Förderung des Zugangs zu Finanzdienstleistungen für kleine und mittelständische Unternehmen

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Förderung des Zugangs zu Finanzdienstleistungen für kleine und mittelständische Unternehmen
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Ägypten
Politischer Träger: Egyptian Financial Supervisory Authority (EFSA)
Gesamtlaufzeit: 2016 bis 2021

Ausgangssituation

Kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) sind wichtiger Bestandteil einer starken Volkswirtschaft und schaffen Jobs für Millionen Arbeitnehmer. Ihr Innovationspotenzial und ihre Anpassungsfähigkeit an sich ständig ändernde wirtschaftliche Rahmenbedingungen machen sie zu einem wichtigen Baustein für wirtschaftliches Wachstum und Wohlstand. Besonders hoch ist ihre Bedeutung für die Wirtschaft Ägyptens, seit langem das größte Zentrum für KMU in der MENA-Region.

Trotz ihrer großen wirtschaftlichen Bedeutung sind ägyptische KMU mit vielen Herausforderungen konfrontiert, darunter gesetzliche und regulatorische Einschränkungen, fehlende Übernahme neuer Technologien, unzureichend ausgebildete Arbeitskräfte und mangelnde Finanzierungsmöglichkeiten. Vor allem der fehlende Zugang zu geeigneten Finanzprodukten hemmt das Wachstumspotenzial von KMU. Nur ungefähr die Hälfte aller Unternehmen pflegt Beziehungen zu Banken, lediglich jedes fünfte Unternehmen hat Zugang zu Krediten. Formelle Finanzierungsangebote sind mit langen, mühsamen Verfahren verbunden. Viele KMU sind deshalb für die Finanzierung ihrer wirtschaftlichen Aktivitäten auf informelle Alternativen angewiesen, zum Beispiel Kredite von Familie und Bekannten.

Trotz ihres großen Potenzials werden Nichtbank-Finanzprodukte für KMU, zum Beispiel Leasing, Factoring, Eigenkapitalfinanzierung oder Versicherungen, kaum genutzt. Unzureichende Rahmenbedingungen sowie Hürden auf der Angebots- und Nachfrageseite behindern die Ausweitung entsprechender Angebote.

Nach der globalen Finanzkrise und dem damit einhergegangenen Rückgang des Angebots konventioneller Kredite hat die Zahl neu in den Markt eintretender Nichtbank-Finanzinstitute (NBFI) stark zugenommen. Viele Regierungen haben die Chancen für Innovation und Wachstum erkannt, die Finanzdienstleistungen außerhalb des traditionellen Kreditspektrums bieten. Aufbauend auf dieser Entwicklung unterstützt das Projekt die Verbreitung von NBFI und deren Angeboten für KMU in Ägypten.

Ziel

Das Angebot an Finanzdienstleistungen von Nichtbank-Finanzinstitutionen für KMU ist, vor allem im Hinblick auf positive Beschäftigungseffekte, gestärkt.

Vorgehensweise

Das Projekt fördert auf mehreren Ebenen die bedarfsgerechte Bereitstellung von Nichtbank-Finanzprodukten für KMU in Ägypten. Gemeinsam mit der ägyptischen Finanzaufsichtsbehörde für Nichtbank-Finanzinstitute (NBFI) wird an einer Verbesserung der regulatorischen und aufsichtsrechtlichen Rahmenbedingungen gearbeitet, um mehr Anreize für die Bereitstellung von KMU-Finanzierung durch NBFI zu schaffen. Die Finanzmarktinfrastruktur wird durch die Entwicklung und Bereitstellung von Trainingsangeboten für NBFI gefördert. Weiter arbeitet das Projekt mit der ägyptischen Kreditgarantiegesellschaft an der Ausweitung ihres Garantieportfolios und ihrer Bürgschaftsmodelle, um KMU-Finanzierungsangebote für NBFI sicherer und somit attraktiver zu machen.

Das Projekt arbeitet direkt mit ausgewählten NBFI zusammen, um diese strategisch, betriebswirtschaftlich und fachlich in der Ausweitung ihres KMU-Portfolios zu beraten und um in gemeinsamen Fortbildungskursen innovative Finanzprodukte zu entwickeln. Hierbei wird die GIZ von der GFA Consulting Group unterstützt.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Förderung von Finanzierungsmöglichkeiten speziell für Start-ups und Jungunternehmer. Das Projekt unterstützt den Aufbau regionaler Investorennetzwerke und organisiert regelmäßige Veranstaltungen, auf denen junge Unternehmer ihre Geschäftsideen potenziellen Investoren präsentieren können. Die Verbreitung und Nutzung von Versicherungsdienstleistungen für KMU und ihre Angestellten wird, durch die Entwicklung neuer Versicherungsprodukte und Distributionsmechanismen in Zusammenarbeit mit der ägyptischen Versicherungsindustrie, ebenfalls gefördert.

Das Vorhaben ist Teil der Sonderinitiative des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) zur Stabilisierung und Entwicklung in Nordafrika und Nahost. Mit den Projekten der Sonderinitiative trägt das Ministerium dazu bei, wirtschaftliche und soziale Perspektiven für die Menschen in der Region zu schaffen. In diesem Rahmen stehen für Vorhaben der GIZ und anderer Durchführungsorganisationen in den Jahren 2014 bis 2021 bisher mehr als 300 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung. Im Fokus stehen dabei die Themenbereiche Jugend- und Beschäftigungsförderung, wirtschaftliche Stabilisierung, Demokratisierung sowie die Stabilisierung von Nachbarländern in Krisensituationen.