Ländliche Entwicklung in Südkirgisistan

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Ländliche Entwicklung in Südkirgisistan; Integrated Rural Development Programme
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Deutschland (BMZ)
Land: Kirgisistan
Politischer Träger: Ministerium für Wirtschaft der Republik Kirgisistan
Gesamtlaufzeit: 2018 bis 2022

Ausgangssituation

30,6 Prozent der kirgisischen Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze, die meisten davon in ländlichen Gebieten, vor allem in den südlichen Regionen Osch, Batken und Dschalal-Abad. Hohe Unterbeschäftigung und mangelnde Einkommensmöglichkeiten zwingen viele junge Menschen, zum Arbeiten ins Ausland zu gehen und durch Rücküberweisungen ihre Familien zu unterstützen. 

Dschalal-Abad ist vor allem durch Landwirtschaft geprägt, in der ein Drittel der Erwerbstätigen beschäftigt ist. Niedrige Produktivität bewirkt allerdings, dass die Einkommen sehr gering sind und die Landwirtschaft nur 16 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt beiträgt. Nur wenige Landwirt*innen sind in marktkonforme Lieferketten integriert. Nicht angepasste landwirtschaftliche Produktionsverfahren gefährden außerdem die ökologische Vielfalt. Die Landwirtschaft birgt jedoch auch große Potenziale für eine umweltfreundliche Produktion, Verarbeitung und eine dementsprechend gute Vermarktung landwirtschaftlicher Waren – zum Beispiel Frühgemüse für lokale Märkte oder Exportprodukte mit Bio-, Fair-Trade- oder Wildsammlungszertifizierung. 

Die Dienstleistungsqualität im Tourismus ist sehr niedrig und wird daher entsprechend gering bezahlt, so dass auch hier die Einkommen sehr niedrig sind. Die Bergregionen, Naturparks und Pilgerstätten in Dschalal-Abad bieten jedoch gute Möglichkeiten, die Tourismusangebote auf ein höheres Niveau zu heben, neue nachhaltige touristische Produkte (z.B. Bildungstouren zu lokaler Flora und Fauna oder Wintertourismus zur Verlängerung der Saison) anzubieten und dadurch bessere Einkommen zu erwirtschaften. Mit Visafreiheit für zahlreiche Länder bietet Kirgisistan gute Voraussetzungen, auch dieses Potenzial zu nutzen.

Ziel

In der Region Dschalal-Abad hat die Bevölkerung mehr Möglichkeiten, besonders durch Tätigkeiten in Landwirtschaft und Tourismus, Einkommen zu erwirtschaften. Durch soziale Maßnahmen werden ärmere und benachteiligte Bevölkerungsgruppen einbezogen, so dass sich insgesamt die Lebensqualität der ländlichen Bevölkerung verbessert.

Vorgehensweise 

Das Projekt wird durch die Europäische Union kofinanziert. Die maßgebliche Einbindung von lokalen Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und zivilgesellschaftliche Organisationen (CSOs) in die Durchführung von Handlungsfeld 1 und 3 über Förderwettbewerbe sorgt für die Verankerung des Wissens in der Region und stärkt gleichzeitig diese Organisationen.

  • Handlungsfeld 1 zielt darauf ab, die Wettbewerbsfähigkeit in jenen Bereichen zu steigern, die Potenzial zu verbesserter Einkommenserwirtschaftung haben. Dies soll durch bessere Zusammenarbeit (etwa in Produzentengruppen, Netzwerken) innerhalb landwirtschaftlicher Wertschöpfungsketten und im Tourismus erreicht werden. 
  • Handlungsfeld 2 verbessert die Verfügbarkeit ländlicher Dienstleistungen: Beratung, Transport und Logistik, Qualitätsprüfung, Einkauf von landwirtschaftlichen Produktionsmitteln, Marktinformation, und Information für Tourist*innen. Dies wirkt sich positiv auf Qualität und Quantität der landwirtschaftlichen und touristischen Produkte aus. 
  • In Handlungsfeld 3 verbessert das Vorhaben die Kapazitäten von lokalen Regierungen, von Organisationen der Zivilgesellschaft und des Privatsektors, gemeinsam soziale und wirtschaftliche Maßnahmen zu planen und umzusetzen. Durch öffentlich-private Dialoge geplante Projekte umfassen dabei Aufgaben des öffentlichen Sektors, der Privatwirtschaft oder der Zivilgesellschaft. Gemeinsam umgesetzt, tragen sie zur sozioökonomischen Entwicklung bei. Soziale Maßnahmen gewährleisten die Einbeziehung der ärmeren Bevölkerung.

In allen Handlungsfeldern werden Jugendliche und Frauen, Angehörige ethnischer Minderheiten und wo möglich Menschen mit Behinderungen integriert. Das Vorhaben berücksichtigt Umweltaspekte und stellt eine ökologische sowie finanzielle Nachhaltigkeit sicher. Anpassungen an den Klimawandel finden vor allem in der Landwirtschaft Berücksichtigung. Durch die Verbindung der Handlungsfelder trägt das Projekt zur Bildung von Netzwerken bei, die auf bestimmte Themen spezialisiert sind. Die Erfahrungen bei der Entwicklung der wirtschaftlichen Netzwerke fließen in die Umsetzung der kirgisischen Regionalentwicklungsstrategie und den angestrebten Masterplan zur Clusterentwicklung ein.