Zugang zu Gesundheitsversorgung, Wasser und öffentlichen Dienstleistungen für Binnenvertriebene und lokale Bevölkerung

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Verbesserung des Zugangs zu sozialen Basisdienstleistungen für Binnenvertriebene und lokale Bevölkerung
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Jemen
Gesamtlaufzeit: 2016 bis 2022

Jemen. Bereitstellung von Trinkwasser in einer Schule. © GIZ

Ausgangssituation

In Jemen herrscht seit März 2015 Krieg. Die Huthi-Bewegung, Ansar Allah, hat die am stärksten besiedelten nördlichen Teile des Landes unter ihre Kontrolle gebracht. Ein Teil des Südens steht unter dem politischen und militärischen Einfluss des Südlichen Übergangsrates (Southern Transitional Council - STC). Die international anerkannte Regierung unter Präsident Abdu Rabbu Mansur Hadi hat nur noch wenig Einfluss im Land, und Präsident Hadi selber befindet sich seit 2015 im Exil. Militärische Unterstützung bekommt seine Regierung durch die von Saudi-Arabien geleitete Militärallianz, die Luftschläge auf oppositionelle Gebiete durchführt. Die Folgen für die Zivilbevölkerung sind verheerend. Große Teile der Infrastruktur sind beschädigt oder zerstört. Lokale Verwaltungsstrukturen sind nicht mehr oder nur noch teilweise funktionsfähig. Millionen von Menschen haben keinen oder nur noch eingeschränkten Zugang zu Trinkwasser-, Sanitär- und Gesundheitsversorgung. Viele von ihnen sind gezwungen, in stabilere Teile des Landes zu fliehen. Die Vereinten Nationen schätzen die Zahl der Binnenvertriebenen auf mehr als dreieinhalb Millionen. Die Versorgungslage verbessert sich allerdings nur selten durch die Weiterreise, denn die Lokalverwaltungen in den Aufnahmeregionen können die zusätzlichen Bedarfe nicht abdecken. Hinzu kommt, dass psychologische Auswirkungen des Krieges aufgrund elementarer Versorgungsengpässe wenig Priorität haben.

Ziel

Der Zugang zu sozialen Dienstleistungen für Binnenvertriebene und für die lokale Bevölkerung in aufnehmenden Gemeinden ist verbessert.

Jemen. Fußballturnier zwischen zwei Schulmannschaften. © GIZ

Vorgehensweise

Das Vorhaben verbessert den Zugang zur Gesundheits-, Trinkwasser- und Sanitärversorgung sowie zu weiteren sozialen Dienstleistungen in den Regionen Ibb, Taiz, Hajjah und al-Hudaydah. Es trägt dazu bei, die Lebenssituation der besonders bedürftigen Bevölkerung in den aufnehmenden Gemeinden sowie der dort lebenden Binnenvertriebenen gleichermaßen zu verbessern. Gemeinsam mit lokalen Partnern werden bedarfsorientierte Kleinmaßnahmen durchgeführt.

Um die Gesundheitsversorgung der lokalen Bevölkerung und der Binnenvertriebenen zu verbessern, nehmen die Lokalverwaltungen Gesundheitszentren wieder in Betrieb. Das Projekt unterstützt sie durch Renovierungsarbeiten an Gebäuden, die Bereitstellung von notwendiger Ausstattung sowie die Fortbildung von medizinischem Personal und Volontären.

Zur Verbesserung der Wasser- und Sanitärversorgung fördert das Vorhaben die Rehabilitierung von Brunnen, den Bau von Sanitäranlagen sowie den Ausbau von Wassernetzwerken und Abwasserleitungen. Außerdem führt es Aufklärungskampagnen zu Gesundheit und Hygiene durch und schult Personal und Bewohner*innen der Gemeinden in der Instandhaltung von wieder in Betrieb genommener Infrastruktur.

Das Vorhaben unterstützt lokale Verwaltungen und die Zivilgesellschaft darin, weitere soziale Dienstleistungen anzubieten. Der Schwerpunkt liegt hier auf besonders bedürftigen Personen wie Frauen, Kindern und Jugendlichen, sowie Menschen mit Behinderungen und anderen sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppen. Beispielsweise werden gemeinsame soziale Aktivitäten zur Gemeinschaftsbildung und zur Bewältigung der Kriegsereignisse durchgeführt.

Das Projekt ist Teil der Sonderinitiative „Fluchtursachen mindern, Aufnahmeregionen stabilisieren, Flüchtlinge unterstützen“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Die geförderten Maßnahmen kommen Binnenvertriebenen und aufnehmenden Gemeinden gleichermaßen zugute. Langfristig mindern sie strukturelle Fluchtursachen wie soziale Ungleichheit und Perspektivlosigkeit.

Wirkungen

Gesundheit. Das Vorhaben unterstützte 22 Gesundheitszentren, die nur noch unzureichende medizinische Hilfe leisten konnten, durch Renovierungsarbeiten und die Beschaffung von notwendiger Ausstattung. Davon profitieren über 314.000 Ortsansässige und Binnenvertriebene. 70 medizinische Fachkräfte lernten mehr über Geburtshilfe, Impfungen und die Behandlung von chronisch unterernährten Patient*innen.

Wasser- und Sanitärversorgung. Zur Verbesserung der Trinkwasser- und Sanitärversorgung unterstützte das Vorhaben unter anderem die Rehabilitierung von sieben Brunnen und den Bau von 150 Latrinen. Mitglieder verschiedener Gemeinden erhielten Fortbildungen zur Wartung und Instandhaltung von Infrastruktur. Zahlreiche Aufklärungskampagnen wurden mit Hilfe von Freiwilligen durchgeführt. Durch diese Maßnahmen konnten die Hygienebedingungen sowie der Zugang zu Trinkwasser und Sanitäreinrichtungen für rund 280.000 Menschen verbessert werden.

Soziale Dienstleistungen. Insgesamt wurden 13 Projekte umgesetzt, welche die Situation besonders vom Krieg betroffener Personen verbessert haben. Beispielsweise wurden 34 Schulpsycholog*innen im Umgang mit Traumata geschult und elf kinderfreundliche Bereiche mit Spielen ausgestattet. Darüber hinaus unterstützte das Vorhaben ein Epilepsie-Zentrum, ein Zentrum für Physiotherapie und eines für Kinder mit Behinderungen bei der Beschaffung notwendiger Ausstattung und der Fortbildung von Personal. 80 Menschen nahmen an Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen teil. Hierdurch verbessern sich ihre Beschäftigungsperspektiven.

Jemen. Fortbildung von medizinischem Personal zum Umgang mit Infektionskrankheiten. © GIZ

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