Tourismus fördern: Eine Chance für den ländlichen Raum

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Nachhaltiger Tourismus zur Beschäftigungs- und Einkommensförderung im ländlichen Raum
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Marokko
Politischer Träger: Marokkanisches Hochkommissariat für Gewässer, Wälder und Desertifikationsbekämpfung (HCEFLCD)
Gesamtlaufzeit: 2015 bis 2020

Ausgangssituation

Arbeitslosigkeit und fehlende berufliche Perspektiven im ländlichen Raum zählen zu den größten Problemen in Marokko. Schätzungsweise 18 Prozent der Bevölkerung gilt als arm. Junge Menschen wandern deshalb vermehrt in städtische Zentren ab. Frauen in ländlichen Regionen verfügen über wenig Bildung und sind kaum in gesetzlich geregelte Arbeitsverhältnisse integriert. 

Für ein stabiles soziales und politisches Umfeld sowie für wirtschaftlichen Wohlstand sind Jobs notwendig. In der Küstenregion Souss Massa und der Gebirgsregion Béni Mellal-Khénifra (Hoher Atlas) profitiert die lokale Bevölkerung von der bisher existierenden touristischen Nutzung natürlicher und kultureller Gegebenheiten nur wenig. Die Qualität, Umweltverträglichkeit, Vielfalt und Vermarktung bestehender Angebote sind ungenügend.

In der Agenda „Vision 2020“ sieht Marokko eine breitere wirtschaftliche Entwicklung und Dezentralisierung vor. Tourismus ist eine Möglichkeit, um Wirtschaftswachstum und gleichzeitig neue Arbeitsplätze in ländlichen Regionen zu schaffen. Dabei sollen bisher ungenutzte Potenziale vielfältiger Naturlandschaften und kultureller Attraktionen durch naturbasierten Tourismus erschlossen werden.

Ziel

Ländliche und benachteiligte Bevölkerungsgruppen profitieren von der touristischen Inwertsetzung natürlicher und kultureller Ressourcen in den beiden Pilotregionen Souss Massa und Beni Mellal-Khénifra.

Vorgehensweise

Das Vorhaben fördert den Aufbau von Kompetenzen bei öffentlichen und privaten Partner*innen. Federführen für die Aktionen sind die Träger des Vorhabens, das Hochkommissariat für Gewässer, Wälder (HCEFLCD) und das Tourismusministerium. 

Touristische Unternehmer*innen und Existenzgründer*innen erhalten Beratung beim Ausbau touristischer Angebote. In vier Versuchsgebieten betreiben lokale und regionale Akteure in modellhafter Zusammenarbeit integriertes Zielgebietsmanagement. Natur und Kultur sollen eine schonende touristische Nutzung erfahren. Außerdem unterstützt das Projekt bei der Qualifizierung von Jugendliche und Frauen für die Tourismuswirtschaft. Geplant sind Aus- und Fortbildungen für direkte Beschäftigung bei Tourismusfirmen, bei lokalen Produkt-Lieferketten sowie für Hotels und Besucher*innen.

Das Vorhaben unterstützt den Aufbau von vier neuen touristischen Unterkünften und acht Restaurants. Weiterhin fördert es innovative touristische Angebote, Kletter- und Angelsport, Vogelbeobachtung, Canyoning und Wandern.

Mit seinen Erfolgen trägt das Vorhaben zur sozio-ökomischen Entwicklung in vier Zielgebieten bei und wirkt der Landflucht entgegen. Der Projektansatz zur Schaffung von Arbeitsplätzen und Einkommenssicherung bzw. -erhöhung für die ländliche Bevölkerung zeigt bedeutsame und relativ schnell erzielte nachhaltige Wirkungen. 

Wirkungen

Das Vorhaben hat zunächst Wertschöpfungsketten identifiziert und erarbeitet. Wichtig dabei waren touristische Angebote, Naturprodukte und Dienstleistungen, bei denen Wertschöpfung und Einkommen tatsächlich in den Zielregionen verbleiben und nicht durch touristische Großanbieter in die Metropolen oder ins Ausland fließen. Hervorzuheben ist dabei auch die hohe Teilhabe von Frauen. 

  • Bisher haben mehr als 1.700 Menschen in den ländlichen Projektregionen ihre Beschäftigung und/oder ihr Einkommen im Tourismus und Wertschöpfungsketten verbessert und gesichert. Mehr als 1.200 davon waren Frauen.
  • Über 428 Menschen haben eine neue oder erweiterte Beschäftigung durch den Tourismus gefunden. 
  • Für 730 Menschen, darunter 562 Frauen, haben sich Arbeitsbedingungen und Entlohnung im Tourismus deutlich verbessert. 
  • 175 Menschen haben eine neue Beschäftigung durch Binnenaquakultur gefunden. Eine ökologische Aquakulturanlage erzielt Einkünfte durch Fischverarbeitung und den Verkauf an die Gastronomie.

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