Förderung von Unternehmens- und Finanzdienstleistungen

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Förderung von Unternehmens- und Finanzdienstleistungen
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Namibia
Politischer Träger: Ministry of Industrialisation, Trade and SME Development (MITSMED)
Gesamtlaufzeit: 2018 bis 2021

Ausgangssituation

Zwar stuft die Weltbank Namibia 2017 mit einem Pro-Kopf-Einkommen von 5.230 US-Dollar pro Jahr als „Land mit mittlerem Einkommen im oberen Bereich“ ein, doch befindet sich das Land in einer wirtschaftlich schwierigen Lage. So ist die namibische Volkswirtschaft in den Jahren 2017 und 2018 um 0,95 Prozent bzw. 0,1 Prozent geschrumpft – eine Entwicklung, die sich 2019 fortgesetzt hat. Die inländische Wertschöpfung ist gering, und die Rohstoffe, die das Land ausführt, werden in der Regel unverarbeitet exportiert, während Fertigerzeugnisse und Konsumgüter eingeführt werden müssen. Die Arbeitslosenquote lag 2018 bei 33,4 Prozent und für junge Namibier*innen zwischen 15 und 34 Jahren bei 46,1 Prozent. Hinzu kommt eine äußerst ungleiche Verteilung von Einkommen und Vermögen. So müssen 13,4 Prozent der namibischen Bevölkerung mit weniger als 1,90 US-Dollar pro Tag auskommen.

Zur Bekämpfung der Armut gilt es, das Wirtschaftswachstum zu steigern, die inländische Wertschöpfung zu stärken und private Investoren zu gewinnen. Unternehmen, die in Namibia tätig werden wollen, stehen derzeit vor mehreren Herausforderungen: Die Binnennachfrage ist aufgrund der geringen Kaufkraft der Bevölkerung schwach. Erschwerend hinzu kommen die Größe des Landes und, damit verbunden, die geringe Bevölkerungsdichte. Darüber hinaus steht Namibia innerhalb einer Zollunion (SACU) im direkten Wettbewerb zu der industrialisierten Wirtschaft des Nachbarlandes Südafrikas, das gleichzeitig der wichtigste Handelspartner des Landes ist. Für Unternehmen in Namibia ist der Zugang zu Finanzierungslösungen schwierig, da vergleichsweise wenige Finanzdienstleister Produkte für die Bedarfe von Kleinst-, Klein- und mittelgroßen Unternehmen (KKMU) im Portfolio haben. Die vergleichsweise guten Rahmenbedingungen für Investitionen – das Land kann Rechtssicherheit, stabile demokratischen Strukturen und eine solide Geld- und Finanzpolitik vorweisen – werden derzeit von verschiedenen Aspekten überschattet, wie z. B. der Herabstufung der Kreditwürdigkeit Namibias durch internationale Ratingagenturen, der Diskussion um den New Equitable Economic Empowerment Framework (NEEEF), die Bodenreform oder den Rückzug der Schwenk-Gruppe mit dem Verkauf von Ohorongo Cement.

Vor diesem Hintergrund fällt es den Unternehmen in Namibia schwer, ihr Wachstumspotenzial zu nutzen und zum übergreifenden namibischen Entwicklungsplan „Vision 2030“ beizutragen. In diesem Entwicklungsplan wird das Bild eines „wohlhabenden und industrialisierten Namibia“ gezeichnet, das „von seinen Menschen entwickelt wird“, in dem das „Wohl der Menschen“ im Vordergrund steht und das ein „gerechtes und ausgewogenes Wachstum mit einer florierenden Industrie“ anstrebt.

Zur Realisierung der Vision 2030 und zur Förderung der Wettbewerbsfähigkeit der namibischen Wirtschaft wurden in den letzten Jahren die Industriestrategie für den Zeitraum 2012-2030, die Umsetzungsstrategie „Growth at Home“ (2015-2020), die Strategie für den namibischen Finanzsektor (2011-2021), die KMU-Finanzierungsstrategie (2018-2021), die Politik zur Förderung von KKMU (2016-2021) und der aktuelle nationale Entwicklungsplan NDP5 (2017-2022) formuliert. Der Schwerpunkt des 5. Nationalen Entwicklungsplans liegt auf der Industrialisierung des Landes im Sinne eines Strukturwandels sowie der Diversifizierung der Wirtschaft. Dazu gehören die Steigerung der Wertschöpfung bei vorhandenen Produkten und Sektoren sowie die Entwicklung des Humankapitals durch Bildung und Qualifizierungsmaßnahmen.

Ziel

Namibische Unternehmen schöpfen ihr Wachstumspotenzial aus.

Vorgehensweise

Das Programm „Förderung von Unternehmens- und Finanzdienstleistungen für eine Transformation der Wirtschaft“ (ProBATS) ist ein deutsch-namibisches Projekt der technischen Zusammenarbeit für eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung. Dabei arbeitet das Projekt mit seinen Partnerministerien, dem Ministerium für Industrialisierung, Handel und KMU-Entwicklung (MITSMED) sowie dem Finanzministerium (MoF) eng zusammen. ProBATS ist das Nachfolgeprojekt des Projekts Promotion of Competitiveness of the Namibian Economy (ProCOM). Während ProCOM die namibische Regierung bei der Entwicklung verschiedener Politik- und Strategiepapiere unterstützt hat, konzentriert sich ProBATS auf die Umsetzung dieser Strategien zur Entwicklung der Privatwirtschaft und der Finanzsysteme, um so das Unternehmenswachstum und den damit verbundenen Anstieg von Beschäftigung und Einkommen zu fördern.

Das Projekt besteht aus zwei Komponenten:

(1) Mit der Komponente „Förderung des Privatsektors“ setzt das Projekt Wachstumsstrategien für ausgewählte Industrien um und sorgt dafür, dass die Dienste zur Unterstützung der Unternehmen bei der Geschäftsentwicklung bedarfsgerecht verbessert werden. Darüber hinaus soll das Namibian Investment Centre (NIC) bei der Gewinnung von weiteren privaten Investoren unterstützt werden. Dazu werden die im Rahmen des Vorgängerprojekts ProCOM entwickelten Wachstumsstrategien für ausgewählte Branchen umgesetzt.

(2) Mit der Komponente „Entwicklung des Finanzsystems“ verschafft das Projekt den KKMU des Landes einen besseren Zugang zu Finanzierungslösungen. Im Rahmen der Strategie für den Finanzsektor arbeitet das Vorhaben mit der Namibian Development Bank (DBN), der Bank of Namibia (BoN) und der Namibia Financial Institutions Supervisory Authority (NAMFISA) an der Beseitigung der Finanzierungsengpässe, mit denen sich namibische Kleinunternehmen konfrontiert sehen. Darüber hinaus leistet das Projekt einen Beitrag zur Verbesserung der Regulierung des Finanzsektors sowie zur Stärkung der Finanzkompetenz von KKMU. Ferner fördert das Vorhaben die Weiterentwicklung des Verbraucherschutzes und stärkt zu diesem Zweck insbesondere die Transparenz im Finanzsektor. Die beiden Komponenten „Förderung des Privatsektors und „Entwicklung des Finanzsystems“ werden komplementär dazu genutzt, um im Rahmen der Growth-at-Home-Strategie neue Finanzierungsmöglichkeiten zu erschließen und für die Umsetzung von sektoralen Wachstumsstrategien nutzbar zu machen und die Bankfähigkeit von KKMU durch leistungsfähigere Unterstützungsdienste zu verbessern.

Wirkung

Es wurden verschiedene Dialogformate zwischen der Privatwirtschaft in ausgewählten Wertschöpfungsketten und Vertreter*innen öffentlicher Institutionen zur Umsetzung von Sektorstrategien eingerichtet. Dadurch wurden insbesondere folgende Wirkungen erzielt:

  • Entwicklung und Einführung einer neuen, effizienten und umweltfreundlichen Technologie (Pyrolyse) zur Steigerung der Kapazität, Effizienz und Nachhaltigkeit der Holzkohleproduktion.
  • Verbesserung der Exportfähigkeit der Kosmetikindustrie und Teilnahme an internationalen Fachmessen, Verkaufsausstellungen und Konferenzen.
  • Vorbereitung auf die Wiederaufnahme der Ausfuhr von Wildfleisch in die Europäische Union (EU).
  • Entwicklung der „Mine Stone“-Initiative, bei der die in Namibia geförderten Edelsteine zu hochwertigen Produkten weiterverarbeitet werden, um einen möglichst großen Teil der Wertschöpfung im Land zu halten. Weitere Schwerpunkte der Initiative sind Transparenz und Nachhaltigkeit.
  • Darüber hinaus hat ProBATS ein elektronisches System eingeführt, mit dem die Umsetzung der Growth-at-Home-Strategie dokumentiert, gesteuert und überwacht wird. Mit diesem System kann das MITSMED aktuelle Informationen über alle bisherigen und laufenden Maßnahmen zur Unterstützung von Unternehmen abrufen und bereitstellen.
  • Die Verfahren zur Eintragung von Unternehmen wurden durch die Einführung einer Online-Eintragung bei der Business and Intellectual Property Authority (BIPA) digitalisiert und beschleunigt.
  • Die namibische Entwicklungsbank DBN hat mit Unterstützung von ProBATS mit der Umsetzung der KMU-Finanzierungsstrategie begonnen, wobei das Kreditbürgschaftsprogramm und das Mentoring- und Coaching-Programm bis Ende 2019 öffentlich zur Verfügung stehen sollen.
  • Die Financial Literacy Initiative hat in drei Regionen Start-up-Festivals ausgerichtet und damit mehr als 1.000 Start-ups, KKMU und potenzielle neue Unternehmen mit Maßnahmen zur Verbesserung der finanziellen Bildung erreicht.
  • Pitching for Business Funding hat Finanzmanagement-Schulungen für die Vertreter*innen von mehr als 160 KKMUs durchgeführt. Davon wurden 40 mit insgesamt 256.000 namibischen Dollar gefördert, um besonders gute Geschäftsideen zu realisieren bzw. weiterzuentwickeln.
  • Das Projekt hat die One-Economy Foundation bei der Entwicklung und Einführung eines unbesicherten Gruppenkredits für KKMUs unterstützt, die ansonsten keine Möglichkeit haben, formale Finanzierungslösungen in Anspruch zu nehmen.