Verbesserung der psychosozialen Unterstützungsangebote in den jordanischen Aufnahmegemeinden

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Psychosoziale Unterstützung und Traumaarbeit in Jordanien
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) im Rahmen der Sonderinitiative „Fluchtursachen bekämpfen – Flüchtlinge reintegrieren“.
Land: Jordanien
Politischer Träger: Jordanisches Gesundheitsministerium
Gesamtlaufzeit: 2017 bis 2019

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Ausgangssituation

Seit Ausbruch des syrischen Bürgerkrieges 2011 suchen syrische Flüchtlinge vor allem in den angrenzenden Nachbarländern Schutz. Von den fast 673.000 registrierten syrischen Flüchtlingen in Jordanien leben mehr als 81 Prozent in Aufnahmegemeinden außerhalb der Flüchtlingslager, meistens unterhalb der Armutsgrenze. Viele Flüchtlinge müssen nicht nur Kriegs- und Fluchterlebnisse, sondern auch den Verlust ihres Hab und Guts und den Tod von Angehörigen verarbeiten. Darüber hinaus sind sie an ihrem neuen Wohnort mit alltäglichen Herausforderungen konfrontiert und blicken einer unsicheren Zukunft entgegen. Die Erfahrung von Krieg und Vertreibung sowie aktuelle Erlebnisse nähren die Angst der Flüchtlinge und verursachen Stress und Unsicherheit. Viele Flüchtlinge verfügen nicht über ausreichende soziale Kontakte oder Systeme, auf die sie zurückgreifen könnten, um sich selbst, ihre Familien oder ihre Gemeinschaft widerstandsfähiger zu machen (Stärkung der Resilienz).

Mit der Agenda 2030, dem jordanischen Reaktionsplan zur Bewältigung der Syrienkrise (JRPSC 2018-2020), der nationalen Strategie zur Förderung der psychischen Gesundheit von 2011 und dem nationalen Aktionsplan für psychische Gesundheit und Substanznutzung für den Zeitraum 2018-2021 hat sich die jordanische Regierung dazu verpflichtet, die psychische Gesundheit und die psychosozialen Unterstützungsleistungen in den Aufnahmegemeinden zu verbessern. Das Gesundheitssystem ist jedoch kaum in der Lage, den Bedarf der Aufnahmegemeinden an professionellen Dienstleistungen, die durch erfahrenes Personal erbracht werden, zu decken.

Ziel

Die psychosozialen Unterstützungsleistungen, die in ausgewählten jordanischen Aufnahmegemeinden von staatlichen und zivilgesellschaftlichen Akteuren angeboten werden, sind quantitativ und qualitativ verbessert.

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Vorgehensweise

Ein Ziel des Projekts besteht darin, in den Gesundheitszentren von Sahab, Zarqa und Mafraq künftig auch psychosoziale Unterstützungsleistungen anzubieten. Zu diesem Zweck sollen interdisziplinäre Teams aufgebaut werden, die mit ihren psychosozialen Unterstützungsangeboten für Frauen, Männer, Kinder und Jugendliche die Gemeinden erreichen. Die Teams werden durch spezielle Lehrgänge unterstützt, um sie in die Lage zu versetzen, bedarfsgerechte Leistungen in den Gemeinden zu erbringen. Zur langfristigen Förderung der Leistungserbringung soll eine Strategie entwickelt und partizipativ umgesetzt werden. 

Durch interdisziplinäre Veranstaltungen fördert das Projekt den Dialog zwischen den relevanten Akteuren. Dadurch sollen eine gemeinsame Sichtweise auf psychosoziale Unterstützungsleistungen erreicht und das Bewusstsein für deren Bedeutung geschärft werden.

In Zusammenarbeit mit der University of Jordan in Amman und der Yarmouk University in Irbid unterstützt das Projekt die Entwicklung von Hochschulbildungsangeboten zum Thema gemeindebasierte psychosoziale Unterstützung. Die Kurzlehrgänge konzentrieren sich auf die Stärkung der psychosozialen Kompetenzen von Hochschulabsolventen und Fachkräften. Dazu zählen beispielsweise Ärzte, Krankenschwester, Sozialarbeiter oder Schulberater, die in den Aufnahmegemeinden arbeiten.

Das Projekt unterstützt die Anbieter von psychosozialen Leistungen bei Personal- und Selbsthilfemaßnahmen sowie bei der Integration der Angebote auf Ministerebene sowie in Gemeindegesundheitszentren.

Wirkungen

In Zusammenarbeit mit der GIZ bieten die Yarmouk University in Irbid und die University of Jordan in Amman jedes Jahr Kurzlehrgänge zur gemeindebasierten psychosozialen Unterstützung für rund 50 Absolventen und Fachkräfte an. Die Kompaktkurse richten sich an Psychologen, Ärzte, Krankenschwestern, Sozialarbeiter und Gemeindearbeiter und dienen der Verbesserung der psychosozialen Angebote vor Ort.

Um den Diskurs über psychosoziale Angebote in der Region zu fördern, hat das Projekt ein regionales Symposium über psychosoziale Unterstützungsleistungen veranstaltet, an dem fast 100 Vertreter aus Wissenschaft, Umsetzungspraxis und Regierung teilgenommen haben. Ferner fanden anlässlich des Tags der Vereinten Nationen individuelle Dialogveranstaltungen statt, um die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dafür zu sensibilisieren, wie wichtig psychosoziale Unterstützungsangebote gerade für Menschen mit Behinderungen, Frauen und Jugendliche sind.

Mit Unterstützung der GIZ hat das jordanische Gesundheitsministerium eine neue Abteilung für Personal- und Selbstfürsorge aufgebaut. Ein Handbuch mit verschiedenen Ansätzen und Methoden sowie neue Richtlinien sollen helfen, das Thema strukturell zu verankern. Langfristig werden alle 32.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Gesundheitswesen davon profitieren.

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