Farming for Resilience (F4R): Die Lebensverhältnisse in den ländlichen Regionen Namibias verbessern

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Wettbewerbsfähige und klimaresiliente Agrar- und Ernährungswirtschaft
Auftraggeber: Deutsches Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Namibia
Politischer Träger: Ministry of Agriculture, Water and Land Reform (MAWLR)
Gesamtlaufzeit: 2020 bis 2024

 

Gemeinschaftsgärten bieten nahrhafte Lebensmittel und alternative Einnahmequellen

Ausgangssituation

Die namibische Agrar- und Ernährungswirtschaft spielt nach wie vor eine entscheidende Rolle für die volkswirtschaftliche Entwicklung des Landes. Für rund 70 Prozent der Bevölkerung stellt die Landwirtschaft direkt oder indirekt die Haupteinkommensquelle dar, und ein Drittel aller Arbeitnehmer*innen ist bei Agrarunternehmen beschäftigt. Die jüngsten Dürren haben jedoch gezeigt, wie anfällig die namibische Agrar- und Ernährungswirtschaft gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels ist. Insbesondere in Gebieten mit gemeinschaftlicher Flächenbewirtschaftung ist die Agrarproduktion immer noch weitgehend durch Subsistenzlandwirtschaft mit geringen Ernten, einer hohen Abhängigkeit von den Niederschlägen, einem begrenzten Zugang zu Wasser, hohen Nachernteverlusten und einer nicht sachgerechten Bewirtschaftung von Weideland geprägt. Darüber hinaus fehlen in der Agrar- und Ernährungswirtschaft Möglichkeiten, die Ernten zu verarbeiten, und Kleinerzeuger*innen haben nur eingeschränkte Möglichkeiten, ihre Produkte zu vermarkten. Die Auswirkungen der letzten Dürre in den Jahren 2018 und 2019 sowie der Corona-Pandemie im Jahr 2020 haben deutlich gemacht, dass die Resilienz von Kleinerzeuger*innen und Agrarunternehmen gegenüber externen Schocks verbessert werden muss, um die Nachhaltigkeit der Lebensgrundlagen im ländlichen Raum und in den Städten zu stärken.

Ziel

Die namibische Agrar- und Ernährungswirtschaft wird resilienter.

Naturschutzbecken für eine verbesserte Bodenfruchtbarkeit

Vorgehensweise

Farming for Resilience (F4R) unterstützt das namibische Ministry of Agriculture, Water and Land Reform (MAWLR) dabei, die Resilienz in der Agrar- und Ernährungswirtschaft grundsätzlich zu stärken. Darüber hinaus werden Kleinerzeuger*innen in die Lage versetzt, sich besser an die Folgen des Klimawandels anzupassen, und zwar insbesondere in Gebieten mit gemeinschaftlicher Flächenbewirtschaftung. Um die zahlreichen voneinander abhängigen Herausforderungen und Schwachpunkte im Zusammenhang mit dem Klimawandel wirkungsvoll zu bearbeiten, arbeitet F4R mit den jeweiligen politisch Verantwortlichen, Institutionen und den Zielgruppen zusammen. Dazu setzt das Projekt auf eine ganzheitliche Herangehensweise mit vier Handlungsfeldern: (1) Saatgutproduktion und -vermehrung, (2) an das Klima angepasste Produktionsweisen, (3) Agribusiness und Vermarktung sowie (4) Nahrungsmittel- und Ernährungssicherheit. Durch die Diversifizierung der landwirtschaftlichen Produktionssysteme, klimagerechte Anbaumethoden, einen nachhaltigen Umgang mit Wasser, innovative Geschäfts- und Marketing-Modelle und ein erhöhtes Bewusstsein für den Aspekt der Ernährungssicherheit, möchte F4R bewirken, dass die Zielgruppen besser in der Lage sind, sich an die Auswirkungen des Klimawandels anzupassen. Dazu möchte das Projekt die Widerstandsfähigkeit der verschiedenen Akteure in der Agrar- und Ernährungswirtschaft gegenüber Klimaveränderungen sowie wirtschaftlichen und anderen Verwerfungen verbessern.

F4R wird gemeinsam vom MAWLR und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH umgesetzt. Zu den weiteren Kooperationspartnern zählen wichtige Stakeholder in der Agrar- und Ernährungswirtschaft wie die Agricultural Bank of Namibia (Agribank), Aufsichtsbehörden wie das Namibian Agronomic Board (NAB), Hochschulen und Berufsbildungseinrichtungen, landesweit und regional aktive Zusammenschlüsse von Bäuerinnen und Bauern, in der Agrar- und Ernährungswirtschaft tätige Nichtregierungsorganisationen sowie weitere Ministerien und privatwirtschaftliche Akteure. Zur Hauptzielgruppe gehören Erzeugervereinigungen, Agrargenossenschaften, Kleinerzeuger*innen und Agrarunternehmer*innen sowie Schulen in Gebieten mit gemeinschaftlicher Flächenbewirtschaftung. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Frauen und jungen Menschen. 

Vermehrung eines Mangobaums zur Steigerung der Obstproduktion

Wirkungen

Das Umsetzungskonzept von F4R beruht auf Erkenntnissen und Lernerfahrungen, die durch mehrere Vorgängermaßnahmen gewonnen wurden, darunter die Vorhaben „Landwirtschaftliche Beratung für Begünstigte der Landreform“ und „Anpassung der Landwirtschaft an den Klimawandel im Norden Namibias“, sowie das Communal Land Development Project (CLDP) . Seit 2014 wurden durch diese Projekte folgende Wirkungen erzielt:

  • Fort- und Weiterbildungen auf dem Gebiet der nachhaltigen Landwirtschaft für mehr als 32.500 Bäuerinnen und Bauern, die gemeinschaftlich Flächen bewirtschaften
  • Schulung von 265 Lead Farmern (darunter 52 Prozent Frauen), die das erworbene Wissen an andere Bäuerinnen und Bauern, Gemeinden und Dörfer weitergegeben haben
  • 61 Prozent aller Teilnehmer*innen haben als direktes Ergebnis der Schulungen damit begonnen, bewährte landwirtschaftliche Methoden anzuwenden
  • Durch die Anwendung dieser landwirtschaftlichen Methoden erzielten die Erzeuger*innen im Vergleich zum konventionellen Landbau in niederschlagsreichen Jahren doppelt so hohe Ernten; in Dürrezeiten waren ihre Ernten sogar vier Mal so hoch wie bei Anwendung von herkömmlichen Methoden
  • Das Durchschnittseinkommen der Projektbegünstigten stieg um 70 Prozent

Stand: April 2021