Bessere Chancen für alle

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Verbesserung des Zugangs von Binnenvertriebenen, Flüchtlingen und Bevölkerung in aufnehmenden Gemeinden zu Bildung, beruflicher Bildung und Einkommensgenerierung im Nord-Irak
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Irak
Politischer Träger: Ministerium für Planung der autonomen kurdischen Regierung
Gesamtlaufzeit: 2016 bis 2018

School_small_rdax_220x147

Ausgangssituation

Seit dem Ausbruch der Syrienkrise und dem Vormarsch des sogenannten „Islamischen Staates“ haben rund eine Millionen Binnenvertriebene und 250.000 Syrer in der autonomen Region Kurdistan des Nordirak Zuflucht gesucht. Die Mehrheit der Menschen lebt in den aufnehmenden Gemeinden, etwa 40 Prozent in Camps. Die kurdische Regionalregierung stößt an ihre Grenzen beim Versuch, die immense Zahl der meist mittelosen Menschen zu versorgen. Die Schulen sind überfüllt, es fehlen Beschäfti-gungsmöglichkeiten, vor allem im Niedriglohnbereich, junge Leute haben keine Chance eine Ausbildung zu absolvieren und die Spannungen zwischen Einheimischen und Vertriebenen steigen.

Ziel

Binnenvertriebene, Flüchtlinge und die Bevölkerung in den Aufnahmegemeinden gehen zur Schule, nehmen an beruflicher Bildung teil und verdienen ihr eigenes Geld durch einkommensfördernde Maßnahmen.

Harikar_Social_rdax_460x307

Vorgehensweise

Gemeinsam mit der Bildungsbehörde der kurdischen Regionalregierung wählt das Projektteam Gemeinden und Camps aus, in denen der Bedarf an zusätzlichen Klassenräumen am dringlichsten ist. Hier entstehen neue Schulen, alte werden erweitert oder instandgesetzt. Die Ausstattung der Klassenräume ist bei der Errichtung inbegriffen. Damit die Lehrkräfte Klassengrößen von bis zu 60 Kindern unterrichten können, bekommen sie methodische und didaktische Fortbildungen.

Um den Geflüchteten und den einheimischen Bewohnern eine Chance auf dem Arbeitsmarkt zu verschaffen, konzipiert das Projektteam Kurzzeitausbildungen, in denen die Teilnehmer technische und handwerkliche Fähigkeiten erwerben. Arbeitsmarktanalysen sorgen dafür, dass die Ausbildungen auf die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes zugeschnitten sind.

Neue Arbeitsplätze entstehen häufig in kleinen und mittleren Betrieben oder Start-ups. Management-ausbildungen für Unternehmer und die Unterstützung für Start-ups zeigen Möglichkeiten auf, mehr Menschen Einkommen und Beschäftigung zu geben.Durch gemeinsame Aktivitäten und Gespräche kommen sich die Bewohner der aufnehmenden Gemeinden, Binnenvertriebene und Flüchtlinge näher. Sport, Spiel, kulturelle Veranstaltungen und moderierte Dialoge in Gemeindezentren machen Kindern und Erwachsenen Spaß und helfen, einander besser zu verstehen. Für Sozialarbeiter, Lehrkräfte und Verantwortliche aus Gemeinden und Camps organisiert die Universität Dohuk Schulungen zur Konfliktlösung.

Berufsausbildung / Trainingskurs Schweißen Foto: GIZ/Fabian Schwan-Brandt

Wirkungen

Acht Schulen wurden bereits im Schuljahr 2015/16 in den Camps errichtet und weitere drei Schulen in den aufnehmenden Gemeinden, wo derzeit mehr als 15.000 Kinder und Jugendliche unterrichtet werden. Weitere zehn Schulen wurden Anfang 2017 fertiggestellt und drei Neubauten stehen ab dem Schuljahr 2017/18 zur Verfügung. 20 Lehrkräfte sind als Ausbilder geschult und bilden derzeit Lehrerinnen und Lehrer in Didaktik und Methodik fort, insbesondere im Hinblick auf Klassengrößen mit bis zu 60 Kindern.

Bislang haben bereits mehr als 500 Personen, davon knapp 30 Prozent Frauen, Kurse zur beruflichen Qualifizierung in handwerklichen und technischen Bereichen durchlaufen. Das Kursangebot reicht von Schweißen, Nähen, Backen, IT und der Reparatur von Klimaanlagen und Mobiltelefonen bis zur Ausbildung als Klempner.

An Unternehmer- und Managementkursen für Inhaber kleiner und mittlerer Unternehmen sowie an Seminaren für Start-ups haben bislang 700 Personen teilgenommen. Die Kurse vermitteln Interessenten die wesentlichen Grundlagen der Unternehmensgründung.

In sechs Gemeindezentren bietet die kurdische Nicht-Regierungsorganisation Harikar als Partner der GIZ Rechtsberatung, psychosoziale Unterstützung und zahlreiche andere Aktivitäten für die Menschen aus den Camps an. Auf dem Programm stehen Näh-, Computer-, Alphabetisierungs- oder Englischkurse. Die Sozialarbeiterinnen in den Zentren sind vor allem für junge Mädchen und Frauen Ansprechpartnerinnen. Bei Problemen verweisen sie sie, sofern gewünscht, an Traumaexperten, zu denen die Frauen sonst keinen Zugang hätten.