Mehr Einkommen für Binnenvertriebene und aufnehmende Gemeinden

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: PROINTEGRA – Wirtschaftliche Integration von Binnenvertriebenen und aufnehmenden Gemeinden in Norte de Santander
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Kolumbien
Politischer Träger: Kolumbianisches Präsidialbüro für internationale Kooperation (APC Colombia)
Gesamtlaufzeit: 2015 bis 2019

Kolumbien. PROINTEGRA hat Myriam Gómez bei der Einrichtung eines kleinen Schreibwarenladens mit Kopierservice unterstützt. © GIZ

Ausgangssituation

Mehr als fünf Jahrzehnte lang beherrschte ein bewaffneter Konflikt Kolumbien. Auch der 2016 unterzeichnete Friedensschluss zwischen der Guerilla-Organisation FARC und der kolumbianischen Regierung wird dem Land noch keinen umfassenden Frieden bringen, da sich nicht alle kolumbianischen Guerillaorganisationen zu dem Abkommen bekennen. Die Ursachen für den Konflikt bestehen weiterhin. Landkonflikte, mangelhafter Zugang zu natürlichen Ressourcen und Menschenrechtsverletzungen kosteten mindestens 220.000 Menschen das Leben. Knapp acht Millionen Kolumbianer wurden zu Vertriebenen im eigenen Land. Ihrer Existenzgrundlage beraubt, haben sie sich in den Randgebieten der großen Städte angesiedelt. Die meisten dieser illegalen Stadtrandsiedlungen haben kaum Zugang zum öffentlichen Versorgungsnetz und zu staatlichen Dienstleistungen. Nur sehr wenige erhalten angemessene psychosoziale Betreuung, um ihre oftmals traumatischen Erlebnisse zu verarbeiten und für einen beruflichen Neuanfang fehlt ihnen das erforderliche Selbstbewusstsein. Viele Vertriebene verdingen sich als Straßenverkäufer oder nehmen Gelegenheitsjobs auf dem informellen Arbeitsmarkt an. Startkapital für die Gründung von Kleinstunternehmen ist ihnen kaum zugänglich.

Ziel

Binnenvertriebene und andere benachteiligte Gruppen sind in der Lage, Einkommen für ihren Lebensunterhalt zu erwirtschaften.

Vorgehensweise

Das Projektteam arbeitet mit Binnenvertriebenen und aufnehmenden Gemeinden im Verwaltungsgebiet Norte de Santander, nahe der Grenze zu Venezuela. Über 60 Prozent der 230.000 Binnenvertriebenen hier leben in Armut. Mit staatlichen und nichtstaatlichen kolumbianischen Partnern arbeitet das Projekt beispielsweise an der Verbesserung und Ausweitung bestehender Programme zu psychosozialer Betreuung, entwickelt Angebote, um Kleinstunternehmen im städtischen Raum zu unterstützen und fördert die Integration in den Arbeitsmarkt. Rückkehrer und arme Bauern der aufnehmenden Gemeinden werden vom Unterauftragnehmer der GIZ, der Ambero Consulting, bei der Ausweitung der landwirtschaftlichen Produktion unterstützt. Das Projektteam berät außerdem die Bewohner illegaler Stadtrandsiedlungen und die Stadtverwaltung beim Prozess der Legalisierung. Der Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen wird dadurch verbessert und die Menschen können auf dem eigenen Grundstück ein Haus bauen.

Grundlage für die Zusammenarbeit mit den staatlichen und nichtstaatlichen kolumbianischen Institutionen ist eine vertrauensvolle Arbeitsbeziehung. Das Projektteam berät die Partnerinstitutionen, damit diese bürgernahe und zielgruppenorientierte Leistungen erbringen können. Funktionierende Ansätze fließen als gute Beispiele in die Politikberatung ein.

Das Projekt ist Teil der BMZ Sonderinitiative „Fluchtursachen bekämpfen – Flüchtlinge reintegrieren“. Kurzfristig unterstützt es Flüchtlinge und aufnehmende Gemeinden gleichermaßen. Langfristig mindern nachhaltige Maßnahmen strukturelle Fluchtursachen wie beispielsweise soziale Ungleichheit oder Ernährungsunsicherheit. Dieses Projekt leistet einen Beitrag zur Integration, Reintegration und sozialen Entwicklung von Binnenvertriebenen und Rückkehrern in Kolumbien.

Wirkung

91 Binnenvertriebene werden beim Start und Management eines Kleinstunternehmens unterstützt. Sie erwirtschaften dadurch Einkommen für sich und ihre Familie. 324 Binnenvertriebene haben an Qualifizierungsmaßnahmen im Bauhandwerk teilgenommen. 77 Jugendliche konnten im Rahmen einer Kooperation mit der staatlichen Arbeitsagentur in eine erste Anstellung vermittelt werden.

Das Projekt unterstützt die Bewohner illegaler Stadtrandsiedlungen mit einem hohen Anteil von Binnenvertriebenen bei der Legalisierung ihrer Siedlung, als Voraussetzung für die Anbindung an städtische Basisdienstleistungen. Fünf bisher illegale Stadtrandsiedlungen mit 1650 Familien sind nun offizielle Stadtteile von Cúcuta. Dieser Prozess wird fortgesetzt. 1200 Binnenvertrieben wurden bisher durch das Projekt bei der Überwindung psychosozialer Traumata unterstützt.

Kolumbien. Binnenflüchtlinge aus ländlichen Regionen siedeln sich in Außenbezirken der Stadt Cúcuta an. (Foto: Mision Cúcuta Scalabriniana) © GIZ

Für eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit den staatlichen und nichtstaatlichen Institutionen hat das Vorhaben vertrauensvolle Arbeitsbeziehungen aufgebaut. Die GIZ schult die Partnerinstitutionen, damit sie bessere, bürgernahe Leistungen erbringen können. Gemeinsames Ziel ist es, vorhandene Unterstützungsangebote an den aktuellen Bedarf der Zielgruppen anzupassen. Damit wird es langfristig gelingen, Binnenvertriebenen und Einwohnern der aufnehmenden Gemeinden bessere Einkommensmöglichkeiten zu bieten. Wirtschaftliche Eigenständigkeit und sozialer Zusammenhalt werden so gefördert.