Nachhaltige Energie in den Provinzen Midelt und Tata (EDMITA)

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Regenerative Energien und Energieeffizienz in den Provinzen Tata und Midelt (EDMITA)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Marokko
Politischer Träger: Ministerium für Energie, Bergbau und nachhaltige Entwicklung (MEMDD)
Gesamtlaufzeit: 2016 bis 2020

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Ausgangssituation

Die Provinzen Midelt und Tata im Atlasgebirge und im Süden Marokkos verfügen über eine außergewöhnlich hohe Sonneneinstrahlung und erhebliche Energieressourcen an Wind und Biomasse. Der marokkanische Solarplan „Noor“ sieht dort die Installation von Solarkraftwerken mit einer Gesamtkapazität von 2. 000 Megawatt (MW) bis 2020 vor.

Gelegen auf einer Höhe zwischen 1.200 und 3.600 Metern, sind in der Provinz Midelt häufige Schneefälle im Winter üblich. Zum erschwinglichen Heizen benutzen Bewohner oft Brennholz. Allerdings trägt der sehr hohe Holz-Konsum zur Abholzung der Atlas-Wälder bei.

Die Provinz Tata hingegen zeichnet sich durch sehr trockene und heiße Wetterperioden aus. Nicht selten übersteigen die Temperaturen im Sommer 45°C. Die Provinz hat mit starker Wüstenbildung zu kämpfen, die die Palmenplantagen bedrohen. Sowohl Midelt als auch Tata sind stark von der Landwirtschaft abhängig. Viele junge Menschen wandern in die großen Ballungszentren an den Küsten Marokkos ab.

Ziel

Alle Akteure vor Ort - in der Verwaltung, der Zivilgesellschaft und im Privatsektor - haben erneuerbare Energien und eine verbesserter Energieeffizienz in die kommunale und provinziale Entwicklung integriert.

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Vorgehensweise

Das Projekt „Regenerative Energien und Energieeffizienz in den Provinzen Tata und Midelt“ (EDMITA) zielt darauf ab, die Kapazitäten der Menschen und Institutionen in den Provinzen Midelt und Tata zu steigern, um vom Ausbau der erneuerbaren Energien sowie von der Verbesserung der Energieeffizienz wirtschaftlich zu profitieren. Das Potenzial dieser Technologien soll die lokale sozioökonomische Entwicklung fördern. Die durch den Bau der Solarkraftwerke geschaffene Dynamik soll Fertigkeiten und Wissen zur Planung, Finanzierung, Durchführung und Evaluierung von Energieprojekten ausweiten. EDMITA strebt dadurch an, die Lebensbedingungen insbesondere der armen Bevölkerung zu verbessern und lokale Arbeitsplätze zu schaffen. Dafür werden 80 Techniker, Experten und Gewerbetreibende im ausgebildet, darunter 25 Prozent Frauen.

EDMITA unterstützt die Provinzen Midelt und Tata in der partizipativen Planung. Um den Dialog zwischen Menschen und Institutionen zu fördern, richtete das Projekt Kooperationsplattformen ein.  Darüber werden in diesem Jahr in beiden Provinzen Entwicklungsstrategien unter Berücksichtigung nachhaltiger Energie erarbeitet. Vier städtische Gemeinden sind Pilotkommunen des EDMITA-Projekts: Tata, Fam El Hisn, Er-Rich und Midelt. Das Projekt fördert den Erfahrungsaustausch zwischen diesen Gemeinden, die auch für andere Gemeinden Marokkos eine Vorreiterrolle einnehmen sollen. Ausgebildete Energie-Teams und neu eingerichtete technische Systeme dienen dazu, das städtische Energiemanagement systematisch zu verbessern und Strategien zur Berücksichtigung nachhaltiger Energie in den kommunalen Aktionsplänen zu entwickeln. In diesem Rahmen wurden beispielsweise Analysen zur öffentlichen Beleuchtung durchgeführt, die heute die kommunalen Budgets stark belastet.

Um die Öffentlichkeit für erneuerbare Energien und Energieeffizienz zu interessieren und das Bewusstsein für Nachhaltigkeit zu stärken, unterstützt das Projekt den Aufbau von Energieinformationszentren. Hier können sich Bürger über konkrete Anwendungen informieren, aber auch über den künftigen Energiemarkt und die solaren Großkraftwerke. Im Rahmen von EDMITA hat die Berufsschule in Tata einen neuen Ausbildungsgang für Solar-Installateure (Photovoltaik) aufgebaut. Auch die Berufsschule von Midelt ist dabei, einen solchen Ausbildungsgangeinzurichten. Ergänzend zur technischen Ausbildung unterstützt EDMITA auch die Gründung kleiner Unternehmen vor Ort.

20 bis 30 Demonstrationsprojekte werden den wirtschaftlichen Nutzen der erneuerbaren Energien und der Energieeffizienz demonstrieren und die Lebensbedingungen der ortsansässigen Bevölkerung verbessern. Dabei sollen Chancen zur wirtschaftlichen Wertschöpfung durch Kleingewerbe genutzt werden.

GFA Consulting Group GmbH setzt die Aktivitäten in den Zielprovinzen um.

Wirkungen

In den vier Pilotkommunen wurden Energie-Teams eingerichtet und ausgebildet sowie prioritäre Handlungsfelder identifiziert, zu denen sie sich nun untereinander austauschen. Dazu zählt insbesondere die Verbesserung der Energieeffizienz in der öffentlichen Straßenbeleuchtung, zu der Ausbildungsmaßnahmen durchgeführt wurden. Gemeinsam mit der staatlichen Berufsausbildungsinstitution OFPPT konnte ein erster Ausbildungsgang für Photovoltaik-Installateure etabliert werden. Seit Februar nehmen 30 Auszubildende an diesem Lehrgang teil. Darüber hinaus unterstützte EDMITA die Installation von Solaranlagen für die Organisation Al Amal in Tata, die sich für die schulische Ausbildung von Menschen mit Behinderungen einsetzt. Ebenso wurde in einer Grundschule eine Solarheizung angebracht, um angemessene Temperaturen für die Schulklassen zu schaffen. Dadurch wird der Bedarf an Feuerholz reduziert, welches die Eltern den Kindern auf eigene Kosten zur Raumbeheizung mitgeben müssen.