Wirtschaftliche und soziale Teilhabe von vulnerablen Vertriebenen

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Wirtschaftliche und soziale Teilhabe von vulnerablen Vertriebenen und lokaler Bevölkerung im Südkaukasus (EPIC)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Mehrländervorhaben, Südkaukasus, Georgien, Armenien, Aserbaidschan
Politischer Träger: Ministry of the Internally Displaced Persons from the occupied Territories, Labour, Health and Social Affairs of Georgia; Ministry of Economy of the Republic of Armenia; State Committee for the Affairs of Refugees and Internally Displaced Persons of Azerbaijan 
Gesamtlaufzeit: 2017 bis 2021

Ausgangssituation

Infolge territorialer Konflikte im Südkaukasus mussten hunderttausende Menschen in der Region aus ihrer Heimat fliehen. Aufgrund der andauernden Konflikte ist die Lage der Binnenvertriebenen (internally displaced people, IDPs) in Georgien, Armenien und Aserbaidschan äußerst komplex. Der Umgang mit den Binnenvertriebenen ist innen- als auch außenpolitisch hochsensibel. Im Südkaukasus gehören Binnenvertriebene und Menschen auf der Flucht zu einer besonders vulnerablen Bevölkerungsgruppe, die mit vielen Herausforderungen konfrontiert sind. 

Der Spagat zwischen Integration in die neue und Bindung an die alte Heimat fällt vielen schwer. Hinzu kommen Entwurzelung, abgebrochene Ausbildungen, unzureichenden Unterbringung und mangelnde Zukunftsperspektiven, die die Situation der Binnenvertriebenen und Menschen auf der Flucht erschweren. Hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungsmöglichkeiten sind sie daher besonders benachteiligt. Zusätzlich besteht die Gefahr einer politischen Instrumentalisierung durch Staaten und Interessensgruppen im Südkaukasus. 

Trotz des jüngsten Wirtschaftswachstums müssen alle drei Länder weiterhin Armut und soziale Ausgrenzung überwinden, von der erhebliche Teile der Bevölkerungen betroffen sind. Vertriebenen fehlt es an Zugang zu Bildung und wirtschaftlichen Entwicklungsmöglichkeiten. Die Arbeitslosenquote unter ihnen liegt höher als bei anderen Bevölkerungsgruppen. Dazu sind sie häufig sozial isoliert und haben eine niedrigere Lebenserwartung.

Ziel

Die wirtschaftliche und soziale Teilhabe von benachteiligten Vertriebenen und der lokalen Bevölkerung im Kaukasus ist verbessert.

Vorgehensweise

Dieses Ziel wird durch Maßnahmen in den folgenden vier Handlungsfeldern erreicht:

  • Unterstützung der öffentlichen Verwaltung, um Dienstleistungen für vulnerable Bevölkerungsgruppen besser bereitstellen zu können.
  • Vulnerable Bevölkerungsgruppen werden gefördert. Dabei berücksichtigt das Vorhaben die Beschäftigungs- und Berufsqualifizierung, marktrelevante Berufsorientierung, die Qualifikationen entsprechende Jobs, die Beratung zur Existenzgründung sowie psychosoziale Maßnahmen.
  • Die lokale Privatwirtschaft wird gestärkt, in dem die Nachfrage nach Arbeitskräften erhöht und Einkommens- und Erwerbsmöglichkeiten für vulnerable Personen geschaffen werden.
  • Kommunales und ehrenamtliches Engagement wird unter besonderer Berücksichtigung von Jugendlichen und Frauen unterstützt. Damit soll sich die Teilhabe an sozialen Prozessen vor Ort, die Resilienz der Gemeinden und der gesellschaftliche Zusammenhalt verbessern.

Das Vorhaben verfolgt einen integrativen Ansatz, der alle vulnerablen Bevölkerungsgruppen begünstigt und ihre wirtschaftliche und soziale Teilhabe fördert. Dafür kombiniert das Vorhaben die Förderung der Beschäftigungsfähigkeit und der Existenzgründung mit der Stärkung gemeinnütziger Organisationen und der Zivilgesellschaft. Hierdurch werden verschiedene Aspekte der sozialen Beteiligung abgedeckt. Alle Maßnahmen orientieren sich an den Bedürfnissen der Zielgruppe und denken psychosoziale Unterstützung mit, um die Selbsthilfefähigkeiten der Teilnehmenden zu stärken. Zusätzlich werden staatliche Partner beraten, um Partizipation auch von institutioneller Seite her zu fördern.

Wirkungen

Öffentliche Handlungsträger*innen nutzen ihre verbesserten Fähigkeiten, um bedarfsorientierte Ansätze für vulnerable Bevölkerungsgruppen zu entwickeln und umzusetzen. Aktuell entstehen zehn neue Services, von denen bis zu 40.000 Personen profitieren. 

Begünstigte von Maßnahmen zur Förderung von Beschäftigungsfähigkeit und Existenzgründung nutzen ihre verbesserten Fähigkeiten, um Arbeitsplätze zu finden oder Unternehmen zu gründen. Bislang fanden 280 Personen einen Arbeitsplatz und über 150 Personen gründeten ein Unternehmen. Kleinst-, kleine und mittlere Unternehmen (KKMU) optimieren mit Unterstützung des Vorhabens ihre Wertschöpfungsketten, steigern ihre Produktivität und schaffen so zusätzliche Arbeitsplätze. 

Im gesellschaftlichen Bereich werden insbesondere Frauen und Jugendliche durch interessante Aktivitäten, Motivationstrainings und mittels neuer (selbstverwalteter) Räume ermutigt und befähigt, vor Ort sozial aktiv zu werden. So tragen Frauen- und Jugendgruppen zur Lösung lokaler Bedürfnisse bei und beteiligen sich sicht- und hörbar am Leben in der Gemeinschaft.

Stand: April 2021