen, mussten Unternehmen oft zeitraubende Behördengänge erledigen und Schmiergelder zahlen. Im Auftrag des Bundesentwicklungsministeriums unterstützte die GIZ den Aufbau eines Nationalen Lizenzierungszentrums. Seit 2009 haben bereits rund 40.000 Unternehmen von der zentralen Anlaufstelle profitiert – so auch Fischereiunternehmer Gjergj Luca.

Was für ein Unternehmen betreiben Sie?

Rozafa Sea Food ist ein Fischereibetrieb mit mehreren Schiffen für den Fischfang. Den Fisch und die Meeresfrüchte verarbeiten wir in unseren Fabriken weiter. Unsere Produkte vertreiben wir dann auch selbst über unsere Restaurant-Kette. Insgesamt arbeiten heute um die 600 Mitarbeiter für Rozafa. Unglaublich, wenn man bedenkt, wie klein alles angefangen hat.

Erzählen Sie doch mal! Wie fing alles an?

Mein Traum begann 1992. Die Zeiten nach dem Fall des Eisernen Vorhangs waren nicht einfach in Albanien, damals kämpfte jeder um sein eigenes Überleben. Viele Menschen mussten ihre alten Berufe aufgeben und gingen auf die Straße, um ihr tägliches Brot zu verdienen. Mit nur einem fünf Meter langen Boot und einer kleinen Besatzung von Fischern ging es los. Ich verkaufte den Fang in der Hauptstadt Tirana an Restaurants, die gerade erst eröffnet hatten.

Wie ging es dann weiter?

Später investierte ich dann in ein zweites Boot, das etwas größer war. Dann in ein drittes. Inzwischen habe ich eine Flotte mit acht neugebauten Schiffen, die bis zu 40 Meter lang sind. Wir fischen im gesamten Mittelmeer – Thunfisch, Blaubarsch, Meeresfrüchte – und beliefern den ganzen Balkan.

Ging es immer nur bergauf oder gab es auch Hürden?

Rozafa zu dem Unternehmen auszubauen, das es heute ist, war alles andere als einfach! Im gleichen Maße, wie mein Unternehmen wuchs, wuchsen auch die staatlichen Verwaltungsstrukturen und die bürokratischen Hürden. Wir benötigten jedes Jahr aufs Neue Fischerlizenzen, für die wir teilweise monatelang beim Ministerium Klinken putzen mussten. Wenn wir Rückfragen hatten, fanden wir uns vor verschlossenen Türen wieder. Damit wurde Spielraum für Korruption geschaffen.

Wie hat sich Ihr Arbeitsalltag mit der Nationalen Lizenzierungsbehörde geändert?

Ich muss sagen, ich bin wirklich erleichtert, dass die albanische Regierung nun diese Institution eingerichtet hat. Seitdem sind wir nicht mehr diesen kompromittierenden bürokratischen Prozeduren ausgeliefert. Wir reichen die Dokumente nur an einer Anlaufstelle ein und das Lizensierungszentrum erledigt den Rest.


        
    
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Rozafa Sea Food fing klein an. Heute zählt das Fischereiunternehmen von Gjergj Luca acht Schiffe, 600 Mitarbeiter, zwei Fabriken und eine Restaurantkette.

        
    
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Rozafa Sea Food fischt im gesamten Mittelmeer und beliefert den ganzen Balkan. Albaniens Wirtschaftspotential wird hier genutzt.

        
    
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Um sein Unternehmen aufzubauen, musste Gjergj Luca viel Kraft aufwenden. Die albanische Bürokratie stellte ihm so manchen Stein in den Weg.

        
    
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Jedes Jahr wurden neue Lizenzen fällig. Diese zu bekommen kostete Zeit und unnötige Mühen. Korrupte Praktiken behinderten die Arbeit.

        
    
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Gjergj Luca prüft die Fischernetze. Der Unternehmer steht im engen Kontakt mit seinen Angestellten – Fischer, Fabrikarbeiterinnen, Verkäufer...

        
    
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Der Blaubarsch ist das Maskottchen von Rozafa Sea Food. Gjergj Luca benannte sein Unternehmen nach seiner Schwester

        
    
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Rozafa Sea Food schafft Arbeitsplätze in Albanien. Insbesondere Frauen haben gute Beschäftigungsmöglichkeiten bei Rozafa Sea Food.

        
    
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Die Fabrikarbeiterinnen bereiten die Sardellen für die Verpackung vor. Rozafa Sea Food bedient die gesamte Wertschöpfungskette.

        
    
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Schrimps, Oktopus, Miesmuscheln, kleine und große Fische – das Sortiment ist groß und wird unter anderem über die eigene Restaurantkette vertrieben.