Wasser- und Sanitärversorgung für ländliche und kleinstädtische Gebiete

Programmkurzbeschreibung

Bezeichnung: Nachhaltige Entwicklung des Wasser- und Sanitärsektors in Mali
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Mali
Politischer Träger: Ministère de l’Energie et de l‘Eau
Laufzeit: 2015 bis 2019

Eine Zapfstellenbetreiberin in der Region Kayes. © giz/Simone Schnabel

Ausgangssituation

Die Unterversorgung der Bevölkerung mit hygienisch unbedenklichem Trinkwasser und der unzureichende Zugang zu Basissanitärversorgung sind zentrale Entwicklungshemmnisse für Mali. Lediglich 63 Prozent der ländlichen Bevölkerung haben Zugang zu hygienisch unbedenklichem Trinkwasser, nur 22 Prozent zu Basissanitärversorgung wie Latrinen. Eine flächendeckende Infrastrukturentwicklung, ein professioneller Betrieb der Infrastrukturen, beispielsweise rohrnetzgebundene Wasserversorgungssysteme mit Hochbehältern und öffentlichen Zapfstellen, sowie eine transparente Regulierung sind nicht gesichert.

Seit 2002 sind die 703 Gemeinden des Landes für die Trinkwasser- und Sanitärversorgung verantwortlich, kommen ihrer Rolle aber nur eingeschränkt nach. Bedarfsgerechte, professionelle Unterstützung durch regionale und lokale Fachbehörden fehlt. Demokratische Rechenschaftslegung sowie Transparenz und Teilhabe der Zivilgesellschaft im Wassersektor sind schwach ausgebildet. Die verantwortlichen Akteure der Wasser- und Sanitärversorgung sind nicht in der Lage, eine landesweite nachhaltige Trinkwasser- und Basissanitärversorgung sicherzustellen.

Für einen signifikanten Ausbau der Versorgung fehlen effektive Mechanismen, um Investitionen zu mobilisieren und umzusetzen. Tarife und Transferleistungen müssten für mehr Effizienz und wirtschaftlichen Nachhaltigkeit im Betrieb der Infrastrukturen ausgestaltet werden. Kommunen und Betreiber, 85 Prozent Wassernutzergruppen und 15 Prozent private Dienstleister, sind nur eingeschränkt kreditfähig. Die Gemeinden agieren bei der Mobilisierung von Finanzmitteln isoliert. Interkommunale Verbände oder genossenschaftlichen Strukturen, die diese Aufgabe übernehmen könnten, wurden bislang nicht gegründet.

Kontroll- und Regulierungsaufgaben nehmen derzeit akkreditierte, privatwirtschaftliche Auditoren wahr. Dieses System hat Funktionsschwächen und ist aufgrund der unrentablen Konditionen weder landesweit nachhaltig noch attraktiv für die Privatwirtschaft. Das technische und betriebswirtschaftliche Know-how der Betreiber ist eingeschränkt. Das Angebot an Wartungs- und Reparaturleistungen sowie die Ersatzteilversorgung sind mangelhaft. Im Sanitärsektor gibt es derzeit keine Datenbank, die als Grundlage für die Planung von Investitionen oder Berichterstattung dienen könnte. Die Trinkwasser-Datenbank ist veraltet und stellt keine aufgeschlüsselten Daten bereit.

Ziel

Die Leistungsfähigkeit der verantwortlichen Fachbehörden, Gebietskörperschaften und Betreiber für eine landesweite Wasser- und Sanitärversorgung ist gestärkt. Der Zugang der armen, ländlichen und kleinstädtischen Bevölkerung zu unbedenklichem Trinkwasser und angemessener Sanitärversorgung ist signifikant verbessert.

Vorgehensweise

Das Vorhaben arbeitet mit den Ministerien für Wasser und Umwelt sowie den jeweiligen Fachbehörden national, regional und lokal zusammen. Wichtige Partner sind außerdem die Gebietskörperschaften, Betreiber, und akkreditierte Auditoren.

Die Verbesserung der Staat-Gesellschaft-Beziehungen, durch mehr Transparenz bei der öffentlichen Vergabe und Ressourcenzuweisung sowie eine bürgerorientierte Politik, trägt dazu bei, das Vertrauen der Bürger in die Kommunen als wichtigem Akteur der Friedenskonsolidierung zu stärken. Die demokratische Rechenschaftslegung wird gestärkt: durch Korruptionsminderung, Stärkung der Staat-Gesellschaft-Beziehungen, beziehungsweise der Daseinsvorsorge des Staates, sowie größere Nachhaltigkeit der Investitionen. Erhöhter Zugang zu Basisdienstleistungen wird mittelfristig dazu beitragen, die Regionen zu stabilisieren.

Das Vorhaben erprobt in drei Regionen Strategien und Umsetzungskonzepte. Es verbindet zur Sanitärversorgung Strategieberatung und die Entwicklung von Plänen mit der Umsetzung von Pilotmaßnahmen in Gemeinden. Die Maßnahmen betreffen den Bau verschiedener Latrinentypen, technische Ausrüstung und Qualifizierungsmaßnahmen für die Entleerung von Latrinen sowie Marketing und Anreizmechanismen. Die Pläne und die aus den Maßnahmen abgeleiteten Standards bereiten nachfolgende Investitionen der KfW Entwicklungsbank für den weiteren Ausbau der Versorgung vor. Ergebnisse aus der Umsetzung werden auf nationaler Ebene verankert und als Standards für eine breitenwirksame Umsetzung formuliert.

Die Consultingfirma GFA unterstützt die Umsetzung des Vorhabens; sie schult die Betreiber.

Wirkungen

Zum Betrieb der Wasserinfrastruktur wurde, mit Unterstützung des Vorhabens, ein Standard-Leistungsvertrag entwickelt. Die Nationale Wasserdirektion will den Vertrag landesweit einführen.

Ein Konzept zu interkommunaler Kooperation wurde erarbeitet. Es erhöht die Breitenwirksamkeit der Maßnahmen zur Wasser- und Sanitärversorgung. Die Anzahl der zu unterstützten Gemeinden erhöht sich von 12 auf 38.

Die Schulung von 20 Ausbildern in den Projektregionen erzielt Multiplikatoreneffekte. In 130 Betreiberkomitees finden Fort- und Weiterbildungen statt, die von den Ausbildern dezentral begleitet werden.

Die Ausschreibungsunterlagen zur Rekrutierung neuer Dienstleister für ein landesweites technisches und finanzielles Audit wurden im Auftrag der Ministerien überarbeitet. Durch die regelmäßige Betreuung verbessert sich der Betrieb.

Zum Thema Wasserqualität wurde ein Ideenwettbewerb für Frauen durchgeführt, bei dem mobile Instrumente zur Wasserbehandlung und -desinfektion zu gewinnen waren.

Wasserturm in Siby, Region Koulikoro. © GIZ / Simone Schnabel