Stärkung der Kapazitäten zur Friedenssicherung und Konfliktlösung in Zentralnigeria

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: PEACECORE – Stärkung der Kapazitäten zur Friedenssicherung und Konfliktlösung in Zentralnigeria
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Nigeria
Politischer Träger: Nigerianisches Ministerium für die Haushalts- und die nationale Planung (Ministry über Budget and National Planning)
Gesamtlaufzeit: 2019 bis 2023

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Ausgangssituation

Der Bundesstaat Plateau in Zentralnigeria ist von Konflikten geprägt, die zu Vertreibungen und einer allgemeinen Unsicherheit führen. Dies wiederum hat negative Auswirkungen auf die Land- und Viehwirtschaft, denn durch die Konfliktfolgen werden Wertschöpfungsketten unterbrochen und die Selbstversorgungsmöglichkeiten der Landbevölkerung beeinträchtigt.

Den derzeit herrschenden Spannungen liegen verschiedene Konflikte zu Grunde: So konkurrieren Bauern und Viehhirten um natürliche Ressourcen wie Wasser und Land; gleichzeitig bestehen stark divergierende politische und wirtschaftliche Interessen; überdies leben in diesem Bundesstaat Bevölkerungsgruppen mit unterschiedlichen kulturellen, religiösen und ethnischen Identitäten zusammen. Aufgrund des starken Bevölkerungswachstums hat der Druck auf die natürlichen Ressourcen in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen: Der Klimawandel führt dazu, dass immer mehr Viehhirten aus dem Norden nach Zentralnigeria abwandern. Darüber hinaus werden Acker- und Siedlungsflächen ausgedehnt, wodurch weniger Weideland zur Verfügung steht; gleichzeitig hat die Agrarpolitik hat die Lage der Viehhirten noch komplexer und schwieriger gemacht. Dies hat zur Folge, dass traditionelle Mechanismen und Vereinbarungen zur Konfliktbewältigung nicht mehr angewendet bzw. eingehalten werden. So nimmt die Zahl der Streitigkeiten um Ernteschäden, verschmutztes Wasser, degradiertes Land und Viehdiebstahl zu; die daraus resultierenden Konflikte führen häufig zu gewaltsamem Auseinandersetzungen.

Ziel

Die Rahmenbedingungen für staatliche und zivilgesellschaftliche Akteure sowie für Bauern und Viehhirten als Zielgruppe sind im Hinblick auf die Deeskalation gewaltsamer Ressourcenkonflikte im zentralnigerianischen Bundesstaat Plateau verbessert.

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Vorgehensweise

PEACECORE ist ein Projekt der Übergangshilfe und verfolgt das Ziel, eine friedliche Koexistenz, eine inklusive Friedenskonsolidierung, Konflikttransformationsprozesse, die Armutsbekämpfung, eine nachhaltige Existenzsicherung und die Ernährungssicherheit zu fördern. Das Projekt verfolgt einen partizipativen und inklusiven Ansatz, um zu gewährleisten, dass die betroffenen und von dem Projekt begünstigten Gemeinden Eigenverantwortung übernehmen. Die tatsächlichen Bedürfnisse der Zielgruppen werden in den Projektmaßnahmen berücksichtigt. Durch die konsequente Ausrichtung des Projekts auf die Stärkung der Selbsthilfefähigkeiten der Zielgruppen werden die Prinzipien „leave no one behind“ und „do no harm“ eingehalten und eine ökonomisch, ökologisch und sozial nachhaltige ländliche Entwicklung gefördert.

Das Projekt besteht aus drei Komponenten:

(1) Auf der Makroebene unterstützt das Projekt die Organisationsentwicklung der Plateau Peace Building Agency (PPBA). Dazu stärkt das Projekt die Kapazitäten der Agentur zur Koordinierung von friedensfördernden Maßnahmen, trägt zur Entwicklung und Umsetzung von Konzepten für den Aufbau von dezentralen Strukturen bei, bildet lokale Mediatorinnen und Mediatoren zur Vermittlung bei Konflikten um natürliche Ressourcen aus und unterstützt Advocacy- und Dialogprozesse. Das Projekt arbeitet auch mit der DWEC-Gruppe zusammen, um Strukturen für Traumabearbeitung und Versöhnung zu entwickeln.

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(2) In Zusammenarbeit mit dem Norwegischen Flüchtlingsrat (NRC) befasst sich das Projekt mit den Zusammenhängen zwischen einer friedlichen Koexistenz und dem wirtschaftlichem Empowerment von Viehhirten und Bauern, Christen und Muslimen, jungen und älteren Menschen sowie Männern und Frauen. Auf der Mikro- und Mesoebene werden Bauern und Viehhirten in Bezug auf verschiedene Aspekte einer nachhaltigen Landwirtschaft geschult. Dazu gehören der Aufbau neuer Kooperativen und Verbände, die Stärkung von ausgewählten Strukturen, die bereits bestehen, die Diversifizierung von Wertschöpfungsketten und Lebensgrundlagen sowie die Wiederbelebung und Ausweitung traditioneller Handelsmechanismen. Darüber hinaus werden im Rahmen von Cash for Work-Maßnahmen Teile der Infrastruktur wieder ertüchtigt bzw. neue Infrastrukturen errichtet. Zu den Maßnahmen für ein friedliches Zusammenleben gehören die Förderung des sozialen und kulturellen Dialogs zwischen Konfliktgruppen, die Unterstützung von Friedensprozessen und die Förderung von Gemeindeveranstaltungen. Darüber hinaus leistet das Projekt einen Beitrag zur Stärkung der Kapazitäten für eine konfliktsensible Medienberichterstattung; die entsprechenden Maßnahmen werden von Search for Common Ground durchgeführt.

(3) Auch auf der Meso- und Makroebene fördert das Projekt Netzwerke von Friedensakteuren. Zivilgesellschaftliche Akteure und Entscheider*innen werden dabei unterstützt, ein System zur gemeinsamen Kontextbeobachtung zu entwickeln, das die Voraussetzungen für eine wohlinformierte und konfliktsensible Entscheidungsfindung in Bezug auf laufende und künftige Maßnahmen schafft. Dabei wird in Zusammenarbeit mit GFA eine Wirkungsevaluierung durchgeführt, um Erkenntnisse über die Wirksamkeit der umgesetzten Maßnahmen zu gewinnen.

 

Stand: Dezember 2020