Erneuerbare Energiequellen

 

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Förderung erneuerbarer Energien in Bosnien und Herzegowina
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Bosnien und Herzegowina
Politischer Träger: Bosnien und Herzegowina
Ministerium für Außenhandel und wirtschaftliche Beziehungen von Bosnien und Herzegowina (MoFTER)
Gesamtlaufzeit: 2016 bis 2019

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Ausgangssituation

Bosnien und Herzegowina verfügt über umfangreiche Energieressourcen und gehört zu den wenigen Ländern des Balkans, die Strom exportieren. Die Energieerzeugung jedoch ist nicht nachhaltig. Gleichzeitig steigt der Energieverbrauch des Landes, weil die vorhandene Energie nicht effizient genutzt wird. Und die weitverbreitete Verwendung von Holz und Kohle als Energieträger hat CO2-Emissionen und Luftverschmutzung zur Folge.

Der vorhandene politische Rahmen sorgt nicht dafür, dass erneuerbare Energien stärker genutzt werden und das Land seine Pflichten aus dem Vertrag zur Gründung der Energiegemeinschaft erfüllen kann. Es fehlen einschlägige Programme, Wissen und praktische Erfahrungen. Strukturen für ein koordiniertes Miteinander des Zentralstaats mit den Entitäten und unteren Regierungsebenen in dem Sektor sind generell schwach ausgeprägt. Die wichtigsten Akteure sind kaum vernetzt und arbeiten nur in geringem Umfang zusammen.

Ziel

In Bosnien und Herzegowina sind die Voraussetzungen für ein Umfeld geschaffen, das mehr Anreize für die verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien setzt.

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Vorgehensweise

Das Projekt soll die Attraktivität des Erneuerbare-Energien-Sektors erhöhen, indem es die gesetzlichen Rahmenbedingungen verbessert und neue markt- und zielorientierte Anreizprogramme schafft. Adressaten sind private und staatliche Investoren aus dem In- und Ausland. Zu diesem Zweck arbeitet es mit zentralstaatlichen Partnern und mit den beiden Entitäten Bosniens und Herzegowinas zusammen: den jeweiligen Energieministerien und Regulierungskommissionen für den Stromsektor. Außerdem unterstützt es die Betreiber von Erneuerbare-Energien-Anlagen in beiden Entitäten in technischer Hinsicht.

Gemeinsam mit diesen Partnern soll das Projekt vor allem die Rahmenbedingungen einer vermehrten Nutzung erneuerbarer Energien in Bosnien und Herzegowina verbessern und stärken. Demgemäß liegt der Projektfokus auf technischer Unterstützung in drei Kernbereichen:

  • Politische Rahmenbedingungen (Strategiedokumente und Beschlussfassung, energetische Daten, Koordinierung des Sektors)
  • Regulierungsrahmen (Vereinfachung von Genehmigungs- und Zulassungsverfahren der Verwaltung, Schwerpunkt Kleinwasserkraft, Harmonisierung des Regulierungsrahmens)
  • Finanzierung erneuerbarer Energien (Einführung marktbasierter Förderprogramme, innovative Geschäftsmodelle und Technologiekonzepte für erneuerbare Energien)

In jedem der drei Bereiche leistet das Projekt Hilfestellung, indem es:

  • staatliche Institutionen gezielt politisch berät und Arbeitsgruppen auf Regierungsebene einrichtet,
  • Maßnahmen zur Steigerung der Leistungsfähigkeit im privaten und öffentlichen Sektor durchführt und
  • spezifische Studienberichte, Machbarkeits- und Kostenanalysen und Rechtsvorschriften für die erwähnten Felder vorbereitet.

Darüber hinaus unterstützt das Projekt den Aufbau von Plattformen, Netzwerken und anderen Initiativen durch und für die relevanten Akteure des Energiesektors, einschließlich politische Entscheider und Energieexperten.

Wirkungen

Im Rahmen des Projekts wurden regelmäßige interinstitutionelle Arbeitsgruppentreffen im Bereich Erneuerbare-Energien-Politik initiiert und gefördert. Hierdurch und infolge der besseren strategischen Planung in dem Sektor haben sich Kommunikation und Abstimmung zwischen Institutionen des Zentralstaats und der Entitäten in mehreren Sektoren verbessert.

Erstes Ergebnis der verbesserten Koordination war der Nationale Aktionsplan für erneuerbare Energie, der 2016 mit Unterstützung des Projekts verabschiedet wurde. Vorausgesetzt, die darin gesteckten Ziele für den Anteil erneuerbarer Energien werden bis 2020 erreicht, wird Bosnien und Herzegowina rund 830.000 Tonnen CO2-Emissionen eingespart haben.
Zu den weiteren Projektbeiträgen zur strategischen Beschlussfassung in dem Sektor gehört die Erarbeitung eines Fahrplans für die Anpassung der bestehenden Gesetzgebung, um den Anteil der Biokraftstoffe am Transport von gegenwärtig null Prozent auf bis zu zehn Prozent zu erhöhen und die Aktualisierung des Aktionsplans für erneuerbare Energien in der Föderation Bosnien und Herzegowina zu unterstützen.

Im Zusammenhang mit der Verbesserung des Regulierungsrahmens wurde den zuständigen Stellen ein ausführlicher Gesamtbericht vorgelegt. Er enthält Vorschläge, wie sich die Verwaltungsverfahren zur Genehmigung und Zulassung erneuerbarer Energien vereinfachen lassen. Die Umsetzung einzelner Vorschläge wird vom Projekt begleitet. Diese Maßnahmen wie auch die Erarbeitung eines Investoren-Leitfadens sollen die Zeit, die für die Zulassung von Erneuerbare-Energien-Anlagen benötigt wird, deutlich reduzieren. Aktuell liegt sie bei mindestens 750 Tagen.

Das Projekt unterstützt auch eine interinstitutionelle Arbeitsgruppe, die die erforderliche institutionelle Struktur sowie Rechtsvorschriften erarbeitet. Dies dient der Einführung kostenwirksamer ziel- und marktorientierter Programme, die erneuerbare Energien auf kommunaler Ebene fördern.

Akteure aus mehr als 35 staatlichen Institutionen erwarben auf Studienreisen und in Trainings Fachwissen über den Ausbau der Energieerzeugung durch nachhaltige Kleinwasserkraft, über eine gemeindenahe Energieversorgung und innovative Technologien im Bereich erneuerbare Energien. Mehr als 30 Bäuerinnen und Bauern aus beiden Entitäten sowie Akteure des Agrarsektors lernten in Workshops finanzielle Möglichkeiten und technische Aspekte kleiner und mittlerer Biogasanlagen kennen. Rund 40 Vertreterinnen und Vertreter von Fernwärme- und holzverarbeitenden Unternehmen erfuhren in vom Projekt veranstalteten Schulungen und Workshops, welche Möglichkeiten, potenziellen Hürden und Lösungen der Kraft-Wärme-Kopplung mit Biomasse es gibt.