Mütter-, Neugeborenen- und Kindergesundheitsprojekt

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Mütter-, Neugeborenen- und Kindergesundheitsprojekt
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Tadschikistan
Politischer Träger: Gesundheitsministerium der Republik Tadschikistan
Gesamtlaufzeit: 2016 bis 2019

Ausgangssituation

Obwohl Tadschikistan schon zu Sowjetzeiten die ärmste der zentralasiatischen Republiken war, hatte das Bildungs- und Gesundheitswesen des Landes ein vergleichsweise gutes Niveau erreicht. Doch seit der Unabhängigkeit hat das Land nicht mehr ausreichend in diese Bereiche investiert. Dadurch verfällt die soziale Infrastruktur Tadschikistans. Besonders davon betroffen sind Frauen, Kinder, alte und behinderte Menschen. Die Kindersterblichkeit liegt bei 43 Todesfällen auf 1.000 Lebendgeburten, die Neugeborenen-Sterblichkeit bei 22 Todesfällen (2015). Auch die Müttersterblichkeit, die von 116 Todesfällen (1996) auf 32 Todesfälle bei 100.000 Lebendgeburten (2015) sank, ist im weltweiten Vergleich immer noch sehr hoch. Krankheiten wie Tuberkulose und Typhus nehmen zu. Rund ein Drittel der Menschen, insbesondere Kinder, leiden an Unter- oder Fehlernährung. Zudem haben rund ein Viertel aller Einwohner Tadschikistans keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Die tadschikische Regierung hat sich in der Gesundheitsreformstrategie 2010–2020 unter anderem zum Ziel gesetzt, die Sterblichkeitsraten zu senken und das Angebot an Gesundheitsdienstleistungen signifikant zu verbessern. Zu diesem Zweck hat sie Arbeitsgruppen in den Bereichen Gesundheitsmanagement/Regierungsführung, Finanzen, Ressourcen und Dienstleistungen gebildet. Außerdem hat das tadschikische Gesundheitsministerium der Verbesserung der Gesundheitsdienstleistungen, insbesondere für Mütter, Kinder und Neugeborene, oberste Priorität eingeräumt.

Leider fehlt insbesondere in den ländlichen Gebieten der Projektregion ausreichend qualifiziertes Personal, um Frauen, Neugeborene und Kinder angemessen zu versorgen. Diagnose- und Therapiemöglichkeiten sind entweder gar nicht vorhanden oder nur eingeschränkt verfügbar. Das führt dazu, dass das Gesundheitspersonal Notfälle nicht frühzeitig erkennt und die Patientinnen und Patienten nicht lebensrettend behandelt werden. Abgesehen davon verfügen die meisten Krankenhäuser auch über keine angemessene medizinisch-technische Ausstattung.

Ziel

Die Neugeborenen-Sterblichkeit (Todesfälle in den ersten 28 Tagen nach Geburt) ist in den zehn Distrikten der Region Kulob im Khatlon Oblast (Südtadschikistan) signifikant gesunken.

Vorgehensweise

Auf der Basis einer Grundlagenstudie identifiziert das Projekt spezifische Bedürfnisse der einzelnen Krankenhäuser und entwickelt entsprechende Maßnahmen in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium.

Medical Accreditation Centre (MAC)

Darüber hinaus haben sich die regierenden Parteien auf die Einrichtung eines Medical Accreditation Centre (MAC) geeinigt. Aufgabe dieses Zentrums ist es, den medizinischen Einrichtungen innerhalb eine Zulassung zu erteilen und die Qualität der angebotenen Serviceleistungen zu verbessern. Das Projekt stärkt das MAC in fachlicher, personeller und organisatorischer Hinsicht, damit es seinerseits die medizinischen Einrichtungen gezielt auf eine erfolgreiche Zulassung vorbereiten kann. Das Projekt berät das MAC außerdem in wirtschaftlichen Belangen. Das Ziel: Mithilfe eines Businessplans ist das MAC in der Lage, sich finanziell selbst zu tragen.

Lehrpläne

Die Maßnahme überarbeitet Studienordnungen in den Disziplinen Gynäkologie, Geburtshilfe und Neonatologie sowie im Hebammenwesen.

Mutter-Kind-Pass

In Zusammenarbeit mit dem tadschikischen Gesundheitsministerium hat das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) einen Mutter-Kind-Pass erarbeitet. Dessen Ziel ist es, Familien dahingehend zu informieren und zu sensibilisieren, dass sie Gesundheitsdienstleistungen vor, während und nach der Geburt auch tatsächlich in Anspruch nehmen.

Der Pass dokumentiert außerdem, welche Komplikationen während vorheriger Schwangerschaften aufgetreten sind, sodass im Fall einer erneuten Schwangerschaft vorbeugende Maßnahmen ergriffen werden können.

Kinderärzte kontrollieren darüber hinaus das Wachstum der Kinder bis zum zweiten Lebensjahr und dokumentieren dies im Pass. Dadurch erkennen sie frühzeitig Fehlentwicklungen. Zudem beinhaltet der Pass eine Übersicht über sämtliche Impfungen und Informationen zu möglichen Fehlentwicklungen, die Müttern den Umgang mit Schwangerschaft, Geburt und Kindesentwicklung erleichtern.

Wirkung

  • Um das Medical Accreditation Centre (MAC) arbeitsfähig zu machen, modernisierte das Projekt die IT-Ausstattung des MAC
  • Mit Zustimmung des tadschikischen Gesundheitsministers hat MAC begonnen, ausgewählte Krankenhäuser der Projektregion auf die bevorstehende Zulassung vorzubereiten.
  • Die durch MAC angestrebte Akkreditierung der Gesundheitseinrichtung setzt voraus, dass diese Einrichtungen in der Lage sind, eine komplexe Selbstbewertung durchzuführen.
  • Das Projekt hat Ausgangsdaten zur Neugeborenen- und Müttersterblichkeit in jedem der acht Distriktkrankenhäuser der Projektregion erhoben.
  • Eine eigens gebildete Arbeitsgruppe, geleitet durch Medical Education & Partnership aus Litauen, hat die bestehenden Neonatologie-Standards überarbeitet und aktualisiert. Zur Vorbereitung einer möglichst zügigen und reibungslosen Umsetzung dieser Standards ist im Frühjahr 2019 für Vertreter tadschikischer Gesundheitseinrichtungen eine Bildungsreise nach Litauen geplant.
  • Mit Unterstützung der GIZ konnten sich tadschikische Hebammen 2015 in einem eigenen Verband organisieren. Tadschikische Behörden erkannten den Verband 2016 als unabhängige Organisation an. Mittlerweile ist der Tadschikische Hebammenverband auch Mitglied des Internationalen Heb-ammenverbands. Das Projekt führt Workshops durch, um den noch jungen Verband personell und organisatorisch weiter zu stärken. In der Zwischenzeit ist er auf 300 Mitglieder angewachsen und verfügt über ein Leitungsteam in einem von der GIZ ausgestatteten Büro.