Nachhaltig ausgerichtete Gewinnung von Pflegekräften (Triple Win)

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Triple Win Pflegekräfte – Nachhaltig ausgerichtete Gewinnung von Pflegekräften aus vier Ländern
Auftraggeber: Deutsche Arbeitgeber
Land: Serbien, Bosnien und Herzegowina, Philippinen; voraussichtlich Tunesien
Politischer Träger: Arbeitsverwaltungen in den Partnerländern
Gesamtlaufzeit: seit 2013

Ausgangssituation

Der Pflegebereich in Deutschland ist bereits heute von signifikantem Fachkräftemangel betroffen. Laut einer Auswertung der Bundesagentur für Arbeit kamen 2014 in der Gesundheits- und Krankenpflege auf 100 freie Stellen nur 84, in der Altenpflege sogar lediglich 44 Arbeitslose. Diese Situation wird sich aufgrund des demografischen Wandels mittel- und langfristig zuspitzen.

Dem steht ein Überangebot an qualifizierten Fachkräften in Bosnien und Herzegowina, Serbien und auf den Philippinen gegenüber, das die lokalen Arbeitsmärkte nicht aufnehmen können. Die Folge ist eine hohe Arbeitslosenquote bei den Pflegekräften in diesen Ländern.

Ziel

Durch qualifizierte ausländische Fachkräfte wird der Mangel im Pflegebereich in Deutschland gemindert und die Arbeitslosigkeit in den Herkunftsländern der Fachkräfte gesenkt. Die Geldsendungen der Migranten sowie der Know-how-Transfer leisten einen entwicklungspolitischen Beitrag für die Herkunftsländer.

Vorgehensweise

Die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit und die GIZ vermitteln in einem gemeinsamen Projekt qualifizierte Fachkräfte an Unternehmen nach Deutschland.

Die Migration der nachweislich hoch qualifizierten Pflegekräfte aus den beteiligten Ländern birgt vielfältige Chancen für alle Beteiligten und erzeugt einen dreifachen Gewinn (Triple Win):

  1. Die Arbeitsmärkte der Herkunftsländer werden entlastet.
  2. Geldsendungen von Migranten stoßen entwicklungspolitische Impulse in ihrem Herkunftsland an.
  3. Der Fachkräftemangel in Deutschland wird gemindert.

Für die Fachkräfte bedeutet eine solche Migration die Chance auf verbesserte Lebensperspektiven. In Zusammenarbeit mit den Arbeitsverwaltungen der Partnerländer und der ZAV werden die Pflegekräfte persönlich ausgewählt, geprüft sowohl sprachlich als auch pflegefachlich vorbereitet und vermittelt. Sie werden schon im Herkunftsland, bei der Ankunft und während des Aufenthalts in Deutschland begleitet.

Die GIZ unterstützt den Prozess mit ihrer internationalen Außenstruktur. Sie fördert vor allem die sprachliche Qualifikation der Pflegekräfte, die fachliche Vorbereitung auf den Arbeitseinsatz und die Integrationsbegleitung nach der Ankunft in Deutschland. Darüber hinaus koordiniert die GIZ den Anerkennungsprozess der im Ausland erworbenen Qualifikation.

Die Vermittlung erfolgt durch die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit an Arbeitgeber, die am Projekt teilnehmen.

Grundlage des Vorhabens sind abgeschlossene Vermittlungsabsprachen der ZAV mit den Arbeitsverwaltungen der Partnerländer. Dies bedeutet vor allem, dass die vermittelten Fachkräfte nach der Anerkennung ihrer ausländischen Abschlüsse eine ihren Qualifikationen entsprechende Beschäftigung aufnehmen und mittelfristig eine Niederlassungserlaubnis erhalten können.

Bei der Auswahl der Partnerländer wird berücksichtigt, welche Staaten ein Überangebot an gut ausgebildeten Fachkräften haben. So soll gesichert werden, dass kein Braindrain entsteht, das heißt, durch die Vermittlung nach Deutschland kein Pflegenotstand in den Herkunftsländern erzeugt wird. Außerdem gewährleistet ein hohes fachliches Niveau die schnelle Anschlussfähigkeit in Deutschland. Vor diesem Hintergrund sind als Partnerländer insbesondere Serbien, Bosnien und Herzegowina, die Philippinen sowie voraussichtlich Tunesien vorgesehen. Die Ausbildung in diesen Ländern entspricht nahezu deutschen Standards, einige Pflegekräfte sprechen bereits sehr gut Deutsch.

Die Zusammenarbeit zwischen ZAV, GIZ und den Arbeitsverwaltungen der Partnerländer ermöglicht ein abgestimmtes, partnerschaftliches Management der Arbeitsmigration. Das Projekt fördert entwicklungs- und arbeitsmarktpolitische Ziele und setzt zugleich die Idee einer Willkommens- und Anerkennungskultur um.

Wirkung

Seit Beginn des Projektes bis heute (2012 bis November 2016) konnten 1020 Pflegekräfte an deutsche Arbeitgeber in Kliniken, Altenpflegeeinrichtungen und ambulanten Pflegediensten vermittelt werden. Davon haben 720 ihre Tätigkeit in Deutschland aufgenommen. Die anderen befinden sich noch in der Vorbereitung vor Ort oder werden diese in Kürze beginnen. Die Nachfrage sowohl bei den Pflegekräften als auch bei den Arbeitgebern ist steigend. Das Projektmonitoring belegt, dass die ausgewählten Fachkräfte eine hohe fachliche Qualifikation haben. Die Arbeitgeber bescheinigen eine große Zufriedenheit mit den internationalen Fachkräften.

Die Erfahrungen aus den ersten Jahren des Projektes ermöglichen es, noch gezielter auf die Bedarfe von Arbeitgebern, Fachkräften und Herkunftsländern einzugehen – eine für alle drei Seiten vorteilhafte Situation mit Zukunft.