Förderung eines klimafreundlichen Strommarktes in der ECOWAS-Region (ProCEM)

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Förderung eines klimafreundlichen Strommarktes in der ECOWAS-Region
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Die Mitgliedstaaten der ECOWAS: Benin, Burkina Faso, Cabo Verde, Côte d'Ivoire, Gambia, Ghana, Guinea, Guinea-Bissau, Liberia, Mali, Niger, Nigeria, Senegal, Sierra Leone und Togo
Politischer Träger: Die ECOWAS-Kommission
Gesamtlaufzeit: 2018 bis 2020

Image CEDEAO

Ausgangssituation

Nach wie vor ist die unzureichende und unzuverlässige Energieversorgung ein großes Hindernis für die Entwicklung der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS). Nur etwa 42 Prozent der 340 Millionen Menschen in der Region haben Zugang zu elektrischem Strom. Vor diesem Hintergrund wird ein gemeinsamer regionaler Strommarkt für alle 15 ECOWAS-Staaten zunehmend als die bessere Alternative zum Status quo erkannt. Er soll eine verstärkte grenzüberschreitende Nutzung von erneuerbaren Energien und anderen sauberen Energieträgern sowie die Stabilisierung der Stromversorgung ermöglichen.

Das ProCEM-Programm baut auf den wertvollen Beiträgen des Vorgängerprogramms (2013–2017) auf, mit dem das Ziel verfolgt wurde, in der Region die Rahmenbedingungen für die Nutzung von erneuerbaren Energien zu schaffen. Dabei wurden in drei Bereichen wichtige Ergebnisse erzielt: Bei der Stromgewinnung aus erneuerbaren Energien standen fachliche Unterstützungsleistungen für die einzelnen ECOWAS-Staaten sowie die Unterstützung bei der Planung von netzgebundenen Erneuerbare-Energien-Projekten im Mittelpunkt. Im Bereich der Stromverteilung wurde an Best Practices und Ansätzen zur Verringerung der Übertragungsverluste gearbeitet. Und im Hinblick auf den Aufbau eines regionalen Strommarktes lag der Fokus auf der Entwicklung wesentlicher Regulierungsinstrumente für einen funktionierenden grenzüberschreitenden Stromhandel. Durch intensive, maßgeschneiderte Capacity-Building-Maßnahmen wurden die wichtigsten Marktakteure in den für ihre Aufgaben erforderlichen Kompetenzen gestärkt. 

Trotz dieser bemerkenswerten Erfolge sind die wesentlichen Rahmenbedingungen für einen nachhaltigen und klimafreundlichen Strommarkt in der ECOWAS-Region weiterhin unzureichend.

Ziel

Das Programm hat die wesentlichen Rahmenbedingungen für einen klimafreundlichen Strommarkt in der ECOWAS-Region verbessert. Durch länderspezifische Maßnahmen ist es gelungen, die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien zu steigern, wodurch indirekt der Druck auf die fossilen Energieträger erhöht und die daraus folgenden Umweltschäden reduziert werden. Die langfristig erzielte Minderung der Treibhausgasemissionen ist ein Beitrag zum Klimaschutz. 

Power distribution lines

Vorgehensweise

ProCEM richtet sich an die 15 ECOWAS-Mitgliedstaaten und umfasst Maßnahmen zur Förderung der erneuerbaren Energien und der Energieeffizienz sowie eines funktionierenden regionalen Strommarktes. Die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH führt das Programm in Zusammenarbeit mit drei Partnerorganisationen durch: dem westafrikanischen Stromverbund (West African Power Pool – WAPP oder frz. EEEOA) mit Sitz in Benin, dem ECOWAS-Zentrum für erneuerbare Energien und Energieeffizienz (ECOWAS Centre for Renewable Energy and Energy Efficiency – ECREEE) mit Sitz in Cabo Verde und der ECOWAS-Stromregulierungsbehörde (ECOWAS Regional Electricity Regulatory Authority – ERERA oder frz. ARREC) mit Sitz in Ghana.

Ein Teil des Programms wird durch die Europäische Union kofinanziert. Die entsprechende Komponente trägt den Titel: „Verbesserung der Governance des Erneuerbare-Energien- und Energieeffizienz-Sektors in Westafrika“ (bekannt unter dem französischen Akronym AGoSEREE-AO). AGoSEREE-AO ist ein fester Bestandteil von ProCEM, und die Maßnahmen dieser Komponente werden ausschließlich in Zusammenarbeit mit dem ECREEE durchgeführt.

Ein wichtiger Aspekt ist auch die Harmonisierung der Programmmaßnahmen mit weiteren bilateralen GIZ-Projekten, insbesondere in Nigeria, Ghana, dem Senegal und Togo, sowie die Abstimmung mit anderen Gebern wie der US-Behörde für Entwicklungszusammenarbeit (USAID), der Internationalen Organisation für Erneuerbare Energien (IRENA) und der Weltbank.

Female Installer during practical examination in ESP Dakar

Wirkung

  • Förderung der erneuerbaren Energien: 
    In ausgewählten ECOWAS-Staaten wie Benin, Niger, Senegal, Guinea und Sierra Leone wurden die Hauptakteure des Energiesektors (die Energieministerien, die Behörden für erneuerbare Energien und die Regulierungsbehörden sowie die nationalen Stromunternehmen) fachlich unterstützt, um die bestehenden rechtlichen, regulatorischen und technischen Voraussetzungen für netzunabhängige und netzgebundene Erneuerbare-Energien-Projekte zu verbessern. Außerdem wurde eigens eine Stelle für fachliche Unterstützung eingerichtet, die ihre Leistungen auf Anfrage ausgewählten netzgebundenen Erneuerbare-Energie-Projekten in Benin, Mali und Senegal zur Verfügung stellt und so deren Entwicklung vorantreibt. In Zusammenarbeit mit anderen Gebern wie der IRENA war das Projekt an der Realisierung des westafrikanischen Korridors für saubere Energie (West African Clean Energy Corridor – WACEC) beteiligt, und zwar durch die Entwicklung und regionale Validierung der Umsetzungsstrategien für Solar-, Wind- und Wasserenergiekorridore. 30 ausgewählte Fachkräfte aus verschiedenen Stromunternehmen sowie 15 Ausbilder von den regionalen Kompetenzzentren wurden in einer Schulung im Hinblick auf Windenergieprojekte und die WACEC-Initiative fachlich auf den neuesten Stand gebracht. Damit sichergestellt ist, dass die Photovoltaik-Fachkräfte in der Region über die erforderlichen Kompetenzen verfügen, um ihre Arbeit sicher und effektiv auszuführen, hat das Projekt die Umsetzung eines ECOWAS-Zertifizierungsprogramms zur Qualifikation im Bereich der nachhaltigen Energieerzeugung unterstützt. Im Senegal, in Ghana und Nigeria wurden die ersten Prüfungen durchgeführt, und die erfolgreichen Absolventen sind jetzt regional zertifizierte Installateure für netzunabhängige Photovoltaikanlagen. Zurzeit wird an einer Zertifizierungsstufe für fortgeschrittene Photovoltaik-Fachkräfte gearbeitet.
  • Förderung der Energieeffizienz:
    Für drei Arten von Elektrogeräten (Lüfter, Fernseher und Warmwasserbereiter) wurden Energieeffizienz-Mindeststandards entwickelt und durch regionale Akteure sowie die nationalen Normierungsbehörden in den ECOWAS-Ländern validiert. Im Hinblick auf die Energieeffizienz der Verteilnetze haben ausgewählte Mitarbeiter aus 23 Stromversorgungsunternehmen der ECOWAS-Region in einer fachlichen Schulung Methoden zur Berechnung von Übertragungsverlusten kennengelernt und Lizenzschlüssel für das Software-Tool NEPLAN erhalten, das sie bei ihrer Arbeit nutzen können. In etwa 10 ECOWAS-Ländern werden die Stromversorger dabei unterstützt, bankfähige Projekte zur Reduzierung von Übertragungsverlusten zu entwickeln. Außerdem finden im Rahmen des Programms jährliche Lern- und Austauschforen statt, damit die Maßnahmen- und Lernsynergien zwischen den einzelnen Stromversorgern auch in Zukunft weiterbestehen.
  • Förderung eines funktionierenden regionalen Strommarkts:
    Dank der erhaltenen Unterstützung war die ERERA in der Lage, regionale Regulierungs- und Marktaufsichtsinstrumente zu entwickeln und zu prüfen. Für die Mitarbeiter der nationalen Stromunternehmen und die Ausbilder an den regionalen Exzellenzzentren wurden intensive, fachlich relevante Schulungen durchgeführt.