Psychosoziale Unterstützung und Traumaarbeit

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Psychosoziale Unterstützung und Traumaarbeit
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) im Rahmen der Sonderinitiative „Fluchtursachen bekämpfen – Flüchtlinge reintegrieren“
Land: Jordanien
Politischer Träger: Jordanian Ministry of Health
Gesamtlaufzeit: 2017 bis 2019

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Ausgangssituation

Seit Beginn des syrischen Bürgerkrieges 2011 suchen syrische Flüchtlinge vor allem in den angrenzenden Nachbarländern Schutz. Mit knapp 658.000 registrierten syrischen Flüchtlingen ist Jordanien das zweitstärkste Aufnahmeland. Mehr als 90 Prozent der Flüchtlinge leben außerhalb von Lagern in jordanischen Aufnahmegemeinden, die meisten unter der Armutsgrenze. Viele Flüchtlinge müssen nicht nur Kriegs- und Fluchterfahrungen, sondern auch materiellen Verlust und oft den Verlust nahestehender Menschen bewältigen. Hinzu kommen alltägliche Herausforderungen am Ankunftsort und eine unsichere Zukunftsperspektive. Zurückliegende und neue Erfahrungen wirken sich in Ängsten, Stress und Unsicherheiten aus. Viele Flüchtlinge können nur unzureichend auf soziale Netzwerke und Systeme zurückgreifen, um individuelle und gemeinschaftliche Widerstandsfähigkeit (Resilienz) zu stärken.

Mit der Agenda 2030, dem Jordan Response Plan for the Syria Crisis (2017-2019) und in der nationalen Strategie zur psychischen Gesundheit hat sich die jordanische Regierung verpflichtet, Angebote zur psychischen Gesundheit und psychosozialen Versorgung in Aufnahmegemeinden zu verbessern. Das Gesundheitssystem kann den Anforderungen jedoch kaum nachkommen, entsprechende Angebote durch erfahrenes Personal für die Bevölkerung in den Aufnahmegemeinden zu machen.

Ziel

In ausgewählten Gemeinden sind die psychosozialen Angebote staatlicher und nichtstaatlicher Dienstleister qualitativ und quantitativ verbessert.

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Vorgehensweise

Das Vorhaben arbeitet in zwei Handlungsfeldern:

  1. Kompetenzausbau im Gesundheitssystem: Um die zentralen Herausforderungen in der Gesundheitsversorgung schrittweise zu meistern, wird das Gesundheitsministerium bei der Umsetzung der nationalen Strategien unterstützt. Eine kulturell angepasste sowie gender- und konfliktsensible Versorgung der Bevölkerung soll so sichergestellt werden. In den drei Gesundheitszentren wird darüber hinaus eine Strategie zur nachhaltigen Versorgung erarbeitet.
  2. Kompetenzausbau durch akademische Ausbildung und Vernetzung: Die vorwiegend theoretische Ausbildung von Fachpersonal im Gesundheitswesen soll durch praxisbezogene mehrmonatige Weiterbildungen an Universitäten vertieft werden. An der University of Jordan, Amman und der Yarmouk University, Irbid werden berufsbegleitende Kurse und Kurse für Postgraduierte eingerichtet. Die Kurse zur gemeindenahen psychosozialen Unterstützung richten sich vorwiegend an Psychologen, Ärzte, Krankenschwestern, Sozialarbeiter und Gemeindehelfer, die schon oder zukünftig in Gemeinden mit Flüchtlingen arbeiten. Die Kurse stehen Jordaniern und Syrern offen. Um dem Bedarf an psychosozialer Unterstützung zeitnah gerecht zu werden, werden in den drei Gemeinden Sahab, Mafraq und Zarqa die Gesundheitszentren dabei unterstützt, bedarfsorientierte psychosoziale Interventionen anzubieten. Das Angebot wird in Zusammenarbeit mit lokalen Organisationen intensiviert und ausgeweitet.

 

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Das Vorhaben arbeitet eng mit dem Balsam-Projekt der Hilfsorganisation Help – Hilfe zur Selbsthilfe e.V. und der Charité ‒ Universitätsmedizin Berlin zusammen. Es unterstützt seit 2012 in drei Gesundheitszentren, Sahab, Zarqa und Mafraq, die psychische Versorgung von Patienten.

Eine enge Kooperation besteht auch mit dem Regionalvorhaben „Psychosoziale Unterstützung für syrische und irakische Flüchtlinge und Binnenvertriebene“, das die GIZ im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) durchführt.

Das Projekt ist Teil der BMZ Sonderinitiative „Fluchtursachen mindern, Aufnahmeregionen stabilisieren, Flüchtlinge unterstützen“. Die geförderten Maßnahmen kommen Flüchtlingen und aufnehmenden Gemeinden gleichermaßen zugute. Langfristig mindern sie durch ihren nachhaltigen Ansatz strukturelle Fluchtursachen wie soziale Ungleichheit oder Perspektivlosigkeit. Dieses Projekt unterstützt in ausgewählten Gemeinden die umfassende Verbesserung psychosozialer Angebote staatlicher und nichtstaatlicher Dienstleister.