Globales Netzwerk für Gesundheitsfinanzierung (P4H)

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Sektorvorhaben Providing for Health (P4H)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Global
Gesamtlaufzeit: 2008 bis 2018

Ausgangssituation

Eine Milliarde Menschen haben keinen Zugang zu angemessener gesundheitlicher Versorgung und mehr als 100 Millionen verarmen jedes Jahr durch hohe Ausgaben für ärztliche Behandlung, Medikamente und andere Gesundheitsdienstleistungen. Viele weitere können die Kosten von Krankheit, Unfällen und deren Behandlung nur durch den Verkauf von produktiven Gütern, Verzicht auf Bildung und eine drastische Reduzierung ihres Lebensstandards finanzieren. Krankheitskosten sind eines der größten Hindernisse, um Armut zu mindern und für die wirtschaftliche Entwicklung. Um dieser Herausforderung zu begegnen, hat die Weltgemeinschaft die universelle soziale Absicherung im Krankheitsfall (Universal Health Coverage, UHC) als Unterziel 3.8 in der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung verankert. Die universelle soziale Absicherung im Krankheitsfall soll Gesundheitsdienstleistungen und die Kosten von Krankheiten für alle Menschen des jeweiligen Landes absichern – finanziert von der Gemeinschaft.

Viele Länder mit niedrigem oder mittlerem Einkommen wollen ihre gesamte Bevölkerung im Krankheitsfall schützen und fragen hierbei Entwicklungspartner nach technischer und finanzieller Unterstützung. Ein zentrales Reformhindernis vor Ort ist häufig der mangelnde Ausgleich unterschiedlicher Interessen und die fehlende Koordination der Verantwortlichen aus den Bereichen Gesundheit, Soziales, Finanzen und Wirtschaft.

Um diesem Bedarf an sektor- und geberübergreifender Kooperation gerecht zu werden, wurde 2007 das Netzwerk Providing for Health (P4H) – Globales Netzwerk zur Gesundheitsfinanzierung (P4H) - als G8-Initiative von Deutschland und Frankreich ins Leben gerufen. Seitdem ist das Netzwerk die zentrale Koordinationsplattform für Investoren in universelle soziale Absicherung im Krankheitsfall. Mitglieder des Netzwerkes sind die Weltgesundheitsorganisation WHO, die internationale Arbeitsorganisation ILO, die Weltbank, die Afrikanische Entwicklungsbank AfDB, die Asiatische Entwicklungsbank ADB, Deutschland, Frankreich, die Schweiz, Spanien und die USA.

Ziel

Das P4H-Netzwerk hat in ausgewählten Entwicklungs- und Schwellenländern maßgeblich zur Umsetzung universeller sozialer Absicherung im Krankheitsfall beigetragen.

Vorgehensweise

Das hier vorgestellte Sektorvorhaben P4H unterstützt das BMZ bei der Koordinierung und Umsetzung des deutschen Beitrags zum Netzwerk. Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) der Schweiz beteiligt sich an der Finanzierung des Sektorvorhabens erheblich. Der Sitz des Programms ist in Bonn mit weiteren Standorten in Eschborn, Washington DC, Daressalam, Phnom Penh und Antananarivo.

In inzwischen 36 Ländern arbeiten die verschiedenen Mitglieder des P4H-Netzwerkes zusammen. Sie nutzen für die Arbeit ihre organisatorischen Strukturen, die sie in diesen Ländern bereits etabliert haben. Im Fokus ihrer Aktivitäten stehen dabei, das politische Engagement ihres jeweiligen Partnerlandes zum Thema universelle soziale Absicherung im Krankheitsfall zu fördern und dem Partnerland maßgeschneiderte Unterstützung zukommen zu lassen. Die Mitglieder des Netzwerkes bemühen sich, Verantwortliche aus verschiedenen Ministerien, Verbänden und der Zivilgesellschaft an einen Tisch zu bringen.

Sämtliche Mitglieder informieren sich gegenseitig über ihre Aktivitäten in den verschiedenen Ländern. Eine bei der WHO und Weltbank angesiedelte Koordinationsstelle und ein netzwerkeigenes Intranet sowie sogenannte Focal Points in sechs ausgewählten Ländern sorgen darüber hinaus für den Informationsfluss zwischen allen Mitgliedern und Partnern in den einzelnen Ländern.

Das Sektorvorhaben finanziert ein Drittel dieser Koordinationsstelle sowie Focal Points in Tansania, Kambodscha und Madagaskar.

Das Sektorvorhaben beteiligt sich an gemeinsamen Beratungsmissionen sowie fachlichen Studien des P4H-Netzwerks und unterstützt damit Dialog- und Strategiebildungsprozesse. So hat es beispielsweise in Madagaskar gemeinsam mit der Agence Française de Développement (AFD) einen internationalen Berater beauftragt, um den Entwurf der nationalen Strategie zur universellen sozialen Absicherung im Krankheitsfall zu unterstützen.

Die Consultingfirma FFW Deutschland GmbH unterstützt die Umsetzung des Vorhabens.

Wirkung

Das Sektorvorhaben übernimmt eine wichtige Rolle bei der Koordination der Beiträge der Netzwerk-Mitglieder und der lokalen Institutionen und Ministerien in den Partnerländern. So hat es in den letzten drei Jahren in Tansania gemeinsam mit anderen P4H Partnern zur Entwicklung einer kohärenten Gesundheitsfinanzierungsstrategie beigetragen.

Darüber hinaus unterstützt das Sektorvorhaben Reformprozesse, indem es Schulungsprogramme zu Gesundheitsfinanzierung oder zur Steigerung der Management- und politischen Führungskompetenzen anbietet. Gemeinsam mit der Weltbank hat das Sektorvorhaben das Programm „Politische Koalitionsbildung zur Einführung der universellen Absicherung im Krankheitsfall“ - “Leadership for Universal Health Coverage (L4UHC)” ins Leben gerufen. Führungspersonen aus dem ministeriellen und politischen Umfeld von Sozialreformen begleiten die Programmteilnehmer dabei, individuelle Führungskompetenzen hinsichtlich laufender Reformprozesse in den Partnerländern wirkungsvoller einzusetzen, eigene Ideen einzubringen, Raum für eigene Entwicklung sowie ministerien- und fachübergreifende Koalitionenbildung zu schaffen. Am Ende des Programmes soll idealerweise der politische Prozess zur Einführung universeller Absicherung im Krankheitsfall im jeweiligen Land weiter fortgeschritten sein; die jeweiligen Teams definieren hierbei ihre eigenen Ziele.