Entwicklung nachhaltiger Aquakulturen in Myanmar

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Myanmar Sustainable Aquaculture Programme (MYSAP)
Auftraggeber: Europäische Union (EU) und das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Myanmar
Politischer Träger: Ministry of Agriculture, Livestock and Irrigation (MOALI), Department of Fisheries (DoF)
Laufzeit: 2017 bis 2021

Ausgangssituation

Mit einer Küstenlänge von beinahe 2.000 km, mehreren großen Flussdeltasystemen sowie dauerhaft und saisonal bestehenden Binnengewässern bietet Myanmar auf einem Gebiet von 82.000 km2 zahlreichen Wasserlebewesen einen Lebensraum.

Der Fischerei- und Aquakultursektor liefert den größten Teil des Eiweißes und der Mikronährstoffe für die Ernährung der Bevölkerung. Der Sektor beschäftigt rund 3 Millionen Menschen direkt und sichert die Lebensgrundlagen von bis zu 15 Millionen Menschen. Da das Land vor kurzem auf den Weltmarkt zurückgekehrt ist, bieten die reichhaltigen aquatischen Ressourcen der dynamischen Wirtschaft zahlreiche Möglichkeiten zur Schaffung von Arbeitsplätzen und Exporteinnahmen. Berichten zufolge werden in der Aquakultur, insbesondere für Frauen, pro Hektar wesentlich höhere Erträge erwirtschaftet als in der Landwirtschaft, und es entstehen mehr Arbeitsplätze direkt auf den Farmen.

Aufgrund der bestandsgefährdenden Binnen- und Meeresfischerei sind die Wildfischbestände in den letzten Jahrzehnten dramatisch zurückgegangen und in einigen Küstengebieten schätzungsweise auf 10 Prozent des Niveaus von 1979 geschrumpft. Der Wildfang nimmt an Menge und Größe ab und immer mehr Mangrovenwälder werden zerstört, wodurch der natürliche Lebensraum für Wasserlebewesen kleiner wird. Diese Entwicklung stellt eine erhebliche Bedrohung für Ernährung und Einkommenserzielung dar, insbesondere in ländlichen Gebieten, in denen 70 Prozent der Bevölkerung leben.

Diese ländlichen Gebiete haben mit hohen Unterernährungsraten zu kämpfen. So stellen Wachstumsstörungen bei Kindern und Blutarmut bei erwachsenen Frauen und Kindern die sozioökonomische Entwicklung des Landes vor erhebliche Herausforderungen. Myanmar zählt in Bezug auf die Anzahl an chronisch unterernährten Kindern unter fünf Jahren zu den 24 „High Burden“-Ländern mit starker Prävalenz. Die Entwicklung von Aquakulturen ist daher ein Schwerpunktthema für die Regierung des Landes, die jüngst eine großangelegte Kampagne zur Bekämpfung der Unterernährung gestartet hat.

Ziel

Das Myanmar Sustainable Aquaculture Programme (MYSAP) unterstützt die nachhaltige Intensivierung des Aquakultursektors und trägt so dazu bei, das Potenzial zur Verbesserung der Ernährungssicherheit sowie der Ernährungs- und Beschäftigungssituation auszuschöpfen.

Vorgehensweise

Das Programm verfolgt eine umfassende sektorspezifische Strategie, deren Schwerpunkt auf der Verbesserung von Verfahren und Produkten der Süßwasser- und Meeresaquakulturen liegt. Dies umfasst die Bereitstellung von Inputs, Bildungs- und Beratungsleistungen, Produktion und Produktverarbeitung sowie Handel und Konsum. Hauptbegünstigte sind die lokale Bevölkerung und kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in den Binnenregionen Sagaing und Shan, in denen die Fischerei nur schwach ausgeprägt ist, sowie die Küstenregionen Ayeyarwady und Rakhine.

Die erste Phase hat das Ziel, die Ausarbeitung eines umfassenden politischen Rahmenwerks zu fördern, das die Entwicklung einer nachhaltigen Aquakultur im Land begünstigt. Dieser Prozess erfolgt unter der direkten Leitung des politischen Trägers des Programms, des Myanmar Department of Fisheries (DoF), und wird in enger Zusammenarbeit mit privatwirtschaftlichen Verbänden und der örtlichen Zivilgesellschaft durchgeführt.

MYSAP arbeitet auch daran, die Hochschul- und Berufsbildung zu verbessern, um das Dienstleistungsangebot zu optimieren und Myanmar in den Bereichen Aquakultur und Ernährung stärker in internationale Wissensnetzwerke einzubinden. Die politischen Rahmenbedingungen und Bildung schaffen die Grundlage für die Steigerung der Produktivität und der Produktion von hochwertigen Produkten für den inländischen Konsum. Die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit von KMU, die in den Aquakultur-Wertschöpfungsketten der Küsten- und Binnenregionen tätig sind, ist eines der Hauptziele von MYSAP. Durch den Fokus auf KMU und ländliche Gemeinden trägt das Programm dazu bei, geeignete Beschäftigungsmöglichkeiten für gefährdete Bevölkerungsgruppen schaffen, darunter insbesondere Frauen.

MYSAP will dafür sorgen, dass Aquakulturprodukte erschwinglicher werden, insbesondere in den Regionen, in denen die Fischerei derzeit schwach entwickelt ist. Dadurch sollen Ernährungssicherheit und Ernährung verbessert und gleichzeitig ein Bewusstsein für den hohen Nährwert von Aquakulturprodukten geschaffen werden.

Die Zielgruppe umfasst über 250.000 Kleinbauern und andere Akteure des Sektors, z. B. 25.000 Reisbauern, die ihr Einkommen durch eine gemischte Reis-Fisch-Kultur oder die völlige Umstellung auf die Produktion von Aquakulturen steigern könnten, sowie landlose Arbeiter, die von den neuen Beschäftigungsmöglichkeiten profitieren.

Das Programm arbeitet mit allen Gliedern der Aquakultur-Wertschöpfungsketten zusammen, unter anderem mit Bauern, KMU, Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen, privatwirtschaftlichen Verbänden, Hochschulen und weiteren Akteuren und Interessengruppen.

Wirkung

MYSAP unterstützt die Ausarbeitung des National Aquaculture Development Plan, um einen für die Entwicklung nachhaltiger Aquakulturen günstigen institutionellen und politischen Rahmen zu schaffen. Das Programm stellt sicher, dass die Qualität der Dienstleistungen der Aquakultur-Wertschöpfungsketten verbessert wird, und zwar insbesondere in Bezug auf Fischgesundheit und Hygiene, die Entwicklung von Lehrplänen, die Berufsbildung sowie Bio-Zertifizierungen.

Es stellt den Aquakultur-Kleinbauern verlässliche, kostengünstige Eingangsstoffe für die Produktion zur Verfügung und fördert insbesondere natürliche, integrierte Anbausysteme und lokale Aufzuchtanlagen. Dadurch können sich in den Küstenregionen effiziente, resiliente und nachhaltige Aquakultur-Wertschöpfungsketten entwickeln. Gleichzeitig werden verstärkt Mangrovenwälder aufgeforstet und Garnelen-Kleinerzeuger beim Aufbau von Polykultursystemen unterstützt.

Insgesamt leistet das Projekt einen Beitrag zur Steigerung der Produktion und der ernährungsphysiologischen Vorteile in fischarmen Gebieten sowie zur Schaffung von ordentlichen Beschäftigungsmöglichkeiten für die am stärksten gefährdeten Bevölkerungsgruppen, darunter insbesondere Frauen.