Kultur und Kreativwirtschaft als Entwicklungsmotor

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Globalvorhaben Kultur und Kreativwirtschaft
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Global, Schwerpunkte: Irak, Jordanien, Kenia, Libanon, Senegal, Südafrika
Gesamtlaufzeit: 2018 bis 2020

Ausgangssituation

Die Kultur- und Kreativwirtschaft hat das Potenzial, Entwicklung voranzutreiben und langfristig positiv zu beeinflussen. Der Zusammenhang zwischen Kultur und Entwicklung ist bereits in der Agenda 2030 verankert und findet sich in verschiedenen Entwicklungszielen (Sustainable Development Goals, SDGs) wieder – vor allem in den Zielen 4, 8 und 11. Kultur ist neben der sozialen, wirtschaftlichen und der Umweltdimension das vierte Element ganzheitlicher Entwicklung. Sie ist zudem fester Bestandteil der Zukunftscharta des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und dem Marshallplan mit Afrika.

Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist ein Vorreiter der Arbeitswelt von morgen: wissensbasierte Ökonomie, internetbasierte Kommunikations- und Kooperationsformen sowie hohes Innovationspotenzial stellen grundlegende Charakteristika dar. Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist auf dem Weg zur Querschnittsbranche, die zu den Wertschöpfungsketten vieler anderer Entwicklungsbereiche beiträgt.

Ziel

Die Voraussetzungen für die Nutzung wirtschafts- und entwicklungspolitischer Potenziale der ausgewählten Kreativbranchen in den sechs Partnerländern in Afrika und dem Nahen Osten sowie in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit sind verbessert. Dabei finden benachteiligte Bevölkerungsgruppen besondere Berücksichtigung.

Vorgehensweise

Mit diesem Projekt nutzt das BMZ erstmals das Potenzial der Kreativbranche, entwicklungspolitische Prozesse zu beeinflussen. Die Kultur- und Kreativwirtschaft in den Partnerländern soll strukturell gestärkt werden. Dadurch werden Lebensperspektiven sowie Beschäftigungs- und Bleibeperspektiven verbessert. Gleichzeitig soll die Innovationskraft in den Ländern unterstützt und der soziale Zusammenhalt gefestigt werden. 

Der Schwerpunkt der Aktivitäten liegt in den Ländern Irak, Jordanien, Kenia, Libanon, Senegal und Südafrika. Um kreativ wirtschaftliche Potenziale aufzudecken, sollen zunächst Unterstützungsmodelle erprobt werden.

Das Vorhaben unterstützt Kultur- und Kreativschaffende durch Finanzierung, Beratung und Fortbildung. Dabei erfahren Frauen sowie benachteiligte Bevölkerungsgruppen eine besondere Berücksichtigung. Diese Aktionen sind in den Ländern sehr unterschiedlich: Im Libanon fördert das Projekt beispielsweise die Professionalisierung von Designer*innen (Designresidenz), in Kenia hat das Projekt eine Crowdfunding-Kampagne für Kreativschaffende angestoßen, in Südafrika wird die Umsetzung eines Digitalisierungsfestivals (des Fak’ugesi African Digital Innovation Festival) unterstützt.

Des Weiteren fördert das Projekt die Gründung beziehungsweise den Ausbau von Interessenvertretungen in den verschiedenen Kreativbranchen sowie die Kooperationsbereitschaft der Kreativen untereinander. Es geht dabei vor allem um den Austausch mit staatlichen Institutionen. Die Kreativbranche tritt meist wenig organisiert auf. Dies soll sich durch die Unterstützung des Vorhabens verändern.

Außerdem berät das Projekt das BMZ zu entwicklungspolitischen Maßnahmen und zum entwicklungspolitischen Gestaltungsanspruch des Ministeriums im Bereich der Kultur- und Kreativwirtschaft. Dazu sind beispielsweise Austauschformate zwischen Kreativschaffenden und dem BMZ vorgesehen.

Das Projekt wird gemeinsam mit dem Goethe-Institut umgesetzt.

Wirkungen

  • Das Projekt hat bis Ende Oktober 2019 rund 40 Aktivitäten erfolgreich umgesetzt. Dazu zählen zum Beispiel Workshops, Netzwerktreffen, Onlineplattformen, Lern- und Lehrveranstaltungen und Förderinitiativen. Bisher haben 12.200 Menschen direkt und weitere 25.000 Menschen indirekt profitiert.
  • Kreative und Kulturschaffende fangen an, sich stärker zu organisieren: So hat sich bei der Designresidenz in Jordanien ein Kollektiv von Designer*innen gegründet. In Kenia ist ein regelmäßiger runder Tisch mit Regierungs- und lnteressensvertreter*innen, Kreativen wie auch Unternehmer*innen entstanden. Darüber hinaus wurde die Online-Austauschplattform wabunifu aufgebaut, die über relevante Veranstaltungen in der Branche informiert, Artikel veröffentlicht und Kreativschaffende, Lobbyist*innen und Anwält*innen miteinander verbindet.
  • Das BMZ ist für das Potenzial der Kultur- und Kreativbranche sensibilisiert. Mehrfach konnte das Vorhaben erfolgreich beratend und planend tätig werden. Beispielsweise hat das Projekt die Paneldiskussion zum Thema Crowdfunding auf der re:publica 2019 in Berlin angestoßen und umgesetzt.