Fluchtursachen mindern – Aufnahmeregionen stärken

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Wirtschaftliche Teilhabe von Flüchtlingen und Bewohnern/innen angrenzender Gemeinden in Ruanda
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Politischer Träger: Ministry in Charge of Emergency Management (MINEMA)
Land: Republik Ruanda
Gesamtlaufzeit: 2018 bis 2023

Ausgangssituation

Die Republik Ruanda ist seit Jahrzehnten Zufluchtsort für Menschen auf der Flucht. Ursachen dafür sind die anhaltende politische Instabilität und zahlreiche Konflikte in Zentralafrika und in der Region der Großen Seen. Die Menschen stammen vor allem aus der Demokratischen Republik Kongo und seit 2015 auch aus der Republik Burundi. Wegen der unbeständigen politischen Lage in den Herkunftsländern ist nicht damit zu rechnen, dass die Menschen auf der Flucht in absehbarer Zeit in ihre Heimatländer zurückkehren können. Dadurch entsteht die Herausforderung, diese Menschen wirtschaftlich und sozial in die ruandische Gesellschaft zu integrieren. Allerdings fehlt es ihnen an wesentlichen Dienstleistungsangeboten, wie zum Beispiel berufliche Qualifizierung, Unterstützung bei der Existenzgründung, unternehmerische Fortbildung und Beratung, Förderung der Arbeitsfähigkeit und der Einkommensschaffung oder Hilfen zur Integration in den Arbeitsmarkt. Investitionen in diesen Bereichen sind notwendig. Die wirtschaftliche Integration der Geflüchteten und der Bewohner*innen von ausgewählten angrenzenden Gemeinden ist derzeit unzureichend.

Ziel

Die wirtschaftliche Teilhabe von Flüchtlingen und Bewohner*innen von ausgewählten angrenzenden Gemeinden in Ruanda ist verbessert.

Vorgehensweise

Das Vorhaben möchte die Rahmenbedingungen für die Menschen auf der Flucht im Land sowie in einzelnen Distrikten verbessern. Das Ministry in Charge of Emergency Management wird fachlich und personell gestärkt. Das Projekt sensibilisiert außerdem weitere Ministerien und Institutionen für Maßnahmen zu einer besseren wirtschaftlichen Teilhabe von Menschen auf der Flucht. In den Distrikten unterstützt das Vorhaben die Verwaltungen dabei, Maßnahmen zur Förderung der Wirtschaftsentwicklung in und um die Flüchtlingslager zu identifizieren und umzusetzen. Geplant sind beispielsweise öffentlich-private Dialoge mit Geflüchteten und Bewohnern*innen der angrenzenden Gemeinden.

Darüber hinaus sollen Existenzgründungen und Unternehmenserweiterungen vor allem in den Flüchtlingslagern sowie den umgebenden Regionen gefördert werden. Dazu unterstützt das Vorhaben Existenzgründer*innen, Klein- und Kleinstunternehmer*innen auf der Grundlage von Analysen der wirtschaftlichen Möglichkeiten. Aus- und Fortbildungsprogramme sowie Beratungen zu den Themen Produktion, Handel oder Dienstleistungen sind dazu angedacht. Auch die Vermittlung von Finanzdienstleistungen ist geplant. Bei der Existenzgründung oder Unternehmenserweiterung bietet das Projekt Hilfe über Coachings und Mentoring. Das Vorhaben plant die Unterstützung und Umsetzung verschiedenartiger Entwicklungspartnerschaften mit nationalen oder internationalen Investoren oder bereits existierenden Unternehmen. Ziel dieser Partnerschaften sind die wirtschaftliche Stärkung der Regionen um die Flüchtlingslager und die Schaffung neuer Arbeitsplätze für die Zielgruppe. 

Weiterhin möchte das Projekt die berufliche Qualifizierung von jugendlichen Geflüchteten und jungen Frauen und Männern der angrenzenden Gemeinden verbessern und Maßnahmen durchführen. Dafür gibt es unter anderem Kurzausbildungen zwischen vier und zwölf Monaten gemäß den Standards der ruandischen Berufsbildungsbehörde. Teil dieses Ansatzes sind sowohl Berufsberatung als auch bildende Maßnahmen, vor allem um Wissenslücken bei Geflüchteten zu schließen. Auch eine Nachbetreuung der Jugendlichen ist vorgesehen.

Parallel dazu werden Begleitmaßnahmen zur psychosozialen Unterstützung, Konfliktbearbeitung und Dialogförderung durchgeführt. So werden unter anderem Partner*innen des Projekts, wie beispielsweise Berater*innen, Unternehmer*innen oder Berufsschullehrer*innen, für die psychosozialen Auswirkungen von Flucht- und Gewalterfahrung sensibilisiert. Dies trägt zu einem trauma- und konfliktsensiblen Umgang mit der Zielgruppe und insgesamt zielgruppengerechteren Angeboten bei. Zum anderen gibt es Angebote zum konstruktiven Umgang mit potenziell auftretenden Konfliktsituationen oder Belastungssituationen während der beruflichen Ausbildung, Existenzgründung oder Unternehmenserweiterung. Die Begleitmaßnahmen bieten der Zielgruppe Unterstützung im Umgang mit potenziell auftretenden Belastungen aufgrund ihrer Fluchterfahrung sowie Hilfe in ihrer aktuellen Lebenssituation in und um die Flüchtlingslager.